Pfingstmontag Nicht mehr arbeitsfrei?

Zur Ankurbelung der Konjunktur sollen die Beschäftigten in Deutschland nach Ansicht mehrerer Wirtschaftsverbände künftig am Pfingstmontag arbeiten.

Berlin - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, wies die Forderung am Sonntag umgehend zurück. Widerstand regte sich auch aus SPD und Union sowie bei den Grünen.

Der Chef des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, sagte der "Bild am Sonntag": "Wir haben in Deutschland zu viele Feiertage und zu viel Urlaub. Nicht jeder Feiertag muss zwangsläufig arbeitsfrei sein. An Pfingstmontag beispielsweise sollte gearbeitet werden." Börner verwies auf das katholische Italien, wo an manchen Feiertagen gearbeitet werde.

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer, Patrick Adenauer, und die Chefin des Unternehmerverbandes mittelständische Wirtschaft, Ursula Frerichs, schlossen sich der Forderung an.

Für den Präsidenten des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, greift der Vorschlag indes "zu kurz". "Es ist richtig, dass die generelle Jahresarbeitszeit in Deutschland im internationalen Vergleich zu kurz ist und dadurch wachstumshemmend wirkt. Mit dem Verzicht auf einen Feiertag ist es aber nicht getan." Der richtige Weg führe über flexible Regelungen wie einen betrieblichen Korridor von 30 bis 50 Wochenarbeitsstunden hin zu Monats- und Jahresarbeitszeitkonten der Beschäftigten, sagte Ohoven.

Der SPD-Finanzexperte Joachim Poß sagte, um die schwache Binnennachfrage zu unterstützen, brauche Deutschland keine pauschale Arbeitszeitverlängerung, sondern eine "offensivere Lohnpolitik". CDU-Generalsekretär Volker Kauder sprach sich gegen die Abschaffung des arbeitsfreien Pfingstmontags aus: "Die Tarifparteien haben noch genug Spielraum, um die Arbeitskosten zu senken." Der bayerische CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann nannte das Pfingstfest besonders schützenswert, weil es in der christlich-europäischen Kulturtradition stehe. Ähnlich argumentierte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck: "Der Feiertagskalender erinnert auch an unsere kulturellen Wurzeln."

Bei einer gemeinsam mit dem katholischen Erzbischof von Berlin, Kardinal Georg Sterzinsky, und anderen Kirchenvertretern gefeierten ökumenischen Andacht in Berlin forderte der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Huber die Beibehaltung des Pfingstmontags als Feiertag. "Für den Pfingstgeist kann man ruhig zwei Tage in Anspruch nehmen."

In Frankreich hatte die Einführung des Pfingstmontags als Arbeitstag in diesem Jahr heftige Proteste hervorgerufen.