Mercedes Cordes erhöht Druck auf Zulieferer

Angesichts sinkender Imagewerte und der größten Rückrufaktion der Unternehmensgeschichte erhöht Mercedes-Chef Eckhard Cordes den Druck auf die Zulieferer massiv. Schriftlich drohte Cordes Lieferanten mit Qualitätsmängeln Konsquenzen an. Vor allem Herstellern, die in jüngster Zeit auffällig geworden sind, drohen Sanktionen.

München - Wie die Zeitschrift "Automobilwoche" berichtete, drohte Cordes in einem Schreiben an mehrere hundert Schwerpunktlieferanten Konsequenzen für den Fall an, dass bei Stichprobenprüfungen Fehler entdeckt werden sollten. So könnten eine 100-prozentige Warenausgangsprüfung sowie tägliche Berichte an den Konzern verfügt werden.

Vor allem die Hersteller von Bauteilen, "die innerhalb der letzten Wochen wiederholt beanstandet wurden, zu Sortieraktionen geführt haben oder im Rahmen der Lieferantenbewertung auffällig geworden sind", habe Mercedes im Blick, heißt es dem Blatt zufolge in dem Brief.

Bei einem Lieferantenkongress, zu dem Mercedes kürzlich die Geschäftsführer der Systemanbieter lud, stellte Einkaufschef Harald Bölstler laut "Automobilwoche" einige Zulieferer sogar lautstark an den Pranger. "Der Ton ist rauer geworden, es wird nun mit harten Bandagen gekämpft", zitierte die Zeitschrift einen Teilnehmer.

Das gelte auch für Workshops, in denen alle Lieferanten neuerdings bis ins Detail ihre Qualitätssicherungs-Prozesse darlegen müssten. "Das ist keine Bestrafung, sondern die gemeinsame Suche nach Lösungen und ein konkretes Beispiel für die Umsetzung unserer neuen Qualitätsoffensive", verteidigte ein Konzernsprecher dem Blatt zufolge den neuen Kurs. Die "Eskalationsstrategie", die bei der Lieferung fehlerhafter Teile Sanktionen bis hin zum Ausschluss vorsieht, solle auf alle Zulieferer ausgeweitet werden.

Wegen massiver Qualitätsprobleme hatte Mercedes im Frühjahr weltweit rund 1,3 Millionen Fahrzeuge der Premiummarke zur Überprüfung von Elektronik und Bremsen in die Werkstatt zurückgerufen.