Hedgefonds Eine Milliarde Dollar pro Tag

Wie verdient man eine Milliarde Dollar an einem einzigen Tag? Hedgefondsmanager George Soros hat es vorgemacht. Die Strategien der als "Heuschrecken" titulierten Finanzakrobaten sind riskant, aber höchst einträglich – wenn es gut geht. Ein Überblick über die Lieblingswerkzeuge der Freistil-Investoren.

Hamburg - 1992 wettete George Soros mit immensem Geldeinsatz auf eine Abwertung des britischen Pfund und zwang damit sogar die britische Notenbank in die Knie: Als diese die Bindung an den europäischen Währungskorb aufgeben und das Pfund kräftig abwerten musste, klingelte bei Soros' Hedgefonds "Quantum" die Kasse. Dieser Coup verlieh nicht nur Soros Legendenstatus, sondern zementierte auch den zweifelhaften Ruf von Hedgefonds, neben einzelnen Unternehmen auch ganze Währungssysteme zum Beben zu bringen. Die beliebtesten Strategien von Hedgefonds sind in folgenden Beispielen erläutert:

Schlacht um das Pfund: "Spekuliere nie gegen eine Zentralbank" mahnt die Börsenweisheit. George Soros hielt sich nicht daran und landete damit im Herbst 1992 einen der größten Coups der Finanzgeschichte. Sein Hedgefonds "Quantum" wettete mit hohem Einsatz gegen das britische Pfund - obwohl die britische Notenbank mit kräftigen Leitzinserhöhungen versuchte, die angeschlagene Währung zu stützen. Als Schatzkanzler Norman Lamont die Währung dann doch aus dem Europäischen Währungssystem entfernen musste, sackte das Pfund wie ein Stein - und Soros' Hedgefonds war um eine Milliarde Dollar reicher. Währungsspekulationen sind Teil einer "Global Macro"-Strategie: Hedgefondsmanager setzen auf globale Trends wie etwa die Entwicklung von Devisen, um ihren Einsatz zu vervielfachen. Doch selbst Soros verbrannte sich bei anderer Gelegenheit die Finger ...

Schlacht um das Pfund: "Spekuliere nie gegen eine Zentralbank" mahnt die Börsenweisheit. George Soros hielt sich nicht daran und landete damit im Herbst 1992 einen der größten Coups der Finanzgeschichte. Sein Hedgefonds "Quantum" wettete mit hohem Einsatz gegen das britische Pfund - obwohl die britische Notenbank mit kräftigen Leitzinserhöhungen versuchte, die angeschlagene Währung zu stützen.

Als Schatzkanzler Norman Lamont die Währung dann doch aus dem Europäischen Währungssystem entfernen musste, sackte das Pfund wie ein Stein - und Soros' Hedgefonds war um eine Milliarde Dollar reicher. Währungsspekulationen sind Teil einer "Global Macro"-Strategie: Hedgefondsmanager setzen auf globale Trends wie etwa die Entwicklung von Devisen, um ihren Einsatz zu vervielfachen. Doch selbst Soros verbrannte sich bei anderer Gelegenheit die Finger ...

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Legendärer Crash: Sie schienen unschlagbar. Die Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Merton und Myron Scholes hatten mit geschickten Anleihespekulationen die Gewinne ihres Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) in die Höhe getrieben. Anleger, darunter zahlreiche Großbanken, waren von dieser "Global Macro"-Variante begeistert und überhäuften LTCM mit Krediten. 1998 spekulierte LTCM mit Russland-Anleihen in Rubel und in Dollar - als Ministerpräsident Kiriyenko auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise heimischen Banken verbat, Dollar an ausländische Investoren zurückzuzahlen, verlor LTCM knapp fünf Milliarden Euro. Mit einer milliardenschweren Rettungsaktion mussten die beteiligten Banken den Kollaps des Fonds verhindern. Die Märkte gerieten ins Wanken, und fortan wurde das Kreditvolumen für Hedgefonds begrenzt. Schwacher Trost für Scholes und Merton: Auch Hedgefondsguru George Soros soll während der Russland-Krise rund zwei Milliarden Dollar versenkt haben.

