T-Online Wie sich Aktionäre wehren können

T-Online-Vorstand Rainer Beaujean und Aufsichtsratschef Kai-Uwe Ricke lassen die Kritik der Aktionäre während der Hauptversammlung routinemäßig abtropfen. Aktionärsschützer Hans Richard Schmitz erläutert, wie sich Privatanleger dennoch wehren können.

Hannover - Trotz der heftigen Kritik von Seiten der Privatanleger hat der Vorstandschef von T-Online, Rainer Beaujean, während der Hauptversammlung um Zustimmung zur Verschmelzung des Internet-Anbieters mit der Deutschen Telekom geworben. Die Angebote von Festnetzbetreibern und Internet-Anbietern ergänzten sich immer stärker, sagte Beaujean. Zugleich steige die Nachfrage nach Breitband-Produkten aus Internet-Zugang, Unterhaltung und Kommunikationsdiensten wie Internet-Telefonie ("Triple Play").

Werben für die Verschmelzung: Der Vorstandsvorsitzende von T-Online, Rainer Beaujean (M) und der Aufsichtsratsvorsitzende Kai-Uwe Ricke (rechts)

Werben für die Verschmelzung: Der Vorstandsvorsitzende von T-Online, Rainer Beaujean (M) und der Aufsichtsratsvorsitzende Kai-Uwe Ricke (rechts)

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"Bleiben als Schnellboot erhalten": T-Online-Chef Rainer Beaujean kann die Aktionäre kaum besänftigen

"Bleiben als Schnellboot erhalten": T-Online-Chef Rainer Beaujean kann die Aktionäre kaum besänftigen

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Der Aufsichtsratschef genießt und schweigt: Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke (im Hintergrund) lässt während der Hauptversammlung T-Online-Chef Rainer Beaujean den Vortritt

Der Aufsichtsratschef genießt und schweigt: Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke (im Hintergrund) lässt während der Hauptversammlung T-Online-Chef Rainer Beaujean den Vortritt

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Im Zentrum der Kritik
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"Aus diesen Beobachtungen heraus sind wir überzeugt, dass eine integrierte Strategie für beide Unternehmen erhebliche Vorteile bringt", sagte Beaujean, der mit einem Wachstum der Zahl von Breitbandanschlüssen um 30 Prozent pro Jahr rechnet.

"Gute Zukunft für T-Online"

T-Online werde weiter eine entscheidende Rolle spielen im gemeinsamen Geschäftsfeld Breitband/Festnetz. "Ich bin sicher, dass mit der Verschmelzung eine gute Zukunft für T-Online gesichert ist", sagte Beaujean. Der Zusammenschluss liege auch im langfristigen Aktionärsinteresse. T-Online werde im neuen Geschäftsfeld die Entwicklung und Vermarktung von Produkten übernehmen, die auf dem Internet-Protokoll basierten, vor allem die Triple-Play-Angebote. In den neunköpfigen Bereichsvorstand zögen drei Mitglieder von T-Online ein, ergänzte Beaujean. Im Zuge der Wiedereingliederung seien keine Kündigungen geplant, bekräftigte er.

Die Telekom bietet den Aktionären, die das Barangebot von 8,99 Euro je T-Online Aktie nicht angenommen haben, 0,52 T-Aktien für je eine T-Online-Aktie. Zum Börsengang im April 2000 hatten die Anleger 27 Euro für eine Aktie gezahlt.

Da die Telekom über 90 Prozent der Aktien von T-Online verfügt, gilt die Zustimmung zum Verschmelzungsvertrag als sicher. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (Sdk) kritisierten während der Hauptversammlung das Vorgehen jedoch in scharfer Form und erläuterten zudem, wie T-Online-Aktionäre verbesserte Konditionen erreichen können.

"Telekom schadet der Aktienkultur"

Telekom hält 90 Prozent - Zustimmung gilt als sicher

Die DSW und die SdK kündigten an, gegen die Verschmelzung zu stimmen und Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Außerdem werde man ein so genanntes Spruchstellenverfahren beantragen, um das Umtauschverhältnis für die Aktionäre gerichtlich überprüfen zu lassen. Ob man gegen die Verschmelzung selbst klagen werde, sei noch nicht klar, erklärte ein Sprecher der SdK. Die DSW behält sich ebenfalls eine Anfechtungsklage gegen die Fusion vor. Kommt es nicht zur der Anfechtungsklage, will die DSW in jedem Fall ein Spruchstellenverfahren anstreben.

