Ende des Booms ThyssenKrupp kürzt Stahlproduktion

Deutschlands größter Stahlkonzern will die Produktion senken. Grund seien Überkapazitäten auf dem Weltmarkt, gestiegene Erzpreise und höhere Lagerbestände bei den Kunden, die zu sinkenden Stahlpreisen führen.

Duisburg - Im zweiten Quartal werde die Produktion von veredeltem Flachstahl um zehn Prozent oder 500.000 Tonnen gekürzt, teilte ThyssenKrupp  am Freitag in Duisburg mit. Überkapazitäten auf dem Weltmarkt führten dazu, dass etwa seit Jahresbeginn große Mengen Stahls vor allem an den südeuropäischen Küsten anlandeten, sagte ein Unternehmenssprecher.

Außerdem seien die Stahlpreise durch den Lageraufbau seitens der Kunden unter Druck geraten. "Für uns gilt Preis vor Menge", kommentierte Vorstand Jost Massenberg die Produktionskürzung.

Die Erlöse für den Stahl müssten auf jeden Fall die gestiegenen Kosten decken. Die Stahlhersteller müssen weltweit vor allem für ihren Rohstoff Eisenerz tiefer in die Tasche greifen. Die großen Erzlieferanten hatten Preiserhöhungen über 70 Prozent durchgesetzt.

"Der Markt wird sich wieder drehen"

Die Produktionskürzung ist auf drei Monate befristet. "Wir gehen davon aus, dass sich der Markt wieder dreht", sagte der Unternehmenssprecher. Bei den überschüssigen Stahlmengen handele es sich überwiegend um Massenstahl und nur in wenigen Fällen um Qualitätsflachstahl, dem Hauptprodukt von ThyssenKrupp.

Vorstand Massenberg bekräftigte die Absicht, die gestiegenen Kosten in Form höherer Stahlpreise an die Kunden weiterzugeben. ThyssenKrupp hat bereits zwei Mal in diesem Jahr die Stahlpreise erhöht. Eine neue Preiserhöhungsrunde käme mit Beginn des dritten Quartals.

Zuletzt hatte der Konzern im April die Preise um durchschnittlich 15 Euro je Tonne erhöht. Diese Anhebung konnte aber nach Unternehmensangaben nicht vollständig am Markt durchgesetzt werden.