Legendärer Crash: Sie schienen unschlagbar. Die Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Merton und Myron Scholes hatten mit geschickten Anleihespekulationen die Gewinne ihres Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) in die Höhe getrieben. Anleger, darunter zahlreiche Großbanken, waren von dieser "Global Macro"-Variante begeistert und überhäuften LTCM mit Krediten.

1998 spekulierte LTCM mit Russland-Anleihen in Rubel und in Dollar - als Ministerpräsident Kiriyenko auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise heimischen Banken verbat, Dollar an ausländische Investoren zurückzuzahlen, verlor LTCM knapp fünf Milliarden Euro. Mit einer milliardenschweren Rettungsaktion mussten die beteiligten Banken den Kollaps des Fonds verhindern. Die Märkte gerieten ins Wanken, und fortan wurde das Kreditvolumen für Hedgefonds begrenzt. Schwacher Trost für Scholes und Merton: Auch Hedgefondsguru George Soros soll während der Russland-Krise rund zwei Milliarden Dollar versenkt haben.

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Gewinnen, wenn die Kurse fallen: Mit der "Short Equity"-Strategie locken Hedgefonds Anleger, auch in schlechten Zeiten Kasse zu machen. Anleger der Deutschen Telekom haben diese Leerverkauf-Strategie leidvoll erfahren: Britische Hedgefonds wie Thames River Capital liehen sich 2001 im großen Stil Telekom-Aktien aus, um sie sofort am Markt zu verkaufen. Das Papier, ohnehin gedrückt durch die milliardenschwere Voicestream-Übernahme und das Ende des Internethypes, setzte seine Talfahrt fort: Jeden Tiefpunkt nutzen die Hedgefondsmanager, um Aktien billig zurückzukaufen und ihre Positionen "glattzustellen". Hatte ein Hedgefonds zum Beispiel im Frühjahr 2001 geliehene T-Aktien zu 30 Euro verkauft und erst im Juni 2002 zu zehn Euro zurückgekauft, blieben ihm 20 Euro Gewinn. "Die T-Aktie wird von Hedgefonds heruntergeprügelt", beschwerte sich der damalige Telekom-Chef Ron Sommer. Bald darauf musste er gehen - ein drastischer Schuldenabbau schien ein probates Mittel, künftigen Angriffen von Hedgefonds vorzubeugen.

Gewinnen, wenn die Kurse fallen: Mit der "Short Equity"-Strategie locken Hedgefonds Anleger, auch in schlechten Zeiten Kasse zu machen. Anleger der Deutschen Telekom haben diese Leerverkauf-Strategie leidvoll erfahren: Britische Hedgefonds wie Thames River Capital liehen sich 2001 im großen Stil Telekom-Aktien aus, um sie sofort am Markt zu verkaufen. Das Papier, ohnehin gedrückt durch die milliardenschwere Voicestream-Übernahme und das Ende des Internethypes, setzte seine Talfahrt fort: Jeden Tiefpunkt nutzen die Hedgefondsmanager, um Aktien billig zurückzukaufen und ihre Positionen "glattzustellen".

Hatte ein Hedgefonds zum Beispiel im Frühjahr 2001 geliehene T-Aktien zu 30 Euro verkauft und erst im Juni 2002 zu zehn Euro zurückgekauft, blieben ihm 20 Euro Gewinn. "Die T-Aktie wird von Hedgefonds heruntergeprügelt", beschwerte sich der damalige Telekom-Chef Ron Sommer. Bald darauf musste er gehen - ein drastischer Schuldenabbau schien ein probates Mittel, künftigen Angriffen von Hedgefonds vorzubeugen.

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Wie Hedgefonds Geld verdienen
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Das ursprüngliche Ziel von Hedgefonds, Investitionen gegen Risiken wie Wechselkursschwankungen oder Kurseinbrüche abzusichern (to hedge - absichern), gerät dabei nicht selten aus dem Blick. Zumal Hedgefondsmanager - die absoluten Topverdiener der Branche kassieren dreistellige Millionenbeträge pro Jahr an Prämien und Provisionen - sich in der Regel als globale Finanzakrobaten verstehen: Sie spekulieren mit Aktien, Währungen, Rohstoffen, Anleihen und Optionen, gehen riskante Termingeschäfte ein und lassen sich dabei höchst ungern auf die Finger schauen.

