Alexander Falk frei "Es war wie ein Abenteuerurlaub"

Der seit 22 Monaten in U-Haft sitzende Alexander Falk ist seit Freitag ein freier Mann. Lächelnd verließ er das Untersuchungsgefängnis in Hamburg. Falk musste eine Kaution in Höhe von 1,5 Millionen Euro hinterlegen und seine Ausweispapiere abgeben. Er sei aber "weiterhin dringend tatverdächtig", so die Staatsanwaltschaft.

Hamburg - Der wegen Kursmanipulation, Betruges und Steuerhinterziehung angeklagte Verlagserbe Alexander Falk ist nach 22 Monaten aus der Haft entlassen worden.

Während sich Jogger vor dem roten Klinkerbau auf den am Sonntag stattfindenden Marathon vorbereiteten, verließ Falk am Freitag um 15.57 Uhr in Begleitung seiner Anwälte das Hamburger Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis. Verteidiger Thomas Bliwier hatte zuvor die vom Gericht als Bedingung geforderte Bürgschaft von 1,5 Millionen Euro zusammen mit Falks Reisepass hinterlegt.

"Es war wie ein Abenteuerurlaub. Ich fühle mich ein bisschen abgekämpft, aber doch fit und tatendurstig. Ich fühle mich sehr gut, im Grunde genommen",", meinte Falk über seine Haft und fügte an: "Ich freue mich jetzt auf Frau und Kind." Auf die Frage, was er als Erstes tun werde, sagte Falk: "Das kam so überraschend. Ich fahre vielleicht mit meiner Frau nach Sylt."

Sichtlich gelöst: Alexander Falk nach seiner Entlassung

Sichtlich gelöst: Alexander Falk nach seiner Entlassung

Foto: DDP
Siegerlächeln: Alexander Falk (m.) mit seinen Verteidigern Gerhard Strate (l.) und Thomas Bliwier

Siegerlächeln: Alexander Falk (m.) mit seinen Verteidigern Gerhard Strate (l.) und Thomas Bliwier

Foto: DPA
Aus der U-Haft entlassen, dann nach Hause: Falk gibt ein Statement ab

Aus der U-Haft entlassen, dann nach Hause: Falk gibt ein Statement ab

Foto: DPA
Auf dem Sprung: Das Gepäck von knapp zwei Jahren U-Haft passt in eine Reisetasche

Auf dem Sprung: Das Gepäck von knapp zwei Jahren U-Haft passt in eine Reisetasche

Foto: DDP


Falk ist frei
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Oberste Priorität bleibe für ihn, weiter gegen die seiner Ansicht nach "völlig ungerechtfertigten Vorwürfe" der Justiz anzukämpfen. Insofern ändere sich gar nicht so viel für ihn, meinte der sportlich gekleidete Ex-Manager über seine wiedergewonnene Freiheit. "Das ist schon ein Meilenstein im Prozess. Alles läuft in die richtige Richtung", sagte Verteidiger Thomas Bliwier.

Letzte Hürde vor der Haftentlassung waren mehrere zivilrechtliche Haftbefehle gewesen. Am Nachmittag haben die Anwälte des britischen Unternehmens Energis einer Haftverschonung zugestimmt. Energis hatte Falks Internet-Unternehmen Ision gekauft.

Das Gericht begründete seine Entscheidung mit der bisherigen Länge der Haft sowie der Verzögerung des Prozesses durch die Erkrankung eines Mitangeklagten. Falk sei aber der ihm zu Last gelegten Taten "weiterhin dringend verdächtig". Ihm werden schwerer Betrug, Kursmanipulation sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. "Wir nehmen das, was wir kriegen können", sagte Bliwier. Falks Anwälte hatten eine Aufhebung des Haftbefehls beantragt.

Einmal pro Woche zur Polizei

Einmal pro Woche zur Polizei

Falk muss sich gemäß der Gerichtsentscheidung einmal wöchentlich bei der Polizei melden und darf ohne gerichtliche Genehmigung Deutschland nicht verlassen. Mit den strengen Auflagen wolle das Gericht der weiterhin bestehenden Fluchtgefahr begegnen.

Alexander Falk befindet sich seit dem 6. Juni 2003 in Untersuchungshaft und muss sich seit dem 3. Dezember 2004 vor der Großen Strafkammer 20 des Landgerichts Hamburg verantworten. Ihm wird verbotene Kursmanipulation in zwei Fällen, Betrug in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Beihilfe zur unrichtigen Darstellung der Verhältnisse einer Kapitalgesellschaft sowie Steuerhinterziehung in zwei Fällen vorgeworfen.

Falk soll den Wert seiner Firma Ision durch Scheinumsätze in die Höhe getrieben und bei deren Verkauf an die britische Energis einen überzogenen Preis kassiert haben. Mit ihm sind fünf weitere Manager angeklagt, die aber alle auf freiem Fuß sind. Falk galt im Jahr 2000 als einer der Stars des Neuen Marktes. Sein Vater hatte den gleichnamigen Stadtplan-Verlag gegründet, den Falk 1995 im Alter von 26 Jahren erbte.

Der junge Mann verkaufte das Unternehmen für rund 25 Millionen Euro an Bertelsmann, er hielt Stadtpläne auf Papier für überholt und glaubte an das Internet. Falk investierte in die Schweizer Holding Distefora, den Internet-Dienstleister Ision, später sogar in die Frankfurter Traditionsbank Hornblower Fischer. Das ganze Firmenimperium brach mit dem Niedergang des Neuen Marktes zusammen.

Falks Verteidiger hatten schon mehrfach erfolglos die Aufhebung des Haftbefehls gegen ihren Mandanten gefordert, der seit Juni 2003 und zuletzt als Einziger der sechs Beschuldigten in U-Haft gesessen hat. Als sich am Donnerstag Maarten R., der frühere Finanzchef der Ision, wegen einer Beinverletzung für zwei Wochen als verhandlungsunfähig meldete, drohte dem Prozess eine Pause von einem Monat. "Unzumutbar" für Falk, meinten seine Anwälte. Sie beantragten die Aufhebung des Haftbefehls und die Einstellung der Zwangsvollstreckung gegen Falk.