Bahn CDU-Sieg könnte Mehdorn den Job kosten

Wenn Hartmut Mehdorn im Herbst seinen prominentesten Förderer Gerhard Schröder verlieren sollte, ist seine Abberufung wohl nur noch eine Frage der Zeit, denn seine Pläne inklusive Börsengang finden immer mehr Kritiker. Unterdessen empfehlen die Wirtschaftsprüfer der Bahn offenbar eine Preiserhöhung im Fernverkehr.

Berlin - Schon lange werden Hartmut Mehdorns Pläne vor allem von Oppositionspolitikern kritisiert. Die FDP ruft nach einer Trennung von Netz und Bahnbetrieb, ein Standpunkt, den der einstige SPD-Verkehrsminister Kurt Bodewig aufgab, nachdem Mehdorn seinen Rücktritt androhte. Mehdorn hatte beim Kanzler mehr Rückhalt als dessen Minister.

Doch bei konservativen Politikern kommt er weitaus schlechter an. Zwar spielte Mehdorn selbst auf der heutigen Bilanzpressekonferenz Meldungen herunter, wonach bei einem Machtwechsel in Berlin seine Amtszeit kurzfristig enden werde. "Wir sind kein politisches Unternehmen", sagte er. Das Verhältnis zu Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte der Manager ebenso gut wie das zu dessen wahrscheinlicher Herausforderin Angela Merkel. Der Beitrag der Bahn zur Politik sei, dass man dieser über eine positive Ergebnisentwicklung keine Probleme bereiten wolle.

"Insgesamt wird die Bahn auch 2005 wieder ein gutes Ergebnis hinlegen", sagte Mehdorn voraus. Die Umsätze wolle das Unternehmen leicht, den Gewinn nachhaltig steigern. Das erste Quartal brachte einen Umsatzanstieg Basis um 3,9 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Der Betriebsverlust nach Zinsen nahm um 44 Millionen Euro auf 38 Millionen Euro ab. Im Vorjahr hatte die Bahn nach eigener Interpretation erstmals in der Nachkriegsgeschichte aus eigener Kraft ein positives Ergebnis erzielt. Das Betriebsergebnis vor Zinsen hatte sich um 425 Millionen Euro auf 253 Millionen Euro verbessert. Der vergleichbare Umsatz war um 4,1 Prozent auf rund 24 Milliarden Euro gestiegen.

"Die Sanierungsstory ist falsch"

Selbst Politiker aus der rot-grünen Koalition haben Zweifel an der Börsenreife des Unternehmens. "Der Konzern bleibt bis heute den Beweis schuldig, dass er aus eigener Kraft renditefähig ist", sagte etwa Albert Schmidt von den Grünen laut "Financial Times Deutschland". Der Verkehrspolitiker der liberalen Bundestagsfraktion, Horst Friedrich, sagte, die Ergebniswende sei "nicht belastbar", die die "Sanierungsstory" des Konzerns sei "falsch". In den Jahren 2001 bis 2003 habe die Bahn AG eine Bilanzpolitik betrieben, die darauf ausgerichtet gewesen sei "möglichst viele Risiken bilanziell abzubilden" und ab 2004 den "Turn-around optisch darzustellen".

Dabei erhalte die Bahn nach wie vor rund 18 Milliarden Euro Zuschüsse vom Bund. Das sei "historischer Höchststand", sagte Friedrich. Er bezog in diese Summe die "überhöhten" Bestellerentgelte beim Nahverkehr sowie die Ausgaben für das Schienennetz mit ein. Die FDP ruft schon länger nach einem radikalen bahnpolitischen Kurswechsel, der mit Mehdorn wohl kaum zu machen wäre. Grundvoraussetzung für eine Privatisierbarkeit sei die Trennung von Netz und Betrieb, lautet der FDP-Standpunkt.

Die Börsenpläne der Bahn AG stehen damit wieder einmal zur Disposition, weil nach den geplanten Neuwahlen im Herbst eine Regierungsbeteiligung der FDP wahrscheinlich ist. Außerdem nährt eine Studie von Morgan Stanley  neue Zweifel an der Börsenfähigkeit des Staatsunternehmens. Grund seien vor allem Probleme im Personenfernverkehr und im Gütertransport. Von dem rund einem Dutzend "wesentlichen Meilensteinen" auf dem Weg zur Börse habe Mehdorn 2004 nur wenige tatsächlich erreicht, zitierte die "Wirtschaftswoche" aus der vertraulichen Studie der Investmentbank.

"Längerfristige Ergebnisbelastung"

"Preiserhöhung im Fernverkehr nötig"

Als Gründe für die Probleme im Güterverkehr sieht Morgan Stanley den steigenden Anteil ausländischer Lkw und Binnenschiffer, den wachsenden Wettbewerb durch andere Eisenbahnunternehmen sowie sinkende Frachtraten. Besserung sei kaum in Sicht: "Beim Sinken der Frachtraten im Schienengüterverkehr als wesentlicher ergebnisbelastender Faktor handelt es sich um eine längerfristige Entwicklung", schreiben die Verfasser des Gutachtens.

Mehdorn und sein Finanzchef Diethelm Sack versicherten dagegen, die Börsenreife werde die Bahn 2006, spätestens aber 2007, erreichen. Ein Börsengang sei stehe dann an, wenn man den Investoren glaubhaft machen könne, dass Ziele wie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von zehn (Vorjahr drei) Prozent in zwei bis drei Jahren erreichbar seien. Hoffnungen macht sich die Bahn auf den Erwerb des Kesselwagenunternehmens VTG. Ihre Anteile an der Reederei Scandlines will sie ebenso verkaufen wie die Reklametochter.

Wirtschaftsprüfer von Price-Waterhouse-Coopers (PwC) empfehlen nach Informationen der Zeitung "Die Welt" eine Anhebung der Preise im Fernverkehr. Im Fernverkehr seien eine bessere Auslastung der Züge und eine dauerhafte Anhebung der Preise erforderlich, schreibt die Zeitung am Donnerstag. Sonst seien Kapazitätsanpassungen nötig.

Eine Aktion, wie den Verkauf von Bahn-Tickes zu Sonderangeboten über die Handelskette Lidl wird es nach Mehdorns Worten nicht mehr geben. Der Sonderverkauf sei zwar ein voller Erfolg gewesen, es habe sich aber um eine einmalige Sache gehandelt, die sich so nicht wiederholen werde. Die mehr als eine Million Tickets waren in der vergangenen Woche worden.

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