"Der Aktionär kann gehen"

"Die Telekom hat wieder einmal die Gelegenheit genutzt, der Aktienkultur in Deutschland zu schaden", sagte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger unter dem Beifall der Anleger in der Tui-Arena in Hannover. Von den ursprünglich 27 Euro pro Aktie erhielten die Anleger jetzt nicht einmal ein Drittel zurück. "Warum stand das Risiko der Verschmelzung damals nicht im Prospekt?", fragte Labryga.

"Der Aktionär hat seine Schuldigkeit getan, der Aktionär kann gehen", ergänzte Hans Richard Schmitz, Sprecher der DSW. Die Verschmelzung stehe in keinster Weise im Interesse der außen stehenden Aktionäre. Die jetzt erstmals ausgeschüttete Dividende von vier Cent pro T-Online-Aktie sei zum Abschluss wie ein Hohn.

Offenbar habe man sich bei der Verschmelzung nur an den Interessen der Großaktionäre orientiert. Die Telekom selbst habe bei ihrem Börsengang Vorbildfunktion gehabt, davon sei nichts übrig geblieben. "Da kann man nur sagen: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert", sagte Schmitz. T-Online hatte nach verlustreichen Jahren seit dem Börsenstart 2000 im Jahr 2004 erstmals schwarze Zahlen geschrieben und einen Nettogewinn von 317 Millionen Euro erzielt.

Wie sich Privatanleger wehren können

Anfechtungsklage binnen vier Wochen

"Wir prüfen derzeit Anhaltspunkte für eine Anfechtungsklage", erklärte DSW-Sprecher Schmitz am Rande der Hauptversammlung gegenüber manager-magazin.de. Während der heutigen Hauptversammlung werde der Vorstand dafür wahrscheinlich aber keinen weiteren Anlass liefern, so Schmitz: "Die wickeln das hier professionell ab und geben sich keine Blöße".

Eine Anfechtungsklage würde den Vertrag über eine Verschmelzung von T-Online und Telekom generell in Frage stellen. Sie muss innerhalb von vier Wochen nach der Hauptversammlung gestellt werden.

"Wir prüfen parallel, ob der Vorstand von T-Online überhaupt berechtigt war, den Verschmelzungsvertrag zu unterschreiben", erläutert Schmitz. Dies wäre unabhängig vom Verlauf der Hauptversammlung ein entscheidender Anhaltspunkt für eine Anfechtungsklage, bei der der Kläger auch das Kostenrisiko trägt.

Spruchstellenverfahren prüft Bewertung von T-Online

Sollte es binnen vier Wochen nicht zu einer Anfechtungsklage kommen, bleibt Aktionären immer noch das Spruchstellenverfahren. "Wenn es keine Anfechtung gibt und die Verschmelzung nach Ablauf der Vierwochenfrist eingetragen wird, werden wir auf jeden Fall ein Spruchstellenverfahren anstreben", sagt Schmitz.

Dieses Spruchstellenverfahren richte sich nicht gegen die Verschmelzung an sich, sondern gegen die im Vertrag vorgenommene Bewertung von T-Online. Geduldige Aktionäre können nach Auffassung von Schmitz auf eine Nachzahlung hoffen: "Die Mehrzahl der Spruchstellenverfahren führt dazu, dass das Angebot für die Aktionäre nachgebessert werden muss. Das Verfahren kann zwar einige Jahre dauern, aber es gibt eine Reihe von Ansatzpunkten, dass das Umtauschangebot der Telekom nicht dem fairen Wert von T-Online entspricht."

Wer von einem Spruchstellenverfahren profitiert

Der Vorteil eines Spruchstellenverfahrens: Von einer möglichen Nachbesserung profitieren alle T-Online-Aktionäre, die sich nicht per Barabfindung von 8,99 Euro haben abspeisen lassen. Wer seine T-Online-Aktien statt dessen in Telekom-Aktien getauscht hat, profitiert auch dann von einer Nachbesserung, wenn er die erhaltenen Telekom-Aktien zwischenzeitlich verkauft hat. "Es lässt sich schließlich klar zurückverfolgen, wer im Zuge der Verschmelzung T-Aktien umgetauscht hat", so Schmitz.

Für T-Online-Aktionäre mag eine späte Nachbesserung ein schwacher Trost sein. Die Zahl der Aktionäre in der Tui-Arena in Hannover war am frühen Nachmittag bereits auf einige hundert geschrumpft. "Vorstand und Aufsichtsrat werden sich wohl keinen Formfehler leisten und die Hauptversammlung routinemäßig über die Bühne bringen", schätzt Schmitz. "Doch der Widerstand gegen die Art und Weise, wie die Telekom T-Online zwangsintegriert, wird mit der heutigen HV nicht zu Ende sein."