Rücktritt Ohrfeige für IWKA-Management

Investor Guy Wyser-Pratte hat sich durchgesetzt. IWKA-Chef Jürgen Fahr trat noch vor der Hauptversammlung ab, und Vertreter des Aufsichtsrates boten Rücktritte an. Am Abend demonstrierten die US-Investoren noch einmal ihre Macht: Vorstand und Aufsichtsrat wurde die Entlastung verweigert.

Karlsruhe - Der Chef des Maschinenbauers IWKA , Jürgen Fahr, hat im Streit mit dem US-Großinvestor Guy Wyser-Pratte seinen Hut genommen. Der Aufsichtsrat habe dem Rücktritt Fahrs zugestimmt, erklärte das im MDax  notierte Unternehmen am Freitagmorgen in einer Ad-hoc-Mitteilung. Kurz darauf legte der IWKA-Aktienkurs um mehr als 4 Prozent zu.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Engel sowie Aufsichtsratsmitglied Jürgen Hubbert hätten dem Aufsichtsrat ebenfalls angeboten, noch vor der Hauptversammlung oder danach ihre Mandate niederzulegen. Die übrigen Aufsichtsratsmitglieder (Arbeitnehmer- und Anteilseignervertreter) hätten die beiden aber einstimmig gebeten, im Interesse des Unternehmens im Aufsichtsrat zu verbleiben.

Entlastung am Abend verweigert

Die Investoren um Großaktionär Wyser-Pratte demonstrierten auch nach der Demontage des Vorstands am Abend noch einmal ihre Macht: Vorstand und Aufsichtsrat wurde am Freitag Abend in einer Kampfabstimmung mit den Fondsgesellschaften mit weniger als 50 Prozent der Aktionärsstimmen die Entlastung verweigert. Dies hat allerdings keine direkten Konsequenzen.

Wyser-Pratte hat gleichzeitig sein Vorhaben auf, die Aufsichtsratsmitglieder Engel und Ex-Mercedes-Chef Jürgen Hubbert abwählen zu lassen. Dem Gremium solle Zeit gegeben werden, sich in den kommenden Monaten neu zu konstituieren, sagte ein Sprecher von Wyser-Pratte.

Festhalten an Drei-Säulen-Strategie

Aufsichtsratschef Engel sagte während der Hauptversammlung, der Aufsichtsrat halte an der Drei-Säulen-Strategie für den Konzern fest und lehne eine Konzentration auf die Robotertechnik weiterhin ab. Dies hatte Investor Wyser-Pratte zwar am Vortag noch in mehreren Interviews gefordert, auf der Hauptversammlung sprach er jedoch von anderen Plänen: Weder eine Aufspaltung noch eine Übernahme von IWKA kämen für ihn in Frage. Er traue dem verbleibenden Management außerdem zu, das Unternehmen künftig zu führen.

Der Vorwurf von Aktionären, das Gremium habe den Vorstand in der Vergangenheit nicht ausreichend kontrolliert, sei haltlos, führte Aufsichtsratschef Engel weiter aus. Der Aufsichtsrat habe gemeinsam mit dem Vorstand mehrere Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität und Produktivität eingeleitet. Wyser-Pratte hatte zuvor bemängelt, dass Vertreter von BMW und DaimlerChrysler in dem Gremium sitzen - zwei Hauptkunden bei IWKA.

Rücktritt "zum Wohle des Konzerns und seiner Person"

Wegen des unerwartet schwachen Abschneidens der Kernsparte Robotik im ersten Quartal sei eine außerordentliche Aufsichtsratsitzung am 19. Juni einberufen worden, sagte Engel. Dort würde über weitere Maßnahmen beraten. Engel dankte Ex-Vorstandschef Fahr für seine Arbeit. Dieser sei "zum Wohle des Konzerns und seiner Person" zurückgetreten. Auf dem Aktionärstreffen tritt Fahr nicht mehr auf und wird von Finanzchef Hans Lampert vertreten.

Der amerikanische Investor und Großaktionär Guy Wyser-Pratte (64) hatte im Vorfeld der Hauptversammlung des Karlsruher Anlagenbauers gesagt, die Aufsichtsräte der IWKA hätten andere Interessen als das Wohl des Unternehmens.

"Nehmen Sie Herrn Hubbert, der bekanntermaßen DaimlerChrysler nahe steht", sagte Wyser-Pratte. "DaimlerChrysler ist der größte Kunde der IWKA. Und wenn ein Kunde seinen Lieferanten kontrolliert, dann bestimmt nicht im Sinne des Lieferanten."

Unterstützung von anderen Fonds

Unterstützung von anderen Fonds erwartet

Wyser-Pratte beklagt, dass keiner der Aufsichtsräte auch nur eine einzige Aktie des Unternehmens besitze. Schon daran könne man sehen, wie wenig Vertrauen das Kontrollgremium in den Maschinenbauer habe.

