Mai-Zahlen Arbeitslosigkeit sinkt deutlich

Am kommenden Dienstag wird die Bundesagentur für Arbeit eine deutlich gefallene Arbeitslosenzahl vorstellen. Die Erfolgsmeldung hat allerdings wenig mit einer nachhaltigen Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt zu tun. Stattdessen helfen das Frühlingswetter und viele Ein-Euro-Jobs.

Nürnberg - "Wir erwarten einen Rückgang um 168.000 auf 4,8 Millionen", erklärte die Dresdner-Bank-Volkswirtin Christiane Seyffart. Die jahreszeitlich übliche Entspannung auf dem Arbeitsmarkt werde durch eine steigende Zahl von Ein-Euro-Jobbern verstärkt. "Hier wirken sich die erhöhten Arbeitsanreize aus", sagte Seyffart.

Eine weitere statistische Entlastung bringen der Volkswirtin zufolge Erwerbslose, die wegen zu gut verdienender Partner keine Ansprüche mehr auf Arbeitslosengeld II haben. Insgesamt werde die Arbeitslosenzahl im Mai aber rund eine halbe Million höher liegen als im Vorjahr, ein Großteil davon sei wegen der Arbeitsmarktreform Hartz IV seit Jahresbeginn neu in der Statistik aufgetaucht. Für die Monate vor einer Bundestagswahl im September prognostizierte die Volkswirtin einen weiteres, witterungsbedingtes Sinken der Arbeitslosigkeit.

Die offiziellen Arbeitsmarktdaten legt die Bundesagentur am kommenden Dienstag vor. Volkswirte rechnen aber mit einer deutlichen Erholung. Die Tageszeitungen "Bild" und "Welt" Berichten allerdings schon heute übereinstimmend, dass die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai nach ersten Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf rund 4,78 Millionen gesunken sein soll. "Die Welt" schrieb, Arbeitsmarktexperten machten hauptsächlich saisonale Gründe für den Rückgang verantwortlich. "Bild" nannte außerdem eine Ausweitung von so genannten Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs).

Konjunktur stützt Erholung nicht

Holger Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft sagte für den Monat Mai einem Rückgang um 150.000 auf 4,82 Millionen Erwerbslose voraus. Dafür seien aber allein jahreszeitliche Gründe ausschlaggebend, betonte der Volkswirt. Die Konjunktur habe bei dieser Erholung keine Rolle gespielt, Zu- und Abgänge aus der Arbeitslosenstatistik wegen Hartz IV hätten sich ausgeglichen.

Eine massive Ausweitung der Ein-Euro-Jobs vor den Bundestagswahlen hält Schäfer für unwahrscheinlich. "Die Ein-Euro-Jobs haben in einigen Bereichen zu einem Verdrängungswettbewerb geführt. Hier ist daher Vorsicht geboten." Außerdem seien die zuständigen Arbeitsgemeinschaften aus Agenturen und Kommunen noch mit sich selbst beschäftigt.

Am optimistischsten fiel die Prognose des Deutsche-Bank Volkswirts Stephan Bielmeier aus. Er rechnet mit 218.000 Erwerbslosen weniger als im April, die Zahl der Arbeitslosen läge im Mai demnach bei 4,75 Millionen. Die Frühjahrsbelebung habe sich neben der regulären Beschäftigung auch die Ein-Euro-Jobs ausgewirkt, schätzt Bielmeier. Allein im Mai hätten 50.000 neue Ein-Euro-Jobs die Arbeitsmarktstatistik entlastet, "mit dem besseren Wetter werden noch mehr Menschen in solche Arbeitsgelegenheiten reinkommen".

Im Monatsdurchschnitt werde sich die Arbeitslosigkeit bis zum Sommer durch dem vermehrten Einsatz von Ein-Euro-Jobs um 30.000 verringern. "Möglicherweise werden im Sommer zusätzlich Arbeitsmarktprogramme aufgelegt, um die Statistik vor der Wahl besser aussehen zu lassen". Konjunkturell seien dagegen keine Impulse zu erwarten. "Vom wirtschaftlichen Umfeld her kommt nichts", sagte Bielmeier.