Deutsche Bank Ackermann hält an Stellenabbau fest

Die Deutsche Bank bleibt trotz des unerwartet starken Gewinnanstiegs im ersten Quartal bei dem beschlossenen Stellenabbau. Auf dem Weg zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit gebe es laut Vorstandschef Josef Ackermann keine Alternative.

Frankfurt am Main - In einem am Freitag veröffentlichten Brief an die Aktionäre zeigte sich der Vorstandssprecher der Deutschen Bank , Josef Ackermann, mit den Geschäftszahlen seit Jahresbeginn sehr zufrieden: "Wir sind stolz auf das, was wir im ersten Quartal erreicht haben." An dem geplanten Stellenabbau wird der deutsche Branchenprimus aber trotz des guten Quartalsergebnisses festhalten. "Die Maßnahmen sind schmerzhaft, aber wir haben keine Alternative", so Ackermann.

Einen konkreten Ausblick für das Jahr gab Ackermann nicht ab. Angesichts der seit Mitte März etwas schwierigeren Lage an den Finanzmärkten sei die Bank zuversichtlich, mittelfristig nachhaltig zu wachsen, hieß es lediglich.

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal dieses Jahres vor allem wegen eines starken Handelsgeschäfts den Gewinn um 17 Prozent gesteigert. Im Geschäft mit Privatkunden, kleineren und mittleren Unternehmen sowie der Vermögensverwaltung verzeichnete die Bank dagegen einen Gewinnrückgang bei stagnierenden Erträgen. Die Aktie gab nach den Gewinnen vom Vortag bis zum späten Vormittag knapp 0,2 Prozent ab.

300 von 1920 Stellen in Deutschland bereits abgebaut

Die Zahl der Mitarbeiter sank in den ersten drei Monaten um 890 auf 64.527. Die Deutsche Bank hatte Anfang Februar mit der Ankündigung, netto 5200 (knapp 8 Prozent) Stellen streichen zu wollen, hier zu Lande einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, obwohl der größte Teil der Stellen im Ausland gestrichen werden soll. Zudem war der Abbau von 1920 Stellen in Deutschland auf 25.410 seit Anfang Dezember bekannt. Ende März beschäftigte die Deutsche Bank im Inland 27.026 Mitarbeiter. Damit sind in Deutschland rund 300 Stellen der angekündigten 1920 abgebaut.

Beobachter rechnen nun damit, dass Ackermann auf Grund der harten Haltung bei der Restrukturierung wieder unter öffentlichen Druck geraten wird. Bereits am Donnerstag nach Veröffentlichung der Eckdaten zum ersten Quartal hatte es wieder kritische Stimmen von Seiten der Politik gegeben. So hatte der saarländische SPD-Chef Heiko Maas die Deutsche Bank aufgefordert, den Stellenabbau rückgängig zu machen. Für die Streichungen gebe es spätestens jetzt "keinerlei Rechtfertigung mehr", sagte Maas. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern kommt es für die Bank daher darauf an, den Stellenabbau möglichst lautlos zu vollziehen.

Privatkundengeschäft stagniert

Privatkundengeschäft stagniert

Wie die Deutsche Bank bereits am Donnerstag bekannt gegeben hatte, ist der Gewinn in den ersten drei Monaten auf den Rekordwert von 1,103 Milliarden Euro gestiegen. Experten hatten im Vergleich mit dem außerordentlich guten Vorjahresquartal mit einem Gewinnrückgang gerechnet. Bei der bereinigten Vorsteuerrendite lag die Deutsche Bank mit 33 Prozent deutlich über dem für 2005 ausgerufenen Zielwert von 25 Prozent. Die Deutsche Bank ist deshalb nach Einschätzung von Experten auf einem guten Weg, ihr Jahresziel zu erreichen.

Die Erträge seien wechselkursbereinigt um 10 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Deutsche Bank weiter mit. Dies geht vor allem auf ein deutliches Plus beim Handelsergebnis zurück. Es stieg um 19 Prozent auf 2,41 Milliarden Euro und lag damit deutlich über der Prognose der Experten. Der Provisionsüberschuss, der um 2,8 Prozent auf 2,33 Milliarden Euro sank, enttäuschte dagegen die Erwartung der Analysten. Diese hatten mit Anstieg auf knapp 2,5 Milliarden Euro gerechnet. Im Zinsgeschäft schnitt die Bank dagegen besser als von den Experten prognostiziert ab. Der Zinsüberschuss stieg von 1,39 auf 1,44 Milliarden Euro. Zudem konnte die Risikovorsorge im Kreditgeschäft etwas stärker als erwartet eingedämmt werden.