Rund 7000 Hedgefonds gibt es derzeit weltweit, Tendenz steigend. Die Gesamtsumme, mit der sie jonglieren, wird auf 1000 Milliarden Dollar geschätzt. Ihr Ziel ist der "Absolute Return", eine möglichst hohe Rendite, ganz gleich, ob die globalen Finanzmärkte steigen, stagnieren oder fallen.

Dabei nutzen sie Strategien, die normalen Investmentfonds verschlossen bleiben - Strategien, die wie im Fall Soros fette Gewinne erzielen, aber auch gründlich schief gehen und das gesamte Finanzsystem durchrütteln können.

Hedgefonds-Legende George Soros zum Beispiel soll während der Russland-Krise 1998 mehr als eine Milliarde Dollar versenkt haben. Der Hedgefonds LTCM, geführt von den Nobelpreisträgern Myron Scholes und Robert Merton, brachte durch seinen Fast-Zusammenbruch im gleichen Jahr die Weltmärkte ins Wanken und konnte nur durch Milliardenhilfen beteiligter Banken gerettet werden.

Verdienen, wenn andere leiden

Verdienen, wenn andere leiden

Erst vor wenigen Monaten kollabierte der Hedgefonds KL Financial Group aus Palm Beach, der seine Anleger zuvor mit Renditen zwischen 40 und 60 Prozent pro Jahr verwöhnt hatte. Gerüchte, dass sich gleich mehrere Hedgefonds mit Anleihen des krisengeplagten Autobauers General Motors gehörig verspekuliert hatten, sorgten Mitte Mai für spürbare Nervosität an der Wall Street.

Verdiene in der Not: "Distressed" (in Schwierigkeiten) ist eine riskante, aber sehr chancenreiche Investmentstrategie von Hedgefonds. Sie kaufen Aktien oder Anleihen in Not geratener Unternehmen, um ihre "Junkbonds" (Schrottanleihen) während der Sanierung des Unternehmens in Aktien zu tauschen. Gelingt die Neustrukturierung der Firma, oder gibt ein konjunktureller Aufschwung einem Nachfolgeunternehmen genug Rückenwind, haben sich die neuen Anteilseigner äußerst günstig in einen wieder genesenden Konzern eingekauft. David Tepper, Junkbond-Experte und Chef des US-Hedgefonds Appaloosa, redete bei der Umwandlung der Pleitefirma Worldcom in das Nachfolgeunternehmen MCI ein gewichtiges Wort mit. Nicht selten beklagen Mitarbeiter die rauen Methoden der neuen Anteilseigner, wenn es darum geht, aus "Schrott" wieder Geld zu machen. Für Tepper scheint sich sein Ansatz zu lohnen: Sein Einkommen betrug im Vorjahr laut dem US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" 500 Millionen Dollar.

Verdiene in der Not: "Distressed" (in Schwierigkeiten) ist eine riskante, aber sehr chancenreiche Investmentstrategie von Hedgefonds. Sie kaufen Aktien oder Anleihen in Not geratener Unternehmen, um ihre "Junkbonds" (Schrottanleihen) während der Sanierung des Unternehmens in Aktien zu tauschen. Gelingt die Neustrukturierung der Firma, oder gibt ein konjunktureller Aufschwung einem Nachfolgeunternehmen genug Rückenwind, haben sich die neuen Anteilseigner äußerst günstig in einen wieder genesenden Konzern eingekauft.

David Tepper, Junkbond-Experte und Chef des US-Hedgefonds Appaloosa, redete bei der Umwandlung der Pleitefirma Worldcom in das Nachfolgeunternehmen MCI ein gewichtiges Wort mit. Nicht selten beklagen Mitarbeiter die rauen Methoden der neuen Anteilseigner, wenn es darum geht, aus "Schrott" wieder Geld zu machen. Für Tepper scheint sich sein Ansatz zu lohnen: Sein Einkommen betrug im Vorjahr laut dem US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" 500 Millionen Dollar.

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Schnell rein, schnell raus: Geschwindigkeit ist für Hedgefonds entscheidend. Steve Cohen bewegt mit seinem Hedgefonds SAC Capital an guten Tagen 3 Prozent des Umsatzes an der Nyse und ist damit einer der "Monstertrader" an der Wall Street. Cohen und sein Team nutzen winzige Preisunterschiede an einzelnen Handelsplätzen oder auch Gerüchte binnen Sekunden dazu, um massiv Aktien zu kaufen und wieder zu verkaufen. "Arbitrage" nennt sich dieser Ansatz. Man nutze "Ineffizienzen des Marktes" oder "Informationsvorsprünge", heißt es vornehm. Wer Investmentbanken mit Handelsgebühren in Millionenhöhe versorge, bekomme im Gegenzug schon mal einen Tipp, "Information Arbitrage", behaupten Kritiker. Bedenklich ist für viele vor allem das hohe Handelsvolumen und damit die wachsende Macht der Hedgefonds: Angeblich sind sie bereits für mehr als 30 Prozent des Handels an der Londoner Börse verantwortlich. Viel Geld in schnellen Händen.

Schnell rein, schnell raus: Geschwindigkeit ist für Hedgefonds entscheidend. Steve Cohen bewegt mit seinem Hedgefonds SAC Capital an guten Tagen 3 Prozent des Umsatzes an der Nyse und ist damit einer der "Monstertrader" an der Wall Street. Cohen und sein Team nutzen winzige Preisunterschiede an einzelnen Handelsplätzen oder auch Gerüchte binnen Sekunden dazu, um massiv Aktien zu kaufen und wieder zu verkaufen. "Arbitrage" nennt sich dieser Ansatz. Man nutze "Ineffizienzen des Marktes" oder "Informationsvorsprünge", heißt es vornehm.

Wer Investmentbanken mit Handelsgebühren in Millionenhöhe versorge, bekomme im Gegenzug schon mal einen Tipp, "Information Arbitrage", behaupten Kritiker. Bedenklich ist für viele vor allem das hohe Handelsvolumen und damit die wachsende Macht der Hedgefonds: Angeblich sind sie bereits für mehr als 30 Prozent des Handels an der Londoner Börse verantwortlich. Viel Geld in schnellen Händen.

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"Zeitbomben" mit Hebelwirkung: Nicht nur direkte Investments bringen Geld. Die Mehrzahl der Hedgefonds spekuliert neben Aktien auch mit Rohstoffen, Anleihen und Währungen, ohne sich dabei ein Fass Öl oder einen Sack voll Dollar ins Lager stellen zu müssen. Die Fonds investieren statt dessen in komplizierte Finanzderivate, wie zum Beispiel Termingeschäfte: Sie wetten darauf, dass der Preis von Öl, Kupfer, Stahl, Kaffee, Getreide oder der Kurs einer beliebigen Währung innerhalb einer bestimmten Zeitspanne steigt oder fällt. Der Einsatz von Termingeschäften gehört zum Pflichtprogramm der Big Player, wie zum Beispiel des Caxton Hedgefonds, der seit 1983 durchschnittlich um 30 Prozent gestiegen ist. Der Zahl und Komplexität dieser Finanzderivate sind keine Grenzen gesetzt: Großinvestor Warren Buffett hat diese Derivate einst in weiser Voraussicht als "Zeitbomben" mit dem Potenzial "finanzieller Massenvernichtungswaffen" beschrieben ...

"Zeitbomben" mit Hebelwirkung: Nicht nur direkte Investments bringen Geld. Die Mehrzahl der Hedgefonds spekuliert neben Aktien auch mit Rohstoffen, Anleihen und Währungen, ohne sich dabei ein Fass Öl oder einen Sack voll Dollar ins Lager stellen zu müssen. Die Fonds investieren statt dessen in komplizierte Finanzderivate, wie zum Beispiel Termingeschäfte: Sie wetten darauf, dass der Preis von Öl, Kupfer, Stahl, Kaffee, Getreide oder der Kurs einer beliebigen Währung innerhalb einer bestimmten Zeitspanne steigt oder fällt.

Der Einsatz von Termingeschäften gehört zum Pflichtprogramm der Big Player, wie zum Beispiel des Caxton Hedgefonds, der seit 1983 durchschnittlich um 30 Prozent gestiegen ist. Der Zahl und Komplexität dieser Finanzderivate sind keine Grenzen gesetzt: Großinvestor Warren Buffett hat diese Derivate einst in weiser Voraussicht als "Zeitbomben" mit dem Potenzial "finanzieller Massenvernichtungswaffen" beschrieben ...

