Hauptversammlung "Eine Klage gefährdet die Existenz von Mobilcom"

Der Konflikt zwischen Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid und Vorstand Thorsten Grenz verschärft sich. Grenz warnt während der Hauptversammlung eindringlich davor, den größten Einzelaktionär France Telecom zu verklagen. Gleichzeitig drückt Grenz bei der angestrebten Verschmelzung mit Freenet aufs Tempo.

Berlin - Mobilcom plane bereits für August eine außerordentliche Aktionärsversammlung, auf der die Anteilseigner über die Reintegration der Freenet AG abstimmen sollten, sagte Vorstandschef Thorsten Grenz am Freitag auf der Hauptversammlung in Berlin.

Zugleich warnte er die Mobilcom-Aktionäre vor einer Schadensersatzklage gegen den Großaktionär France Telecom , nachdem ein entsprechender Antrag von Anteilseignern vorlag. Allerdings hatte Grenz gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters vor Beginn der Hauptversammlung gesagt: "Es sind große Pakete, die wohl dafür stimmen werden." Mit einer Entscheidung wird erst am späten Abend gerechnet. Die Fusion zwischen Mobilcom  und Freenet habe neben steuerlichen Vorteilen für beide Gesellschaften eine strategische Bedeutung, betonte Grenz. "Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit dem Vorstand von Freenet, sind aber noch in einer relativ frühen Phase." Derzeit würden mit Hilfe der Wirtschaftsprüfer KMPG und Ernst & Young Bewertungen der beiden Unternehmen vorbereitet.

Freenet-Chef sieht Fusion skeptisch

Ein Umtauschverhältnis für die Anteilsscheine der beiden Gesellschaften solle Ende Mai, Anfang Juni vorliegen.

Mobilcom, die 50,4 Prozent an Freenet hält, braucht für eine Fusion die Zustimmung von 75 Prozent der Aktionäre. Ein fusioniertes Unternehmen (Grenz' Arbeitstitel "NewCom") wäre ein Schwergewicht im TecDax . Freenet-Chef Eckhard Spoerr hatte zuletzt seine skeptische Haltung zu dem von Mobilcom vorangetriebenen Vorhaben bekräftigt.

Die Opponenten: Nicht nur Firmengründer Gerhard Schmid, Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki und Schmids Ehefrau Sibylle Schmid-Sindram könnten Mobilcom-Vorstand Thorsten Grenz Ärger bereiten

Die Opponenten: Nicht nur Firmengründer Gerhard Schmid, Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki und Schmids Ehefrau Sibylle Schmid-Sindram könnten Mobilcom-Vorstand Thorsten Grenz Ärger bereiten

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Für eine schnelle Fusion: Der Mobilcom-Vorstandsvorsitzende Thorsten Grenz wirbt für die Verschmelzung mit Freenet

Für eine schnelle Fusion: Der Mobilcom-Vorstandsvorsitzende Thorsten Grenz wirbt für die Verschmelzung mit Freenet

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Bewegte Hauptversammlung: Auch dieser Mobilcom-Aktionär macht in Berlin seinem Ärger Luft

Bewegte Hauptversammlung: Auch dieser Mobilcom-Aktionär macht in Berlin seinem Ärger Luft

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Mahnung an die Aktionäre: Thorsten Grenz und Aufsichtsratschef Dieter Vogel warnen vor einer Klage gegen France Telecom

Mahnung an die Aktionäre: Thorsten Grenz und Aufsichtsratschef Dieter Vogel warnen vor einer Klage gegen France Telecom

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Die Gerhard-Schmid-Show
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Streit mit Gerhard Schmid verschärft sich

Mit Spannung wurde auf der ordentlichen Hauptversammlung ein neuer Akt im Streit zwischen Mobilcom mit dem früheren Vorstandschef und Unternehmensgründer Gerhard Schmid erwartet.

Den Aktionären lag ein Antrag der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und der Liechtensteiner Gesellschaft Kasag vor, die eine Schadenersatzklage in Milliardenhöhe gegen Großaktionär France Telecom anstreben.

Hinter der Firma Kasag steht Medienberichten zufolge die Ehefrau von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, Sybille Schmid-Sindram.

"Existenzgefährdendes Risiko"

Grenz warnte vor einer juristischen Auseinandersetzung mit dem französischen Telekommunikationskonzern. Eine Klage hätte einem von der Mobilcom in Auftrag gegebenen Gutachten zufolge keinerlei Aussicht auf Erfolg. "Mobilcom soll hier in eine nach unserer festen Überzeugung sinnlose rechtliche Auseinandersetzung gezwungen werden, die zumindest Zeit und einiges an Geld kosten wird - und vielleicht mehr", sagte Grenz.

Sollte France Telecom als Reaktion auf eine Klage den einst zur Rettung geschlossenen Vergleich in Frage stellen, "sähe sich Mobilcom einem existenzgefährdenden Risiko gegenüber."

Mobilcoms Ex-Chef Schmid verfolgte die Debatten den ganzen Tag über aus den hinteren Reihen. Auf seinen mit Spannung erwarteten Auftritt mussten die angereisten Aktionäre dann allerdings verzichten. Am Abend erklärte Schmid zur allgemeinen Überraschung, dass er von seinem Rederecht überhaupt nicht Gebrauch machen werde. Die meisten Aktionäre, die so lange ausgeharrt hatten, vermuteten, dass er sich nicht mit einem schlechten Auftritt die Chancen auf einen Abstimmungs-Erfolg vermasseln wollte.

Zäher Streit zwischen France Telecom und Schmid

Ein Streit zwischen Schmid und France Telecom über den Ausbau des UMTS-Mobilfunks hatte Mobilcom vor über zwei Jahren an den Rand der Pleite gebracht. Im Zuge der von France Telecom finanzierten Rettung musste der Mobilcom-Gründer seinen Posten als Vorstandschef bei Mobilcom räumen und alle Anteile verkaufen. Schmid musste private Insolvenz anmelden und kämpft seitdem um sein früheres Vermögen. Gegen ihn sind im Zusammenhang mit dem Streit mit der France Telecom mehrere Verfahren anhängig.

Grenz bekräftigte während der Hauptversammlung die Prognose, wonach sich der Betriebsgewinn (Ebitda) des Konzerns im laufenden Jahr bei steigender Kundenzahl auf 185 bis 200 Millionen Euro nach 166,6 Millionen Euro im Jahr 2004 erhöhen soll. Die beiden Geschäftsbereiche seien gut in das Jahr 2005 gestartet.

Die Aktien von Mobilcom  legten bis Freitag Mittag 0,6 Prozent auf 15,40 Euro zu, Titel von Freenet  stiegen um 0,2 Prozent auf 17,58 Euro.