Wettbewerbshüter Abmahnung für Lidls Bahn-Aktion

Nach dem kurzen Massenansturm auf die Million Billigtickets der Bahn droht dem Discounter Lidl eine Rüge von der Wettbewerbszentrale. Wer groß werbe, müsse auch einen entsprechend großen Vorrat der Aktionsware vorhalten.

Bad Homburg - "Es ist nicht in Ordnung, damit zu werben, dass es die Tickets eine Woche lang gibt, und nach einer halben Stunde ist dann Schluss", sagte der Geschäftsführer der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, Reiner Münker, der Nachrichtenagentur DPA. Die Werbung für die Aktion sei irreführend gewesen und habe "eindeutig" gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstoßen.

Bei der Wettbewerbszentrale haben sich nach seinen Angaben einige Dutzend Kunden beschwert, weil sie schon kurz nach dem Start der Sonderaktion keine Fahrkarten mehr bekommen konnten. "Wenn kein ausreichender Vorrat da ist, muss ich mich mit der Werbung zurückhalten", sagte Münker dazu. Dies habe Lidl nicht getan. Deshalb müsse der Discounter nun mit einer Abmahnung rechnen.

Die meisten Tickets waren unter anderem in Hamburg nach wenigen Minuten ausverkauft: Warteschlangen waren teilweise länger als 150 Meter

Die meisten Tickets waren unter anderem in Hamburg nach wenigen Minuten ausverkauft: Warteschlangen waren teilweise länger als 150 Meter

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Freude übers Billigticket: Ein Kunde hält vor einer Lidl-Filiale in Hamburg sein gekauftes Bahnticket hoch.

Freude übers Billigticket: Ein Kunde hält vor einer Lidl-Filiale in Hamburg sein gekauftes Bahnticket hoch.

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Rückfahrtickets für 49,90 Euro, gültig im gesamten Bundesgebiet: Das lockte auch Kunden in eine Lidl-Filiale in Frankfurt am Main. Der Verkauf von Billigfahrscheinen der Deutschen Bahn beim Discounter ist auf maximal fünf Hefte mit je zwei Tickets pro Kunde begrenzt

Rückfahrtickets für 49,90 Euro, gültig im gesamten Bundesgebiet: Das lockte auch Kunden in eine Lidl-Filiale in Frankfurt am Main. Der Verkauf von Billigfahrscheinen der Deutschen Bahn beim Discounter ist auf maximal fünf Hefte mit je zwei Tickets pro Kunde begrenzt

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Geiz ist auch für Bahnfahrer geil
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Die Bahn hatte gestern rund 500.000 Hefte mit je zwei Fahrkarten für eine beliebige Strecke für 49,90 Euro bei Lidl verkauft. Die Tickets waren teilweise wenige Minuten nach Öffnung der Geschäfte ausverkauft, obwohl die Aktion laut Werbung bis zum 28. Mai befristet war.

Mehdorn: Erstmal ist Schluss

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat die Ticketaktion bei Lidl im ZDF-Interview verteidigt und gesagt, weitere Fahrkartenverkäufe bei dem Discounter werde es nicht geben. "Das war eine einmalige Werbemaßnahme", sagte er. Ziel sei gewesen, ein Bewusstsein für billiges Bahnfahren zu schaffen und vor allem Nicht-Bahnfahrer anzulocken.

Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt widersprach dem in der "Berliner Zeitung" und forderte, die Bahn solle mit weiteren Angeboten dieser Art neue Kunden anlocken. Der Ansturm auf die Lidl-Tickets zeige, dass Bahnfahren ein enormes Potenzial habe. Die Fernzüge seien durchschnittlich nur zu etwa 42 Prozent ausgelastet.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte, die Aktion sei aus Verbrauchersicht sehr zu begrüßen. Sie zeige, dass man mit geschicktem Marketing Bahnfahren populär machen könne. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, forderte die Bahn auf, als Konsequenz die Preise vor allem im Nahverkehr zu senken.