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Verdienen, wenn andere leiden
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Das Nervenflattern hat seinen Grund. Banken, Versicherungen und sogar Pensionskassen investieren inzwischen selbst viel Geld in Hedgefonds, um ihre eigene Performance aufzubessern. In Zeiten stagnierender Aktienmärkte und niedriger Zinsen ist mit klassischen Anlageinstrumenten nicht viel zu holen. Darum darf es ruhig ein bisschen mehr Risiko sein, und aus diesem Grund fließt den Freistil-Investoren reichlich Geld zu. Im vergangenen Herbst war es unter Topbankern en vogue, auf die scheinbar zeitgemäße Form des Geldverdienens umzuschwenken: "Jeder Investmentbanker scheint dieser Tage einen Hedgefonds aufzumachen oder dies zumindest anzudrohen", lästerte die "Financial Times".

Dieser Schulterschluss ist jedoch riskant. "Die Risiken für Störungen an den Märkten steigen", warnt Stephen Green, Chef der Großbank HSBC. Immer mehr Finanzdienstleister nutzten inzwischen ähnliche Strategien, um ihre Renditen zu verbessern und ihre Risiken zu managen: Geht eine dieser Strategien nicht auf, leiden viele Beteiligte, und den Märkten droht ein zerstörerischer Dominoeffekt.

Einer der wichtigsten Gewinnhebel von Hedgefonds ist ein zusätzliches Risiko für die Märkte: Hedgefonds spekulieren häufig mit geliehenem Geld. Wer für Fremdkapital zum Beispiel 6 Prozent Zinsen bezahlen muss, mit dieser Summe aber eine Rendite von 26 Prozent erzielt, kann dank dieses "Leverage-Effektes" (Hebelwirkung) zusätzliches Geld verdienen und die Rendite auf sein eigenes Kapital steigern - wenn es gut geht.

Leverage: Zocken mit geliehenem Geld

Leverage: Zocken mit geliehenem Geld

Durch ihr "Leveraging", den Einsatz von Fremdkapital, werden Hedgefonds immer stärker zu Geldsammelstellen für riskante Geschäfte: Sie könnten in Zukunft noch mehr geliehenes Geld einsetzen, um trotz der hohen Zuflüsse institutioneller Investoren weiterhin eine außergewöhnliche Rendite zu erzielen, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem "Global Financial Stability Report".

Verdienen mit Übernahmen: Wenn eine Firma eine andere schluckt, sind Hedgefonds meist mit von der Partie. Die Fondsmanager nutzen besondere Ereignisse an den Märkten wie Übernahmen, Fusionen, Insolvenzen oder Restrukturierungen, um mit den Aktien der beteiligten Unternehmen zu spekulieren. "Event-driven" heißt dieser Ansatz: Wo etwas passiert, lässt sich meist viel Geld verdienen oder verlieren. Bevorzugte Taktik von Hedgefonds ist es, im Fall von anstehenden Übernahmen Aktien des Übernahmekandidaten zu kaufen und gleichzeitig "Short"-Positionen (Verkaufsrechte) der übernehmenden Firma aufzubauen, also deren Aktien leer zu verkaufen. Die Taktik geht auf, wenn - nach Lehrbuch - die Aktie des Übernehmers aufgrund der finanziellen Belastung fällt und die Aktie des Übernahmekandidaten wegen des über dem Marktpreis notierenden Angebotes steigt. Klingt simpel, doch auch hier ist Timing alles.

Verdienen mit Übernahmen: Wenn eine Firma eine andere schluckt, sind Hedgefonds meist mit von der Partie. Die Fondsmanager nutzen besondere Ereignisse an den Märkten wie Übernahmen, Fusionen, Insolvenzen oder Restrukturierungen, um mit den Aktien der beteiligten Unternehmen zu spekulieren. "Event-driven" heißt dieser Ansatz: Wo etwas passiert, lässt sich meist viel Geld verdienen oder verlieren.

Bevorzugte Taktik von Hedgefonds ist es, im Fall von anstehenden Übernahmen Aktien des Übernahmekandidaten zu kaufen und gleichzeitig "Short"-Positionen (Verkaufsrechte) der übernehmenden Firma aufzubauen, also deren Aktien leer zu verkaufen. Die Taktik geht auf, wenn - nach Lehrbuch - die Aktie des Übernehmers aufgrund der finanziellen Belastung fällt und die Aktie des Übernahmekandidaten wegen des über dem Marktpreis notierenden Angebotes steigt. Klingt simpel, doch auch hier ist Timing alles.