Beim Blick auf die Sparten zeigt sich, dass die Deutsche Bank im Geschäft mit Privatkunden, kleinen und mittleren Unternehmen sowie Vermögensverwaltung weniger verdiente als vor einem Jahr. Zudem stagnierten in diesem Segment die Erträge. Deutsche-Bank-Chef Ackermann will diesen Bereich stärken, um die Abhängigkeit vom Handelsergebnis zu verringern. In der Sparte große Firmenkunden und Investmentbanking konnte die Bank dagegen sowohl die Erträge als auch den Gewinn deutlich steigern. Der Bereich machte im ersten Quartal rund zwei Drittel der Erträge sowie drei Viertel des Vorsteuergewinns aus.

Weniger Geld für Stellenabbau ausgegeben

Die Deutsche Bank könnte nach den Worten von Finanzvorstand Clemens Börsig 2005 unterdessen weniger als die geplanten 750 Millionen Euro für ihre Restrukturierung ausgeben. Die bislang genannte Größenordnung gelte zwar weiter, sagte Börsig am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Es sei aber durchaus möglich, dass die Restrukturierungskosten im Gesamtjahr den genannten Wert unterschreiten.

Mit 168 Millionen Euro blieb die Deutsche Bank im ersten Quartal deutlich unter den für den Zeitraum angekündigten 350 Millionen Euro. Börsig begründete dies zum einen damit, dass der Abbau von Stellen effizienter als angenommen vollzogen worden sei. Zudem sei auch "ein gewisses Polster" eingeplant gewesen.

Aktienrückkauf für 2,8 Milliarden Euro

Aktienrückkauf für 2,8 Milliarden Euro

Die Deutsche Bank hat ihr drittes Aktienrückkaufprogramm mittlerweile abgeschlossen. Der Kauf eigener Anteilsscheine ist Teil der Maßnahmen, die Rendite des Kreditinstituts auf das Eigenkapital deutlich zu erhöhen.

Im Rahmen des dritten Programms seien in den vergangenen Monaten 45,5 Millionen oder 8,3 Prozent der ausgegebenen Aktien erworben worden, teilte Deutschlands größte Bank ebenfalls am Freitag mit. Dafür habe das Institut 2,8 Milliarden Euro aufgewendet, bei einem Durchschnittspreis von 62,32 Euro. Am Freitag kostete die Aktie der Deutschen Bank rund 64,50 Euro.

Zusammen mit verbliebenen Aktien aus dem vorhergehenden Rückkaufprogramm sei die Genehmigung der Hauptversammlung, bis zu 10 Prozent des Grundkapitals zu erwerben, voll ausgeschöpft worden, hieß es.

In ihrem ersten Rückkaufprogramm hatten die Frankfurter 62 Millionen Aktien zu einem Durchschnittspreis von 48,32 Euro, im zweiten Programm 58 Millionen Aktien zu durchschnittlich 64,62 Euro gekauft. Mit dem Abschluss des dritten Programms hat sie damit zehn Milliarden Euro aufgewendet. Seit 2002 wurden mehr als ein Viertel der eigenen Aktien zurückgekauft.

Börsig mit Aktienkurs zufrieden

Den Großteil der Papiere zieht die Bank ein, wodurch auch bei einem gleich bleibenden Gewinn die Rendite steigt. Nicht eingezogene Aktien werden meist für Bonuszahlungen verwendet. Bankchef Ackermann will auf der Hauptversammlung am 18. Mai in Frankfurt die Aktionäre des Instituts um die Erlaubnis für weitere Rückkäufe bitten.

Finanzvorstand Börsig zeigte sich mit der Wirkung der bisherigen Aktienrückkaufprogramme durchaus zufrieden. In einem Interview mit dem Fernsehsender N-TV merkte Börsig an, dass man zwar nur über den möglichen Kurs der Deutsche-Bank-Aktie ohne die Maßnahmen spekulieren könne, die aktuelle Entwicklung des Papiers aber nicht schlechter sei als bei den internationalen Wettbewerbern.

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