Bau Hochtief bietet nicht mehr für Züblin

Der Noch-Branchenprimus auf dem deutschen Bau-Markt hat das Interesse für eine Übernahme des Konkurrenten Züblin verloren. Damit ist der Weg für die österreichische Strabag frei, durch den Deal zur Nummer eins in Deutschland aufzusteigen.

Essen/Stuttgart - Der Essener Baukonzern Hochtief kann sein Konzept für eine Übernahme des Konkurrenten Züblin nicht umsetzen und zieht sich deshalb aus dem Rennen um den Einstieg bei dem Stuttgarter Konzern zurück.

Hochtief habe sich nach "langen, intensiven und konstruktiven Verhandlungen" entschlossen, kein Angebot einzureichen, teilte der Konzern am Donnerstag in Essen mit. Die Gesprächspartner hätten sich nicht auf ein Konzept verständigen können, das sowohl den Interessen von Züblin als auch denen der alten und potenziellen neuen Anteilseigner gerecht werde.

Näher begründen wollte Branchenprimus Hochtief seinen Rückzug nicht: Über Einzelheiten sei Vertraulichkeit vereinbart worden, hieß es lediglich. Die Hochtief-Aktie legte am Vormittag um 0,82 Prozent auf 23,30 Euro zu.

Konzept von Anfang April ad acta gelegt

Anfang April hatte Hochtief erstmals öffentlich Interesse an Züblin angemeldet. "Die Hochtief-Aktiengesellschaft stellt ein Angebot für eine Mehrheitsbeteiligung und die unternehmerische Führung der Ed. Züblin AG in Aussicht", hieß es damals.

In Gesprächen wollten Vertreter des Konzerns die Züblin-Eigner von ihrem Konzept überzeugen. Grundsätzlich hatte sich der Konzern sowohl für die vom Insolvenzverwalter der Walter Bau als auch für die von der BayernLB gehaltenen Anteile an der Stuttgarter Züblin interessiert.

Das zur Insolvenzmasse der Walter Bau gehörende Aktienpaket von 4,9 Prozent an Züblin war indes an den deutsch-österreichischen Konkurrenten Strabag  gegangen. Weitere knapp 49 Prozent sind an die BayernLB verpfändet.

Letztes Gebot an BayernLB lag bei 58 Millionen Euro

Hochtief hatte auch Gespräche mit der Stuttgarter Unternehmerfamilie Lenz geführt, der ein großes Aktienpaket an Züblin gehört. Die Geschäfte der beiden Konzerne ergänzten sich gut, hatte eine Hochtief-Sprecherin das Interesse begründet. Neben der Strabag hat die Familie Lenz zusammen mit dem US-Finanzinvestor Zwirn für den von der BayernLB gehaltenen Züblin-Anteil geboten.

Die Strabag hatte sich zudem Mitte April bereit erklärt, mehr als die bislang gebotenen 58 Millionen Euro für den bei der BayernLB verpfändeten Züblin-Anteil zu bieten. Strabag will Züblin in seine Gruppe eingliedern, um gemessen an den Inlands-Bauaktivitäten in Deutschland Branchenführer zu werden. Bei einer Fusion Züblins mit der deutschen Tochter von Strabag könnten durch den Abbau von 250 Stellen jährlich 25 Millionen Euro in der Verwaltung gespart werden.