KarstadtQuelle Das Phantom aus Troisdorf

Investor, Vermieter, Vermögensverwalter und Testamentsvollstrecker. Die Verbindungen des einstigen Maurerpoliers Josef Esch zu Deutschlands Superreichen sind vielfältig. Auch bei der Krise des Kaufhaus- und Versandkonzerns KarstadtQuelle laufen die Fäden erneut bei ihm zusammen.

Hamburg - Wenn in Köln die Erde umgewühlt wird, um das Stadtbild - nicht immer zum Vorteil - zu verändern, sind zwei Sachen sicher: Erstens rücken gleichzeitig mit den Baggern auch die am römischen Erbe Colonias interessierten Archäologen an, und zweitens hat Josef Esch seine Finger im Spiel.

Josef wer? Selbst eingefleischten Kölnern dürfte der Immobilienentwickler aus Troisdorf (Trohsdorf gesprochen) nicht sonderlich bekannt sein. Dabei taucht der Name des medienscheuen Baumeisters doch regelmäßig in der Lokalpresse auf. So zuletzt anlässlich des Richtfestes der neuen Messehallen, deren Bau von einem Esch-Fonds finanziert wird.

Wo Esch draufsteht, ist immer auch Sal. Oppenheim mit drin. Denn für Projekte von der Größenordnung einer Kölnarena sind potente Investoren notwendig. Und diese finden sich in der Kundenkartei der größten Privatbank Europas zuhauf: Die Haribo-Familie Riegel, die Rhein-Ruhr-Clans Haniel und Werhahn oder die Verlegerdynastie Neven DuMont (unter anderem "Kölner Stadtanzeiger") vertrauen ihr Geld den Bankiers unter der Führung von Matthias Graf von Krockow an.

Seit Mitte der 80er Jahre arbeiten Oppenheim und Esch gedeihlich zusammen, was Esch den bankinternen Kosenamen "heiliger Josef" einbrachte. Gleich für mehrere Milliarden platzierten die Banker bereits Fonds des einstmals jüngsten Maurerpoliers Deutschlands, der mit 18 Jahren die Firma des verstorbenen Vaters übernommen hatte und dann zum Genie in Sachen Steuer sparende Geldanlage wurde.

"Kölner Klüngelmeister"

Ist die enge Verbindung der noblen Banker mit Esch dem Geschäft zwar äußerst zuträglich, hat das Image von Sal. Oppenheim unter der (un)heiligen Allianz gelitten, "Kölner Klüngelmeister" titelte im vergangenen Jahr der SPIEGEL, der Esch als "undurchsichtig" charakterisiert. Schlagzeilen dieser Art speisen sich unter anderem daraus, dass die Eigentümer der Bank, die Familien Oppenheim und Ullmann (von Krockows Gattin ist eine geborene von Ullmann), nicht nur Kundengelder in Esch-Fonds investieren, sondern sich massiv mit eigenem Vermögen beteiligen. Hinzu kommt, dass der Oppenheim-Clan auch private Kontakte zu Esch pflegt und zum Beispiel gemeinsam mit ihm in den Ski-Urlaub fährt.

In diese Konstellation reiht sich Eschs Rolle bei dem in Schieflage geratenen Kaufhaus- und Versandkonzern KarstadtQuelle  nahtlos ein. Einst verkaufte der damalige KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban - selbst Oppenheim-Kunde und laut "Wirtschaftswoche" Mieter einer Esch-Villa - mehrere Warenhäuser an den Immobilienmogul. Das Geld dafür sammelte wie so oft Oppenheim-Chef von Krockow bei seiner Kundschaft ein. Neben den Familien Mittelsten Scheid (Vorwerk), König (einst Brauerei), Kreke (Douglas ) und Zander (früher Papier) stiegen auch Thomas und Cornelia Middelhoff ein, zugegeben vor Middelhoffs Berufung zum Aufsichtsratschef von KarstadtQuelle.

Einen faden Beigeschmack gibt es trotzdem. Esch verwaltet nämlich nicht nur das Geld des einstigen Bertelsmann-Primus, sondern ist gleichzeitig auch Testamentsvollstrecker von KarstadtQuelle-Großaktionärin Madeleine Schickedanz, die wiederum bei Esch als Gesellschafterin beteiligt ist. Zudem soll der umtriebige Rheinländer der Versandhauserbin, die auf der anderen Seite mit rund 750 Millionen Euro bei Sal. Oppenheim in der Kreide stehen soll, Middelhoff als Chefkontrolleur empfohlen haben.

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