Freitag, 13. Dezember 2019

Hedgefonds Eine Milliarde Dollar pro Tag

Wie verdient man eine Milliarde Dollar an einem einzigen Tag? Hedgefondsmanager George Soros hat es vorgemacht. Die Strategien der als "Heuschrecken" titulierten Finanzakrobaten sind riskant, aber höchst einträglich – wenn es gut geht. Ein Überblick über die Lieblingswerkzeuge der Freistil-Investoren.

Hamburg - 1992 wettete George Soros mit immensem Geldeinsatz auf eine Abwertung des britischen Pfund und zwang damit sogar die britische Notenbank in die Knie: Als diese die Bindung an den europäischen Währungskorb aufgeben und das Pfund kräftig abwerten musste, klingelte bei Soros' Hedgefonds "Quantum" die Kasse. Dieser Coup verlieh nicht nur Soros Legendenstatus, sondern zementierte auch den zweifelhaften Ruf von Hedgefonds, neben einzelnen Unternehmen auch ganze Währungssysteme zum Beben zu bringen. Die beliebtesten Strategien von Hedgefonds sind in folgenden Beispielen erläutert:

 Schlacht um das Pfund: "Spekuliere nie gegen eine Zentralbank" mahnt die Börsenweisheit. George Soros hielt sich nicht daran und landete damit im Herbst 1992 einen der größten Coups der Finanzgeschichte. Sein Hedgefonds "Quantum" wettete mit hohem Einsatz gegen das britische Pfund - obwohl die britische Notenbank mit kräftigen Leitzinserhöhungen versuchte, die angeschlagene Währung zu stützen. Als Schatzkanzler Norman Lamont die Währung dann doch aus dem Europäischen Währungssystem entfernen musste, sackte das Pfund wie ein Stein - und Soros' Hedgefonds war um eine Milliarde Dollar reicher. Währungsspekulationen sind Teil einer "Global Macro"-Strategie: Hedgefondsmanager setzen auf globale Trends wie etwa die Entwicklung von Devisen, um ihren Einsatz zu vervielfachen. Doch selbst Soros verbrannte sich bei anderer Gelegenheit die Finger ...  Legendärer Crash: Sie schienen unschlagbar. Die Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Merton und Myron Scholes hatten mit geschickten Anleihespekulationen die Gewinne ihres Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) in die Höhe getrieben. Anleger, darunter zahlreiche Großbanken, waren von dieser "Global Macro"-Variante begeistert und überhäuften LTCM mit Krediten. 1998 spekulierte LTCM mit Russland-Anleihen in Rubel und in Dollar - als Ministerpräsident Kiriyenko auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise heimischen Banken verbat, Dollar an ausländische Investoren zurückzuzahlen, verlor LTCM knapp fünf Milliarden Euro. Mit einer milliardenschweren Rettungsaktion mussten die beteiligten Banken den Kollaps des Fonds verhindern. Die Märkte gerieten ins Wanken, und fortan wurde das Kreditvolumen für Hedgefonds begrenzt. Schwacher Trost für Scholes und Merton: Auch Hedgefondsguru George Soros soll während der Russland-Krise rund zwei Milliarden Dollar versenkt haben.  Gewinnen, wenn die Kurse fallen: Mit der "Short Equity"-Strategie locken Hedgefonds Anleger, auch in schlechten Zeiten Kasse zu machen. Anleger der Deutschen Telekom haben diese Leerverkauf-Strategie leidvoll erfahren: Britische Hedgefonds wie Thames River Capital liehen sich 2001 im großen Stil Telekom-Aktien aus, um sie sofort am Markt zu verkaufen. Das Papier, ohnehin gedrückt durch die milliardenschwere Voicestream-Übernahme und das Ende des Internethypes, setzte seine Talfahrt fort: Jeden Tiefpunkt nutzen die Hedgefondsmanager, um Aktien billig zurückzukaufen und ihre Positionen "glattzustellen". Hatte ein Hedgefonds zum Beispiel im Frühjahr 2001 geliehene T-Aktien zu 30 Euro verkauft und erst im Juni 2002 zu zehn Euro zurückgekauft, blieben ihm 20 Euro Gewinn. "Die T-Aktie wird von Hedgefonds heruntergeprügelt", beschwerte sich der damalige Telekom-Chef Ron Sommer. Bald darauf musste er gehen - ein drastischer Schuldenabbau schien ein probates Mittel, künftigen Angriffen von Hedgefonds vorzubeugen.

Wie Hedgefonds Geld verdienen
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Das ursprüngliche Ziel von Hedgefonds, Investitionen gegen Risiken wie Wechselkursschwankungen oder Kurseinbrüche abzusichern (to hedge - absichern), gerät dabei nicht selten aus dem Blick. Zumal Hedgefondsmanager - die absoluten Topverdiener der Branche kassieren dreistellige Millionenbeträge pro Jahr an Prämien und Provisionen - sich in der Regel als globale Finanzakrobaten verstehen: Sie spekulieren mit Aktien, Währungen, Rohstoffen, Anleihen und Optionen, gehen riskante Termingeschäfte ein und lassen sich dabei höchst ungern auf die Finger schauen.

Rund 7000 Hedgefonds gibt es derzeit weltweit, Tendenz steigend. Die Gesamtsumme, mit der sie jonglieren, wird auf 1000 Milliarden Dollar geschätzt. Ihr Ziel ist der "Absolute Return", eine möglichst hohe Rendite, ganz gleich, ob die globalen Finanzmärkte steigen, stagnieren oder fallen.

Dabei nutzen sie Strategien, die normalen Investmentfonds verschlossen bleiben - Strategien, die wie im Fall Soros fette Gewinne erzielen, aber auch gründlich schief gehen und das gesamte Finanzsystem durchrütteln können.

Hedgefonds-Legende George Soros zum Beispiel soll während der Russland-Krise 1998 mehr als eine Milliarde Dollar versenkt haben. Der Hedgefonds LTCM, geführt von den Nobelpreisträgern Myron Scholes und Robert Merton, brachte durch seinen Fast-Zusammenbruch im gleichen Jahr die Weltmärkte ins Wanken und konnte nur durch Milliardenhilfen beteiligter Banken gerettet werden.

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