Bankgesellschaft Loch in der Erfolgsstory

Schön, wenn ein Unternehmen nach Jahren am Rande des Zusammenbruchs, gebeutelt von Skandalen und gerettet mit öffentlichen Geldern, endlich wieder schwarze Zahlen vorlegt. Doch Insider warnen vor versteckten Lasten bei der Bankgesellschaft Berlin.

Berlin - Auf den ersten Blick hat der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Berlin (BGB) bei seiner Sitzung am Freitag einigen Grund zur Freude. Zum ersten Mal seit fünf Jahren weist das Geldinstitut ein positives Ergebnis nach Steuern aus: 107 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2004.

Tatsächlich ist der echte Gewinn jedoch deutlich geringer. Denn eigentlich sind vom Ergebnis noch einmal 26 Millionen Euro abzuziehen - als Zinsen für stille Einlagen in Höhe von rund einer Milliarde Euro, die das Land Berlin seinem Institut im vergangenen Jahr zugeschossen hat.

Das Geld wurde benötigt, um ein neues Loch in der Eigenkapitaldecke der Bank zu stopfen. Trotz dieses Schönheitsfehlers dürften der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Adam und der Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter diese Bilanz als Erfolgsstory präsentieren.

An anderer Stelle der Bank löst der Jahresabschluss dagegen eher Sorgen aus. "Wer dieses Werk liest, wird an frühere Zeiten erinnert", sagt ein führender Mitarbeiter. Damit bezieht er sich auf die Wirtschaftsprüferberichte vor dem Zusammenbruch der BGB im Jahr 2001.

Vom Umgang mit der Risikovorsorge

Damals hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) - sie kontrolliert die Jahresabschlüsse der BGB noch immer - ähnlich unkritische Berichte erstellt. Als der wahre Zustand der Bank ans Licht kam, konnte das Institut nur mit Milliardenzuschüssen und -garantien vom Land Berlin vor dem Aus gerettet werden.

Auffällig an der Amtszeit Vetters: Auf dem stetigen Weg in die Gewinnzone ist die Risikovorsorge der Bank (763 Millionen Euro im Jahr 2001, 253 Millionen im vorigen Jahr) ebenso stetig zurückgeführt worden. Und das trotz bitterer Erfahrungen in der Vergangenheit. Es war gerade fehlende Risikovorsorge, vor allem im Bereich der Immobiliendienstleistungen, die die BGB vor vier Jahren in die Knie zwang.

Heute entfällt in der BGB - nach Abzug des Geschäftes mit Kreditinstituten und der öffentlichen Hand - rund die Hälfte des Kreditvolumens auf Immobilienfinanzierungen. Laut einem Kreditrisikobericht der Bank aus dem Herbst vorigen Jahres liegen über 60 Prozent der Engagements in Berlin und den neuen Bundesländern. Kein wünschenswerter Zustand bei der gegenwärtigen Verfassung des Immobilienmarktes.

Millionenklage wegen Zinsswap

Zwölf Milliarden Euro Problemkredite

Im Filialgeschäft sieht es nicht besser aus. Dort liegen, so der Kreditbericht der Bank, fast 70 Prozent des Kreditportfolios der BGB in Berlin und den neuen Bundesländern. Kritiker innerhalb der Bank bemängeln, dass die Kreditrisiken nicht ausreichend gesichert sind. Als Beleg dienen die internen Ratingstrukturen gemäß Basel II, die erstmals für die jetzt anstehende Aufsichtsratssitzung aufgestellt wurden und Problemkredite von nominal mehr als zwölf Milliarden Euro in schlechten oder gar ausfallgefährdeten Ratingkategorien aufzeigen.

Auch weitere Risikoelemente werden in der Bilanz der BGB nur unzureichend beachtet. In diesem Jahr muss das Land Berlin, als Folge einer Auflage der EU-Kommission, das verbliebene Immobiliendienstleistungsgeschäft der BGB übernehmen. Wegen des desolaten Zustandes vieler Unternehmen in diesem Bereich wird die Bank einen "negativen Kaufpreis" - also Geld an das Land - bezahlen müssen.

Dafür wurden zwar schon im Jahr 2003 Rücklagen seitens der Bank gebildet. Doch laut einem Bankmitarbeiter fordert das Land angeblich deutlich mehr Geld, als die Bank dafür vorgesehen hat. Diese Zahlung an das Land Berlin, die nach Plan bereits in das Bankergebnis 2004 einfließen sollte, soll sich nun erst im Abschluss 2005 wiederfinden.

Millionenklage wegen Zinsswap

Risiken gehen außerdem von einer laufenden Zivilklage gegen die BGB aus. Wegen eines Zinsswapgeschäftes aus dem Jahr 1998 zum Nachteil eines von ihr aufgelegten Immobilienfonds sieht sich die Bank Schadenersatzforderungen in Höhe von rund 30 Millionen Euro gegenüber. Dafür hat sie trotz ziemlich eindeutiger, belastender Sachlage im Jahresabschluss 2004 keine weitere Rückstellung gebildet. Sie geht einfach von einem Scheitern der Klage aus.

Noch größer ist das offene Risiko, das der Bank bei der derzeit vorbereiteten Rückkaufaktion für die Kommanditanteile der Fondszeichner droht. Aktuell führt der Berliner Senat Verhandlungen mit Fondsinhabern, die die BGB mit einer regelrechten Prozesslawine überziehen.

Anleger der schlecht laufenden geschlossenen Immobilienfonds haben schon rund 10 000 Klagen gegen verschiedene Institute der BGB eingereicht, vor allem wegen Prospektbetrugs. Weitere Klagen von Anlegern und den Fondsgesellschaften selbst sind in Vorbereitung. Das an der BGB beteiligte Land - es hat für die Fonds gebürgt - sucht jetzt eine außergerichtliche Lösung. Möglicherweise will es die Anteile der Anleger zurückkaufen.

Das kann auch für die BGB teuer werden. Selbst wenn man eine volle Abschirmung seitens des Landes Berlin für die früher ausgesprochenen Garantien unterstellt, drohen bei einem Rückkauf der Fondsanteile hohe Schäden aus Refinanzierungskosten, für die das Land gemäß der hier relevanten "Detailvereinbarung" aus dem Jahr 2001 nicht einsteht.

Mathew D. Rose, ddp.vwd