Über den Vorstandsvorsitzenden Fahr hatte Wyser-Pratte gesagt: "Er wollte sich ein Königreich zusammenstellen und hat dabei ein Unternehmen geschaffen, das er selbst nicht versteht". IWKA, derzeit ein Konglomerat aus rund 90 Firmen mit einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro, müsse sich auf das Kerngeschäft, die Robotersparte, konzentrieren. Alle anderen Bereiche sollten abgestoßen werden, meint Wyser-Pratte. Diese Strategie würde die Abhängigkeit von der Autoindustrie nicht erhöhen. "Die Roboter müssen nur diversifiziert werden", sagte der US-Investor.

An den jüngst gemeldeten Ergebniseinbruch in diesem Geschäftsbereich mag Wyser-Pratte nicht glauben. "Ich glaube, die Gewinne in der Robotersparte wurden gedrückt, weil man mir keine Munition für meine Pläne geben will", sagte er. "Ich halte es bei diesen Leuten für sehr wahrscheinlich, dass man die Zahlen etwas frisiert."

Der Konzern erwägt nun rechtliche Schritte gegen den Großaktionär. Der Behauptung, die Geschäftszahlen seien manipuliert worden, trete "der Vorstand der IWKA in aller Schärfe entgegen und behält sich rechtliche Schritte vor", teilte das Karlsruher Unternehmen mit. Wyser-Pratte habe mit seinen unwahren Behauptungen und Unterstellungen versucht, das Abstimmungsverhalten der Aktionäre vor der Hauptversammlung am Freitag zu beeinflussen. Der Investor reagierte amüsiert auf die Klageandrohung: "Sie wissen, so leicht fürchte ich mich nicht."

Die BaFin über "Acting in Concert"

Die BaFin über "Acting in Concert"

Gegenüber manager-magazin.de hatte ein IWKA-Konzernmitarbeiter am Donnerstagabend erklärt, dass der "Casus Wyser-Pratte" möglicherweise auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könne. Die Aussage, ein Unternehmen "frisiere" Zahlen ist nach Aussage von Experten justiziabel, also richterlicher Entscheidung unterworfen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verwahrte sich gegenüber einer Aussage, mit der verschiedene Medien Wyser-Pratte zuvor zitiert hatten. Demnach hatte sich der Beteiligungsspezialist bereits im Vorfeld der Hauptversammlung bei der BaFin erkundigt, ob es zur IWKA-Hauptversammlung ein Problem beim Abstimmungsverhalten der Wyser-Pratte nahe stehenden Investoren geben könne - die BaFin habe dies verneint.

Problematisch wäre es für Wyser-Pratte, wenn die Aufsichtsbehörde mehreren Investoren ein so genanntes "Acting in Concert" nachwiese - also ein unter den Beteiligten verabredetes Abstimmungsverhalten auf der HV.

BaFin: Kein Gespräch zu IWKA mit Wyser-Pratte

"Es hat in den vergangenen Wochen zum Fall IWKA weder mit Herrn Wyser-Pratte noch mit Rechtsvertretern Gespräche zu diesem Thema gegeben", erklärte BaFin-Sprecherin Sabine Reimer nun gegenüber manager-magazin.de. Mithin habe die Behörde auch derzeit noch keine Einschätzung zu einer möglichen "Acting-in-Concert"-Problematik bei IWKA vorgenommen.

Auf der Hauptversammlung sagte AR-Chef Engel nun, es gebe deutliche Hinweise für ein "Acting in Concert". Ob IWKA die BaFin einschalten will, sagte er nicht.

Gegenüber dem "Handelsblatt" hatte Wyser-Pratte gesagt, man habe "zwar keine Koalition mit den anderen Aktionären, aber wir haben gleiche Interessen". Er zähle auf die Unterstützung der anderen Fonds, die zusammen auf rund 30 Prozent der Stimmen kommen. Als Berater für die Abwahlaktion hatte Wyser-Pratte die Londoner Filiale des US-Unternehmens MacKenzie, einen Aktionärsrechtspezialisten, engagiert.

Wyser-Prattes Wunschkandidaten

Reiner Beutel (45) und Anton Dulski (61) sind Wunschkandidaten von Wyser-Pratte für die möglicherweise frei werdenden Plätze im IWKA-Aufsichtsrat. Beutel begann seine Karriere bei dem Berater A.T. Kearny und arbeitete anschließend viele Jahre im Management beim Autozulieferer Bosch, zuletzt im Topmanagement von Bosch Telecom.

Dulski war Chief Operating Officer bei der New Yorker Mineral Technologies, einem Spin-off des Pharmakonzerns Pfizer , zuvor sammelte er mehr als 30 Jahre Managementerfahrungen im Ausland, unter anderem als Präsident bei Pfizer, Japan, aber auch in Osteuropa. Dulski spricht fünf Sprachen fließend, darunter auch Deutsch.

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