Josef Ackermann Leben als Symbol

Die Zahlen prächtig, die Aktionäre handzahm - doch Vorstandschef Josef Ackermann wirkt auf der Hauptversammlung seltsam gequält. Sein typisches Robert-Redford-Lächeln blitzt nicht einmal auf. Der Mythos Deutsche Bank zermürbt den Schweizer.
Von Arne Stuhr

Frankfurt am Main - Das soll das Gesicht des Raubtier-Kapitalismus sein, eine geldgierige Heuschrecke, ein Symbol für fehlendes soziales Gewissen? Wer Josef Ackermann am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank geduldig die Fragen der Aktionäre beantworten sah, bekam fast schon Mitleid mit dem Schweizer.

Denn Ackermann begreift wohl wirklich nicht, warum die Gewerkschaften ihn vor der Frankfurter Festhalle als "Räuber" titulierten, warum es demnächst wohl zu einer Neuauflage des Mannesmann-Prozesses kommen wird und warum die Menschen hier zu Lande im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel keine Chance sehen, sondern eine Gefahr. Er hatte doch alles richtig gemacht, hatte ein Rekordergebnis vorgelegt, die Eigenkapitalrendite im ersten Quartal dieses Jahres auf über 30 Prozent gesteigert.

Doch selbst wenn er 40 oder 50 Prozent erreicht hätte, wäre es ihm nicht besser ergangen. Seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren versucht er aus der Deutschen Bank ein globales Unternehmen zu machen, und scheiterte damit regelmäßig. Das mag vielleicht nicht fair sein, ist aber eine Tatsache, der sich Ackermann stellen muss.

Die Sehnsucht nach einer Deutschen Bank als nationale und sozial verantwortliche Institution, die dennoch international mithalten kann, ist groß. Der Erfolg des Buches "Der Bankier", in dem die Deutsche-Bank-Ikone Hermann Josef Abs vom Historiker Lothar Gall porträtiert wird, hängt damit zusammen. Und nicht zufällig fiel auf der Hauptversammlung wie so oft in den vergangenen Monaten der Name Alfred Herrhausen. Dem nahmen die Deutschen ab, dass er ein soziales Gewissen hatte.

Ackermann tut sich schwer mit diesen anerkannten Vorbildern, Tradition verwechselt er zu oft mit Rückschritt, was nicht zuletzt der unangemessene Umgang mit dem Ausscheiden des Aufsichtsrats Ulrich Cartellieri auf der Hauptversammlung zum Ausdruck brachte. Wenn Ackermann die Rolle seines Hauses als nationales Symbol künftig nicht besser interpretiert, wird er auch weiterhin als Symbol für die Auswüchse des internationalen Kapitalismus herhalten müssen.

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