Deutsche Telekom Zuckerbrot und Peitsche

Während der Hauptversammlung der Deutschen Telekom muss Konzernchef Kai-Uwe Ricke Ergebnisse des Strategiewechsels präsentieren. Aktionären wird nach langer Leidenszeit wieder eine Dividende geboten. Kritik ist besonders von T-Online Aktionären zu erwarten.

Hamburg - Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke muss den Aktionären der Deutschen Telekom  und von T-Online  auf den jeweiligen Hauptversammlungen Rede und Antwort zum Konzernumbau stehen. Die Hauptversammlung der Deutschen Telekom beginnt am Dienstag um 10 Uhr in der Tui-Arena in Hannover, die HV von T-Online ist für Donnerstag angesetzt.

Besonders die Reintegration von T-Online in den Mutterkonzern Telekom dürfte auf heftige Kritik der T-Online Aktionäre stoßen. Die T-Online-Aktie war im April 2000 zum Kurs von 27 Euro an die Börse gebracht worden. Die Telekom hat den Aktionären aber lediglich 8,99 Euro in bar zum Rückkauf angeboten - das ist nicht einmal ein Drittel des Preises zum Börsengang. Er rechne "durchaus mit einer sehr harten Diskussion", sagte Ricke der "Süddeutschen Zeitung".

"Gib mir 27 Euro - ich gebe dir 8,99 Euro"

Aktionärsschützer kritisieren das Vorgehen der Telekom. So bemängelte etwa Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) unlängst: "Als das Geschäft risikoreich war, wurden die freien Aktionäre hinzugebeten, jetzt wo es ertragreich zu werden verspricht, werden sie hinauskomplementiert."

Ricke sagte, er verstehe die Frustration der Aktionäre. Auf der anderen Seite sei er fest davon überzeugt, dass die Neuaufstellung des Konzerns in den drei Bereichen Breitband/Festnetz, Geschäftskunden und Mobilfunk genau das Richtige sei. Die Telekom müsse sich so schnell wie möglich zu einem Anbieter wandeln, der seinen Kunden sämtliche Multimedia-Anwendungen aus einer Hand anbieten könne. Das Telefongeschäft werde in den nächsten Jahren weiter rückläufig sein.

Auch in Zukunft Stellenabbau

Der Telekom-Chef bat darum, ihm drei Jahre Zeit zu geben, "damit ich die Richtigkeit dieses Kurswechsels beweisen kann". Unter Ricke hat sich der Konzern radikal gewandelt. Der Schuldenberg wurde bis Ende 2004 auf gut 35 Milliarden Euro abgetragen - binnen drei Jahren eine Halbierung der Verbindlichkeiten. 2004 erwirtschaftete der Konzern mit einem Ergebnis nach Steuern von 4,6 Milliarden Euro wieder satte Gewinne. Finanzchef Karl-Gerhard Eick frohlockt: "Unsere Bilanzrelationen sind in einem Zustand wie in den letzten 10 Jahren nicht mehr".

Ricke betonte, die T-Online-Aktionäre würden nicht zwangsenteignet: "Der T-Online-Aktionär tauscht bei der Verschmelzung sein Papier für ein anderes, das eine große Zukunft hat, nämlich für die Telekom-Aktie. Und zuvor hatte er durch unser öffentliches Erwerbsangebot die Gelegenheit, seine Aktie für 8,99 Euro zu verkaufen."

Ricke weiß nach eigenen Angaben, wie wichtig seine Rede auf der Hauptversammlung sein wird: "Ich will erreichen, dass die Aktionäre verstehen, dass hier ein Konzernchef mit seinen Aktionären offen und ehrlich über seine langfristige Strategie diskutieren möchte." Seinen Redeentwurf habe er schon mehrfach überarbeitet, und er feile immer noch daran. "Am besten ist es, wenn ich aus der Kundenperspektive heraus argumentiere, denn das wird am ehesten verstanden."

Revolution auf Raten

Für ihn heiße das, "dass wir uns endlich in aller Konsequenz an den Bedürfnissen der Kunden orientieren müssen." Das erfordere erhebliche Investitionen und ein radikales Umdenken in den Köpfen der Mitarbeiter.

Auf Fragen zum Personalbestand der Telekom sagte Ricke, angesichts der Rasanz des technologischen Wandels und des politisch gewollten, immer härteren Wettbewerbs in der Branche und bei der Telekom würden "auch in der Zukunft Stellen wegfallen". Vereinbart sei, bis Ende 2005 keine Stellen zu streichen. Wie es ab 2006 aussehe, könne er noch nicht genau sagen.

Erstmals seit zwei Jahren steht während der Hauptversammlung in Hannover ein Punkt auf der Tagesordnung, der den Anlegern Freude machten wird: Abstimmung über die Ausschüttung einer Dividende von 0,62 Euro je Aktie.

Revolution auf Raten

Doch viel mehr als ein Trostpflaster über den gewaltigen Kurseinbruch der T-Aktie ist die Ausschüttung kaum. Der Kurs bewegte sich in den vergangenen 52 Wochen ohne große Dynamik zwischen 15 und 16 Euro. Damit liegt die Aktie zwar über ihrem Ausgabekurs von 1996, ist aber weit entfernt von ihrem Höchststand im Frühjahr 2000 (104 Euro).

Fondsmanager von der DWS vermuten, dass die Unklarheiten über die Platzierungen weiterer Aktienpakete des Bundes den Kurs derzeit lähmen. Sie fordern deshalb mehr Transparenz und einen klaren Zeitplan für weitere Emissionen. "Der Aktienüberhang des Bundes schwebt wie ein Damoklesschwert über der Telekom", sagt Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck & Co. Derzeit ist der Bund direkt und indirekt über die KfW-Bank noch mit rund 38 Prozent an der Telekom beteiligt.

Den Aktionären wird Ricke neben Zahlen auch die Neuausrichtung des Unternehmens und seine Wachstumsstrategien präsentieren. Die Herausforderungen sind groß. Tatsächlich steht bei der Telekom vor allem die klassische Telefonie unter Druck. Die Umsätze in dem einst umsatzstärksten Segment brechen weg. Breitband heißt deshalb das Zauberwort.

Doch auf dem Markt für schnelle Internetanschlüsse (DSL) hat auch die Konkurrenz längst Fuß gefasst. "Nichts ist so vergänglich wie der Erfolg von gestern", fasste Ricke bei der Bilanzvorlage im März die Aufgaben von heute und morgen zusammen.

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