Merkel-Kandidatur Ministerpräsidenten preschen vor

Offiziell soll am 30. Mai über entschieden werden, aber einige der wichtigsten CDU-Ministerpräsidenten küren gerade eigenmächtig Angela Merkel zur Kanzlerkandidatin der Union: "Von keinem in der Union werden sie etwas anderes hören", hieß es.

Berlin - Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel wird nach Aussagen des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) Kanzlerkandidation der Union. "Von keinem in der Union werden sie etwas anderes hören, als dass Angela Merkel unsere Kandidatin ist", sagte Koch am Montag vor einer CDU-Präsidiumssitzung in Berlin.

Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust sagte, es würde "sehr eindeutig" auf Angela Merkel hinauslaufen. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff geht davon aus, dass Merkel Kanzlerkandidatin wird. "Ich denke, dass diese Vermutungen realistisch sind", sagte Wulff dem Deutschlandfunk. Doch wenn der Kanzler sich Sonntagnachmittag umorientiere, dann dürften sich CDU und CSU einige Tage nehmen, um ordnungsgemäß die Gremien von beiden Schwesterparteien angemessen demokratisch zu beteiligen, sagte er.

Doch jeder ahne und wisse, wie die Entscheidung am nächsten Montag bei einer gemeinsamen Präsidiumssitzung fallen werde. Vor allem sollten beide Parteivorsitzende, Edmund Stoiber (CSU) und Merkel, die Möglichkeit erhalten, ihren Vorschlag zu machen.

Stoiber soll "wichtigste Rolle" in Berlin spielen

Wulff selbst denkt nicht an eine Kanzlerkandidatur. "Ich bin gerade mal zwei Jahre Ministerpräsident in Hannover und werde dort einige Jahre wirklich gebraucht, um das Land Niedersachsen voranzubringen", sagte Wulff. Diese Form der Verlässlichkeit sei nicht das Schlechteste, fügte er hinzu.

Bis 30. Mai will die Union ihren Kanzlerkandidaten präsentieren. Zunächst soll heute Wahlsieger Rüttgers gefeiert werden und danach die Wahlkampfstrategien der CDU erörtert werden.

In München war der CSU-Vorstand unter Vorsitz von Parteichef Stoiber zusammengekommen. Der bayerische Ministerpräsident gilt ebenfalls als möglicher Kanzlerkandidat der Union. Er sagte, die Kandidatenfrage würden CDU und CSU rasch und "in großer Harmonie" klären. Aus der CSU-Spitze hatte es geheißen, Stoiber könnte heute seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklären.

CDU-Chefin Angela Merkel und er hätten den Zeitplan für die Wahl bereits "angepasst", sagte Stoiber. Er wird nach Angaben von Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann wahrscheinlich auf dem ersten Platz der CSU-Liste für den Bundestag kandidieren.

Landesgruppenchef Michael Glos sagte, nach einem Machtwechsel im Bund solle Stoiber in Berlin die "wichtigste Rolle spielen, die man als CSU-Vorsitzender in einer Bundesregierung spielen" könne. Einzelheiten nannte Glos nicht. Über die Kanzlerkandidatur würden CDU und CSU am kommenden Montag bei einer gemeinsamen Präsidiumssitzung entscheiden, bekräftigte Glos.

Absolute Mehrheit für Union in Umfrage

Infratest sagt absolute Mehrheit für Union voraus

Die Unions-Parteien können bei den von der SPD für den Herbst angestrebten Bundestagsneuwahlen auf eine absolute Mehrheit der Mandate hoffen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD unter 675 Bundesbürgern erklärten 29 Prozent, sie würden sich bei Neuwahlen für die SPD entscheiden. Eine Woche zuvor waren es genau so viele gewesen, wie die ARD gestern mitteilte. 46 Prozent gaben an, sie wollten die Union wählen, wenn sie bereits an diesem Sonntag an die Urnen gerufen würden. Das ist ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche.

Die Grünen verloren der Umfrage zufolge zwei Prozentpunkte und lagen mit einem Stimmenanteil von acht Prozent gleich auf mit der FDP, die einen Prozentpunkt hinzugewann. Die PDS würde mit vier Prozent der Stimmen nicht in den Bundestag einziehen. Bei einem solchen Ergebnis hätte die Union die absolute Mehrheit der Stimmen im Bundestag.

Dennoch blickt auch die FDP, der mögliche Koalitionspartner der Union, zuversichtlich in die Zukunft. Die Liberalen sehen sich personell und programmatisch gut aufgestellt für vorgezogene Neuwahlen im Bund. "Wir haben Programmpunkte wie Kranken- und Pflegeversicherung sowie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf abgehakt auf unserem Parteitag in Köln", sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel dem ZDF-"Morgenmagazin". Er werde den Gremien vorschlagen, dass der wiedergewählte FDP-Parteivorsitzende Guido Westerwelle die Partei als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen wird. Auf einen von der FDP bevorzugten Kanzelkandidaten bei der Union wollte sich Niebel nicht festlegen.

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