Retter oder Räuber: In seltenen Fällen investieren Hedgefonds direkt in ein Unternehmen, das sie für unterbewertet halten. Steve Lampert ist mit seinem Hedgefonds ESL Investment solch eine Ausnahmeerscheinung: Er investierte zum Beispiel in die angeschlagene US-Handelskette Kmart, um anschließend mit dem nötigen Nachdruck eine Sanierung zu forcieren. Ein Einstieg von Hedgefonds bei solchen "Turnaround"-Kandidaten führt meist zu einem kräftigen Anstieg des Börsenkurses: Anleger trauen Hedgefondsmanagern offenbar eher zu, auch mal mit unkonventionellen Methoden die Bilanzen eines Unternehmens wieder zu verbessern oder, wie im Fall Deutsche Börse, für frischen Wind zu sorgen ...

Retter oder Räuber: In seltenen Fällen investieren Hedgefonds direkt in ein Unternehmen, das sie für unterbewertet halten. Steve Lampert ist mit seinem Hedgefonds ESL Investment solch eine Ausnahmeerscheinung: Er investierte zum Beispiel in die angeschlagene US-Handelskette Kmart, um anschließend mit dem nötigen Nachdruck eine Sanierung zu forcieren.

Ein Einstieg von Hedgefonds bei solchen "Turnaround"-Kandidaten führt meist zu einem kräftigen Anstieg des Börsenkurses: Anleger trauen Hedgefondsmanagern offenbar eher zu, auch mal mit unkonventionellen Methoden die Bilanzen eines Unternehmens wieder zu verbessern oder, wie im Fall Deutsche Börse, für frischen Wind zu sorgen ...

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Rauswurf: Was Werner Seifert widerfuhr, gehört ebenfalls zu den eher selten angewandten Spielvarianten eines Hedgefonds. Christopher Hohn, Manager des britischen Hedgefonds "The Children's Investment Fund" (TCI), hatte sich über Beteiligungen und strategische Allianzen eine Machtposition innerhalb der Deutschen Börse gesichert. Er beendete als Oppositionsführer nicht nur den Versuch der Deutschen Börse, die London Stock Exchange zu übernehmen, sondern erzwang auch die Ablösung von Börsenchef Seifert. Dass TCI viel Geld damit verdient hat, weil der Übernahmeversuch gestoppt wurde und die Deutsche Börse stattdessen viel Geld an die Aktionäre ausschüttete, geriet fast zur Nebensache: Seit dem "Fall Deutsche Börse" diskutieren viele Unternehmenslenker in Deutschland darüber, wie sie sich vor derlei aggressiven Investoren schützen können.

Rauswurf: Was Werner Seifert widerfuhr, gehört ebenfalls zu den eher selten angewandten Spielvarianten eines Hedgefonds. Christopher Hohn, Manager des britischen Hedgefonds "The Children's Investment Fund" (TCI), hatte sich über Beteiligungen und strategische Allianzen eine Machtposition innerhalb der Deutschen Börse gesichert. Er beendete als Oppositionsführer nicht nur den Versuch der Deutschen Börse, die London Stock Exchange zu übernehmen, sondern erzwang auch die Ablösung von Börsenchef Seifert.

Dass TCI viel Geld damit verdient hat, weil der Übernahmeversuch gestoppt wurde und die Deutsche Börse stattdessen viel Geld an die Aktionäre ausschüttete, geriet fast zur Nebensache: Seit dem "Fall Deutsche Börse" diskutieren viele Unternehmenslenker in Deutschland darüber, wie sie sich vor derlei aggressiven Investoren schützen können.

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Fall Seifert sorgt für Furore
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Zwar sei der Fremdkapitaleinsatz von Hedgefonds derzeit vergleichsweise moderat, so der IWF. Ein Hedgefonds, der bei einem Eigenkapital von 50 Millionen Euro weniger als 100 Millionen Fremdkapital einsetzt, verhält sich nach Auffassung der Branche geradezu konservativ.

Der Hedgefonds LTCM, der während der Russland-Krise die Märkte in Bedrängnis brachte, hatte mehr als 30-mal so viel geliehenes Geld eingesetzt wie Eigenkapital - für den Gesetzgeber ein Grund, nach dem Beinahe-Kollaps von LTCM eine solche Häufung von Krediten zu verbieten.

