Golf-Absatz VW lockt mit Rekordrabatt

Europas größter Autobauer Volkswagen ködert einer Studie zufolge Kunden für sein wichtigstes Modell Golf mit Rekordrabatten. Andere Hersteller sind ab Werk zwar zurückhaltender, ihre Händler gewähren aber ebenfalls immer höhere Preisnachlässe.

Hamburg - "Die Rabatte für Privatkunden haben beim fabrikneuen Golf ein Niveau von 21 Prozent erreicht", heißt es in einer aktuellen Untersuchung des Leverkusener Instituts B&D-Forecast. Während in den ersten drei Monaten 2005 die Golf-Verkäufe knapp 2 Prozent unter Vorjahr gelegen hätten, sei der Absatz dank einer Rabattaktion im April um 20 Prozent gestiegen, schreibt Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer.

Ausschlaggebend für den starken Anstieg sei eine große Rabattaktion gewesen, bei der VW Händlern beim Verkauf eines Golf zusätzlich 2000 Euro Prämie geboten habe, wenn der Kunde schon Volkswagen fährt. Dabei habe es sich um reguläre Neuwagen gehandelt und nicht um Tageszulassungen. Mit Hilfe von Tageszulassungen bieten Händler Fahrzeuge unter Listenpreis an und kurbeln so die Verkäufe an.

"Treueprämie für maximal 30 Prozent der Käufer"

Nach der B&D-Studie zogen die Verkäufe des Golf V in Deutschland im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 20 Prozent an, schreibt die Zeitung. VW verwies in einer Stellungnahme darauf, dass die Treueprämie "sich an maximal 30 Prozent der Neuwagenkäufer richtet und auf alle Kunden gerechnet ein Incentiveniveau von rund 600 Euro ergibt". Zur Höhe der Gesamtrabatte äußerte der Konzern sich nicht.

VW hatte den Golf nach dem schleppenden Verkaufsstart zunächst befristet ohne Aufpreis mit Klimaanlage ausgerüstet. Zum ursprünglich ausgewiesenen Listenpreis wurde das Auto wegen immer neuer Rabatte und Dreingaben allerdings auch danach praktisch nie verkauft. Wegen der deshalb geringen Marge des wichtigsten Autos im Konzern hatten Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder und der neue Chef der VW-Markengruppe, Wolfgang Bernhard, in der vergangenen Woche eine Kostenklausur einberufen.

Durchschnittsrabatt gestiegen

Durchschnittsrabatt um 200 Euro gestiegen

Insgesamt lag das Rabattniveau für Neuwagen in Deutschland nach Dudenhöffers Berechnungen in den Monaten April und Mai bei 3200 Euro oder 16 Prozent und damit rund 200 Euro über den Vergleichswerten des Vorjahres. Die Höhe dieses Rabattniveaus sei auch durch hohe Preisabschläge beim Golf geprägt.

Auf Nachfrage sagte BMW der Nachrichtenagentur dpa, Werksrabatte würden nicht gegeben. Das Verhalten der einzelnen Händler habe der Konzern aber nicht unter Kontrolle. Ähnlich äußerten sich Ford und Mercedes. Eine Mercedes-Sprecherin sagte aber einschränkend, "dem momentanen Trend zu Rabatten können wir uns auch nicht entziehen".

Nach einem Bericht der Zeitschrift "Capital" greifen die deutschen Top-Hersteller Mercedes, BMW und Audi außerdem immer mehr zu Sonderzulassungen, um den Absatz anzukurbeln. Mit diesen kurzfristigen Zulassungen werden die Wagen ein paar Tage angemeldet und können danach mit Preisnachlass als Vorführwagen oder Dienstwagen angeboten werden. Laut "Capital" kommt BMW auf 13 Prozent Sonderzulassungen, Audi auf 10 Prozent und Mercedes auf 4 Prozent. Früher hatten vor allem Massenhersteller den Trick genutzt.

Gegenläufige Entwicklungen und Deutschland und Amerika

Hohe Rabatte waren bisher vor allem auf dem amerikanischen Automarkt üblich und verhageln den Herstellern dort seit Jahren die Margen. Während General Motors  jüngst eine erneute Ausweitung der Rabatte angekündigt hatte, kündigte Volkswagen für den dortigen Markt eine Verringerung des Rabattniveaus an und löste damit Verwunderung aus, weil der Konzern dort mit massiven Absatzeinbrüchen zu kämpfen hat.

VW hofft aber offenbar auf die verkaufsfördernde Wirkung der im Januar vorgestellten fünften Generation der Golf-Stufenheckvariante Jetta, die in den USA das wichtigste Modell ist, und möchte das Auto nicht von vornherein mit erheblichen Abschlägen verkaufen. Bisher hat sich der Jetta-Absatz allerdings nicht wie erwartet entwickelt. Analysten wollen aber noch keinen Fehlstart diagnostizieren, sondern erst die Juni-Verkaufszahlen abwarten.

Die Pkw-Neuzulassungen am deutschen Markt hatten nach einem äußerst schwachen Start ins Jahr im April und Mai zugelegt. Der Branchenverband VDA erkennt darin bereits einen festeren Trend, warnt zugleich aber vor zu hohen Erwartungen. Ein Anspringen der Autokonjunktur sei nach fünf Stagnationsjahren noch nicht zu erwarten.

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