Donnerstag, 22. August 2019

Kapitalismuskritik Müntefering benennt die räuberischen Heuschrecken

Mit der Bezeichnung "Heuschreckenschwärme" hatte SPD-Chef Franz Müntefering in einer aktuellen Stunde des Bundestages die Kapitalismusdebatte angeheizt. Um Widerspruch aus den eigenen Reihen zu begegnen, nannte er in einem internen Papier konkrete Namen.

Hamburg - In dem Hintergrundpapier der Planungsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion, das Stern.de vorliegt, richtet Müntefering seine Kritik vor allem gegen die US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR). Sie hatte 1999 zusammen mit der US-Bank Goldman Sachs den Elektronik- und Geldautomatenhersteller Siemens-Nixdorf übernommen und 2004 an die Börse gebracht.

SPD-Chef Müntefering: Internes Papier soll Fragen der SPD-Parlamentarier beantworten
Von dem Erlös durch den Börsengang in Höhe von 350 Millionen Euro blieben der Firma selbst aber nur 125 Millionen, den Rest von 225 Millionen steckte unter anderem KKR ein. In den Jahren zwischen Übernahme und Börsengang ließen sich die Gesellschafter zudem Beteiligungen von 160 Millionen Euro auszahlen.

Ein anderes Opfer von KKR sei der Hersteller von Kommunikationsprodukten Tenovis. Noch Ende 2002 hätten die Mitarbeiter auf 12,5 Prozent ihres Lohnes verzichtet, um ihre Arbeitsplätze für mindestens ein Jahr zu retten. Im Sommer 2003 aber habe Tenovis fast die Hälfte der Mitarbeiter entlassen.

Das SPD-Papier nenne viele weitere "Heuschrecken", berichtet Stern.de weiter. Dazu gehörten auch die Beteiligungsgesellschaft WCM, die Klöckner übernommen hatte und die Private-Equity-Firmen Apax, BC Partners, Carlyle, Advent, Permira, Blackstone, CVC und auch Saban Capital, Noch-Eigentümer von ProSiebenSat.1. Zu den Opfern der großen Aufkäufer gehören neben Siemens-Nixdorf und Tenovis auch Rodenstock, Autoteile Unger, Debitel, Celanese und Dynamit Nobel.

Von Seiten der SPD-Fraktion war zu dem Papier keine Stellungnahme zu erhalten.

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung