Telekom-HV "Ich rechne mit sehr harter Diskussion"

Vor allem Aktionäre der Telekom-Tochter T-Online dürften während der Hauptversammlung der Deutschen Telekom heute in Hannover Dampf machen. Telekomchef Kai Uwe-Ricke rechnet mit einer "sehr harten Diskussion", bietet als Trumpf aber nicht nur eine hohe Dividende.

Hamburg/Hannover - 2,5 Milliarden Euro (62 Cent pro Aktie)wird die Deutsche Telekom für das abgelaufene Geschäftsjahr an ihre Anteilseigner ausschütten. Damit schüttet die Telekom  die höchste Summe der 30 Dax-Unternehmen aus und liegt mit rund vier Prozent Dividendenrendite nur knapp hinter DaimlerChrysler.

Die Botschaft: Nach zwei Nullrunden bei der Dividende sind die Schulden kräftig abgebaut, der Konzern ist fit für die Zukunft. Damit wird der Konzern aber kaum diejenigen Aktionäre beruhigen, die noch Aktien der Internet-Tochter T-Online  halten. 27 Euro hatten diese zum Börsengang von T-Online im April 2000 bezahlt, nun will sie die Konzernmutter mit 8,99 Euro abspeisen und sich die Tochter wieder einverleiben.

Wer dieses Barangebot nicht angenommen hat, soll nun mit rund einer halben Telekom-Aktie pro T-Online-Papier abgefunden werden. Genau ist das Tauschverhältnis 13 Telekom-Aktien für 25 T-Online-Aktien. Gemessen am aktuellen Kurswert der T-Aktie sind das gerade einmal 7,80 Euro - die Telekom-Aktie müsste in den kommenden Jahren schon eine phantastische Kursrallye hinlegen, damit T-Online Aktionäre ihr Geld wiedersehen.

"Von der Telekom vor die Tür gesetzt"

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will daher bei der Hauptversammlung von T-Online (am Donnerstag in Hannover) die Verschmelzung ebenso ablehnen wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch am Dienstag dürfte es bereits heftige Kritik geben.

"Nachdem T-Online-Aktionäre den Aufbau des Geschäfts in langen Verlustjahren tapfer finanziert haben, werden sie nun, da das Investment endlich Früchte trägt, von der Telekom vor die Tür gesetzt und zur Realisierung ihrer Verluste gezwungen", sagt SdK-Vorsitzender Klaus Schneider.

In den Anträgen von Kleinaktionären zur T-Online-Hauptversammlung fallen noch härtere Worte: von "Betrug" ist die Rede, von "Bereicherung der Telekom auf Kosten der T-Online-Aktionäre". Käufer von T-Online-Aktien hätten die Risiken der Aufbaujahre tragen müssen, würden aber nun von den Gewinnen, die sich endlich abzeichneten, ausgeschlossen.

Verlängerung der HV einkalkuliert

"Wir rechnen mit einer harten Diskussion"

Nützen wird es ihnen wenig. Die Telekom besitzt inzwischen 90 Prozent der Anteile an T-Online. Das hat zur Folge, dass sie bei der eigenen Hauptversammlung das Thema nicht einmal auf die Tagesordnung setzen musste. Und der Ausgang der Abstimmung am Ende der T-Online-Hauptversammlung dürfte wenig Überraschung zulassen.

Dennoch richtet sich der Konzern sowohl am Dienstag als auch am Donnerstag auf kritische Fragen und längere Debatten ein. Sicherheitshalber hat die Konzernführung schon Verlängerung von jeweils einem Tag einkalkuliert. Die Telekom-Aktionäre treffen sich am Dienstag und können, falls erforderlich, auch am Mittwoch noch weitertagen.

Er rechne durchaus mit einer "sehr harten Diskussion", hatte Ricke vor wenigen Tagen in einem Interview gesagt. Dies sei auch gut so, denn so könne er den Telekom-Aktionären die Vorstellungen rund um die Wiedereingliederung "im Detail" erklären

Details zum Konzernumbau

Am Dienstag will Ricke den Aktionären außerdem seine Pläne für den weiteren Konzernumbau  erläutern. Ricke betonte, er sei fest davon überzeugt, dass der Konzern mit seiner Neuaufstellung in den drei Bereichen Breitband/Festnetz, Geschäftskunden und Mobilfunk das Richtige tue, um das Unternehmen an die sich schnell verändernden technologischen Rahmenbedingungen und Kundenwünsche anzupassen.

Ricke fügte hinzu, keiner der T-Online-Aktionäre werde zwangsenteignet. Die T-Online-Aktie werde gegen ein anderes Papier umgetauscht, das eine große Zukunft habe. Es helfe nicht weiter, wenn über vergangene Entwicklungen auf dem Aktienmarkt zu lange diskutiert werde.

Fonds geben sich zahm

Vertreter von Fondsgesellschaften haben für die Hauptversammlung Zustimmung für Rickes Kurs angekündigt. "Aus Investorensicht hat die Telekom im vergangenen Jahr alles richtig gemacht", sagte Ralf Oberbannscheidt, Fondsmanager bei Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS, vorab.

Rolf Drees, Sprecher von Union Investment, sagte: "Die Telekom fährt einen soliden geschäftspolitischen Kurs, meidet finanzielle Abenteuer und sagt dem Kapitalmarkt die Wahrheit - das war früher auch nicht immer gang und gäbe."

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