Der Einsatz von Fremdkapital vergrößert nicht nur die Renditen, sondern erhöht auch die Liquiditäts-, Markt- und Kreditrisiken, heißt es im "Stability Report" nüchtern. Zu deutsch: Setzt ein Hedgefonds Milliardensummen in den Sand, geraten auch die Banken in Bedrängnis, die den Fonds in der Hoffnung auf satte Profite großzügig mit Geld versorgt haben. Ein Liquiditätsengpass, weitere Verkäufe und eine Abwärtsspirale am Markt können die Folge sein.

"Heuschrecken" sind schwer zu fangen

Ruf nach stärkerer Kontrolle

Der Versuch der Bundesregierung, Hedgefonds stärker zu kontrollieren und zu mehr Transparenz zu zwingen, mutet angesichts der Marktmacht dieser Investoren als mutiges Unterfangen an. Die größten Hedgefonds der Welt - Caxton, Citadel oder GLC Partners - sind jeweils mehr als zehn Milliarden Dollar schwer, ihre Topmanager wie Bruce Kovner oder Kenneth Griffin verdienen laut US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" zwischen 250 und 350 Milllionen Dollar im Jahr.

Ein deutscher Alleingang mit schärferen Auflagen sei nicht sinnvoll, mahnt die Bundesbank. Länderübergreifende Lösungen wie eine EU-weite Besteuerung kurzfristiger Aktiengeschäfte führen nach Ansicht von Beobachtern eher zum Ziel, zumal auch die US-Börsenaufsicht SEC die Regeln für Hedgefonds ab Februar 2006 verschärfen wird.

Zweitens richtet sich die politische Forderung nach mehr Transparenz, Offenlegung der Strategien und Beschränkung der Stimmrechte vor allem an jene Hedgefonds, die wie im Fall Deutsche Börse Unternehmensbeteiligungen eingegangen sind. Jedoch seien nur die wenigsten Hedgefonds an weit reichenden Unternehmensbeteiligungen interessiert, so der Fondsexperte Markus Sievert von der Fondsgesellschaft Apano. "Die meisten Hedgefonds setzen nicht auf Firmenbeteiligungen, sondern versuchen, an den Schwankungen des Gesamtmarktes zu verdienen", sagt Sievers.

"Heuschrecken" sind kaum einzufangen

Mit der Beschreibung "Heuschrecken, die abgrasen und weiterziehen", hat SPD-Chef Franz Müntefering zwar auch spekulative Hedgefonds ins Visier genommen. Doch die Vorstellung eines "räuberischen Investors", der ein Unternehmen abgrast und dann die Macht im nächsten Unternehmen anstrebt, trifft eher auf bestimmte Praktiken in der Private-Equity-Branche zu, dem Geschäft mit Unternehmensbeteiligungen. Hedgefonds tanzen dagegen eher auf dem Hochseil. Sie spekulieren kurzfristig mit allen Instrumenten, die der Markt hergibt, und sind rasch zum Absprung bereit.

Eine schärfere Aufsicht über Hedgefonds ist nötig, weil seit 2004 auch deutsche Privatanleger in diese hoch spekulativen Instrumente investieren können. Zahlreiche Banken lassen seitdem kaum eine Gelegenheit aus, ihren Kunden zumindest als Beimischung ein Investment in einen so genannten Dach-Hedgefonds (der sich wiederum aus einzelnen Hedgefonds zusammensetzt und sich zunächst durch hohe Gebühren auszeichnet) zu empfehlen. Bislang war ein Investment in Hedgefonds den wirklich reichen Kunden vorbehalten, die vielleicht das Risiko besser abschätzen, sicherlich aber den möglichen Verlust leichter verschmerzen können.

Denn so viel versprechend die verschiedenen Hedgefondsstrategien wie "Arbitrage", "Long/Short Equity" oder "Global Macro" auch klingen: Geht die Spekulation schief, drohen statt zweistelliger Renditen empfindliche Verluste. Ein Kunde des jüngst kollabierten Hedgefonds KL Financial nahm diese schlichte Wahrheit mit ebenso schlichten Worten hin: "Es schien zu schön, um wahr zu sein - und so war es auch."

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