Versicherungen Cerberus prüft Kauf von Gerling

Das US-Investmenthaus Cerberus steht kurz vor einer Entscheidung über den Kauf des Kölner Versicherungskonzerns Gerling. Gleichzeitig wird gemeldet, dass DaimlerChrysler mit Cerberus einen Deal über 765 Millionen Euro anstrebt.

Hamburg - Nach Angaben aus Kreisen, die mit den Kaufverhandlungen betraut sind, verlaufen die Verhandlungen zwischen Cerberus und dem Versicherungskonzern "in einer sehr konstruktiven Atmosphäre".

Entgegen anders lautenden Berichten sei die genaue Buchprüfung (Due Diligence) zwar "in einem sehr fortgeschrittenen Stadium angelangt, aber noch nicht beendet", hieß es gegenüber manager-magazin.de. Cerberus zielt auf die gesamte Gerling-Gruppe einschließlich der Holding. Mögliche Rückversicherungs-Altlasten und Pensionsverpflichtungen schreckten die Amerikaner offenbar nicht.

Zurzeit seien Dutzende von Cerberus-Beratern bei Gerling im Haus, um weitere Einzelheiten abzufragen, hatte die "Financial Times Deutschland" (FTD) am heutigen Montag gemeldet. Vertreter beider Konzerne wollten zum Thema Kaufverhandlungen nicht Stellung nehmen.

Die Frage nach dem Super-Gau

Andere potenzielle Käufer - vor allem die Versicherungsgruppen Talanx und Zurich Financial Services - interessierten sich nur für eine Zwischenholding, in der die beiden operativen Gesellschaften Gerling Allgemeine und Gerling Leben gebündelt sind.

Anfang des Monats hatte Gerling-Vorstandschef Björn Jansli das Ende der Krise des Versicherers verkündet und von Kaufinteressenten für die beiden operativen Töchter Gerling-Konzern Allgemeine (GKA) und Gerling-Konzern Lebensversicherung (GKL) gesprochen.

"Die Frage ist, ob wir in der Lage wären, einen Super-Gau auszuhalten", hatte Jansli gesagt. Für ein solches Ereignis, das Jansli als Zusammentreffen von Naturkatastrophen, hohen Industrieschäden und einem Kapitalmarkteinbruch definierte, brauche Gerling Zugang zum Kapitalmarkt. Die Liste der Kaufinteressenten sei sehr lang, so Jansli noch vor drei Wochen.

Ohne ein Worst-Case-Szenario hält Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Gerling-Lebensversicherung (GKL) für möglich, dass die Sparte "in fünf oder sechs Jahren" zu den fünf größten Anbietern in Deutschland zählen wird.

Heinen sagte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), im Neugeschäft habe die GKL um 118 Prozent auf mehr als sieben Milliarden Euro Vertragssumme zugelegt, während die Branche im Durchschnitt nur auf ein Plus von 40 Prozent gekommen sei.

Kauft Cerberus Debis AirFinance?

Der Gerling-Konzern hatte sich durch eine zu starke Expansion vor allem in den USA verhoben. Nach schweren Verlusten musste Gerling 2002 das Neugeschäft in der Rückversicherung zum größten Teil einstellen.

DaimlerChrysler-Deal über 765 Millionen Euro

Der Private-Equity-Investor Cerberus verwaltet rund 13 Milliarden Dollar, vor allem für US-Pensionsfonds und andere Anleger. In Deutschland hat die Gesellschaft unter anderem 90.000 Wohnungen gekauft und sich an der Übernahme der Deutsche Städte Marketing beteiligt. "Die wollen Gerling mit seiner starken Marke auch als Vehikel für Investitionen in der deutschen Industrie einsetzen", zitiert die "FTD" Versicherungskreise.

Ebenfalls am heutigen Montag meldet das "Wall Street Journal Europe" (WSJE), DaimlerChrysler  wolle seinen Anteil an dem Flugzeugleasing-Unternehmen Debis AirFinance an Cerberus veräußern. Das Geschäft stehe kurz vor dem Abschluss. Einen Preis habe der Sprecher nicht nennen wollen. Laut dem Blatt wird der Wert von Daimlers 45-prozentigem Anteil auf etwa 765 Millionen Euro geschätzt.

DaimlerChrysler hatte seinen Anteil an dem niederländischen Unternehmen im Jahr 1995 erworben. Wie die Zeitung weiter unter Berufung auf Kreise berichtete, wollten die Stuttgarter mit dem Verkauf von der derzeitigen Erholung der Luftfahrtbranche außerhalb der USA profitieren. "Auf dem Markt herrschen derzeit Bedingungen, unter denen es wieder Sinn macht, ein solches Geschäft abzuschließen", zitiert die Zeitung aus den Kreisen.

Eine Cerberus-Sprecherin bestätigte, dass der Kauf von Debis AirFinance unmittelbar bevorstehe. Die Bayerische Landesbank, die HypoVereinsbank und die Dresdner Bank hielten jeweils 15 Prozent. Die übrigen 10 Prozent befänden sich im Besitz der DZ Bank. Zum Verkaufspreis machte die Sprecherin keine Angaben.

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