Mobilcom Gerhard Schmid setzt sich durch

Gegen den Großaktionär France Telecom planen Mobilcom-Kleinanleger eine milliardenschwere Schadensersatzklage. Das beschloss die Hauptversammlung nach turbulenter Sitzung in Berlin. Damit wurden die Interessen von Gründer und Ex-Großaktionär Gerhard Schmid gegen das Votum von Vorstand und Aufsichtsrat durchgesetzt.

Berlin - Die Klagebefürworter werfen den Franzosen vor, "die Zukunftschancen der Mobilcom  als Netzbetreiber" zunichte gemacht zu haben.

Hintergrund der Klage ist ein Streit zwischen Firmengründer Gerhard Schmid und France Telecom  über den Aufbau eines eigenen UMTS-Netzes. Dem Ex-Milliardär wird ein regelrechter Rachefeldzug gegen seinen alten Großaktionär nachgesagt. Das milliardenschwere UMTS-Projekt hatte Mobilcom vor mehr als zwei Jahren an den Rand des Ruins gebracht, nachdem die Franzosen die Zahlungen plötzlich eingestellt hatten, weil sie keine Gewinnchancen sahen.

Vorstand und Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Mobilfunk-Dienstleisters halten die Klage für aussichtslos. Die Franzosen hätten Mobilcom keinen Schaden zugefügt, betonten sie. Als Betroffener hatte France Telecom, die mit 29,1 Prozent an Mobilcom beteiligt ist, bei dem Beschluss der Aktionärsversammlung kein Stimmrecht, was der Niederlage des Vorstands Vorschub leistete.

Für die UMTS-Lizenz hatte Mobilcom mehr als 8,4 Milliarden Euro gezahlt. Ungeachtet des Rückzugs aus dem Projekt rettete France Telecom das deutsche Unternehmen mit einer enormen Finanzspritze. Die Franzosen sind noch heute größter Aktionär von Mobilcom.

Schmid musste damals seinen Posten als Vorstandschef räumen und alle Mobilcom-Anteile verkaufen. Er meldete privaten Konkurs an. Seine Ehefrau Sybille Schmid-Sindram ist Pressberichten zufolge allerdings im Besitz eines Aktienpaketes im Wert von 13 Millionen Euro. Sie war stimmberechtigt.

Schmid schweigt - und genießt?

Schmid schweigt - und genießt?

Zum Auftakt der Hauptversammlung hatte Mobilcom-Vorstandschef Thorsten Grenz den Aktionären empfohlen, einer Klage nicht zuzustimmen. "Es fehlen die wesentlichen Tatbestandsvoraussetzungen einer Haftung von France Telecom." Ersatzansprüche bestünden nicht, wie ein Rechtsgutachten eindeutig ergeben habe.

"Mobilcom soll hier in eine nach unserer festen Überzeugung sinnlose rechtliche Auseinandersetzung gezwungen werden, die zumindest Zeit und einiges an Geld kosten wird - und vielleicht mehr", warnte Grenz. Eine Klage stelle möglicherweise ein existenzgefährdendes Risiko dar.

Den Antrag auf Schadenersatzklage hatten die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sowie weitere Aktionäre gestellt. Sie betonten auf der Hauptversammlung, der Vorstoß richte sich nicht gegen das amtierende Management. Die Sanierungsleistung sowie die Unternehmensstrategie sei anerkennenswert.

Zu einer direkten Konfrontation zwischen Schmid und der Unternehmensführung kam es nicht. Schmid zog am Freitagabend überraschend seine Ankündigung für einen Redebeitrag zurück. Er habe keine Lust, sich beschimpfen zu lassen, erklärte er. Zuvor hatte Schmid sein Vorhaben einer Schadenersatzklage öffentlich gemacht.

Nach mehr als siebenstündiger Sitzungsdauer erklärte Schmid, er habe keine Lust mehr auf eine Rede. Er sei lediglich gekommen, um seine Frau zu begleiten. Die Sitzung war bis dahin turbulent verlaufen und wurde von teils polemischen Äußerungen einiger Aktionäre begleitet.

Als "besonderen Vertreter", der die Ansprüche nun geltend machen soll, setzte die Hauptversammlung den Wirtschaftsprüfer Wilhelm Haarmann ein. Damit mussten Vorstandschef Thorsten Grenz sowie der Aufsichtsratsratschef Dieter Vogel eine empfindliche Niederlage einstecken. Schmid-Sindram nannte am Sonntag das Votum für einen unabhängigen Vertreter "ein so deutliches Misstrauensvotum der freien Aktionäre, dass Grenz und Vogel eigentlich zurücktreten müssten".

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