IWKA/Wyser-Pratte "Munition für meine Pläne"

US-Investor Guy Wyser-Pratte erhebt schwere Vorwürfe gegen IWKA. Der Vorstandschef verstehe seinen Konzern nicht mehr, die Aufsichtsräte hätten kein Vertrauen in das Unternehmen, Zahlen im Geschäftsbericht seien "sehr wahrscheinlich frisiert". Klagt IWKA jetzt wegen Verleumdung?

Stuttgart - Der amerikanische Investor und Großaktionär Guy Wyser-Pratte (64) spitzt im Vorfeld der Hauptversammlung des Karlsruher Anlagenbauers IWKA  seine Kritik am Aufsichtsrat des Unternehmens zu. Im Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" sagte Wyser-Pratte, die Aufsichtsräte der IWKA hätten andere Interessen als das Wohl des Unternehmens.

"Nehmen Sie Herrn Hubbert, der bekanntermaßen DaimlerChrysler nahe steht", sagte Wyser-Pratte. "DaimlerChrysler ist der größte Kunde der IWKA. Und wenn ein Kunde seinen Lieferanten kontrolliert, dann bestimmt nicht im Sinne des Lieferanten."

Wyser-Pratte beklagt, dass keiner der Aufsichtsräte auch nur eine einzige Aktie des Unternehmens besitze. Schon daran könne man sehen, wie wenig Vertrauen das Kontrollgremium in den Maschinenbauer habe. Wyser-Pratte, der nach eigenen Angaben rund sechs Prozent des Kapitals der IWKA hält, will auf der Hauptversammlung am Freitag in Karlsruhe sowohl Jürgen Hubbert als auch den Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhard Engel abwählen und eigene Kandidaten installieren. "Herr Hubbert ist am einfachsten zu ersetzen", sagte Wyser-Pratte.

Unterstützung von anderen Fonds erwartet

Auch der Vorstandsvorsitzende Hans Fahr solle gehen. "Er wollte sich ein Königreich zusammenstellen und hat dabei ein Unternehmen geschaffen, das er selbst nicht versteht", so Wyser-Pratte über Fahr. Die IWKA, derzeit ein Konglomerat aus rund 90 Firmen mit einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro, müsse sich auf ihr Kerngeschäft, die Robotersparte, konzentrieren. Alle anderen Bereiche sollten abgestoßen werden, meint Wyser-Pratte. Diese Strategie würde die Abhängigkeit von der Autoindustrie nicht erhöhen. "Die Roboter müssen nur diversifiziert werden", sagte der US-Investor.

An den jüngst gemeldeten Ergebniseinbruch in diesem Geschäftsbereich mag Wyser-Pratte nicht glauben. "Ich glaube, die Gewinne in der Robotersparte wurde gedrückt, weil man mir keine Munition für meine Pläne geben will", sagte er. "Ich halte es bei diesen Leuten für sehr wahrscheinlich, dass man die Zahlen etwas frisiert." Die Hauptversammlung der IWKA findet am Freitag in Karlsruhe statt. Wyser-Pratte hat sein Kommen fest zugesagt.

Die BaFin über "Acting in Concert"

Die BaFin über "Acting in Concert"

Gegenüber manager-magazin.de erklärte ein IWKA-Konzernmitarbeiter, dass noch vor Beginn der morgigen Hauptversammlung eine Unternehmensmeldung "zum Casus Wyser-Pratte" verbreitet werde. Darin könnten auch rechtliche Aspekte eine Rolle spielen. Die Aussage, ein Unternehmen "frisiere" Zahlen ist nach Aussage von Experten justiziabel, also richterlicher Entscheidung unterworfen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verwahrte sich gegenüber einer Aussage, mit der verschiedene Medien Wyser-Pratte zuvor zitiert hatten. Demnach hatte sich der Beteiligungsspezialist bereits im Vorfeld der Hauptversammlung bei der BaFin erkundigt, ob es zur IWKA-HV ein Problem beim Abstimmungsverhalten der Wyser-Pratte nahe stehenden Investoren geben könne - die BaFin habe dies verneint.

Problematisch wäre es für Wyser-Pratte, wenn die Aufsichtsbehörde mehreren Investoren ein so genanntes "Acting in Concert" nachwiese - also ein unter den Beteiligten verabredetes Abstimmungsverhalten auf der HV.

BaFin: Kein Gespräch zu IWKA mit Wyser-Pratte

"Es hat in den vergangenen Wochen zum Fall IWKA weder mit Herrn Wyser-Pratte noch mit Rechtsvertretern Gespräche zu diesem Thema gegeben", erklärte BaFin-Sprecherin Sabine Reimer nun gegenüber manager-magazin.de. Mithin habe die Behörde auch derzeit noch keine Einschätzung zu einer möglichen "Acting-in-Concert"-Problematik bei IWKA vorgenommen.

Gegenüber dem "Handelsblatt" zeigte sich Wyser-Pratte optimistisch, eine Mehrheit für seine Gegenanträge zu bekommen. "Wir haben zwar keine Koalition mit den anderen Aktionären, aber wir haben gleiche Interessen." Er zähle auf die Unterstützung der anderen Fonds, die zusammen auf rund 30 Prozent der Stimmen kommen. Als Berater für die geplante Abwahlaktion hat Wyser-Pratte die Londoner MacKenzie, einen Aktionärsrechtspezialisten, engagiert.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.