Standort US-Firmen lieben Hamburg

Für US-Unternehmen ist Hamburg Standort Nummer eins in Norddeutschland. Durch die Öffnung der osteuropäischen Märkte hat aber die gesamte norddeutsche Region aus Sicht amerikanischer Investoren einen Standortvorteil hinzu gewonnen. Dies zeigt eine Studie der amerikanischen Handelskammer.

Hamburg - Für jedes dritte der 133 in Norddeutschland angesiedelten Unternehmen lagen Umsatz, Profitabilität und Investitionen im vergangenen Jahr über den Erwartungen. Gleichzeitig geht jedes dritte US-Unternehmen in Norddeutschland davon aus, in diesem Jahr den Umsatz weiter zu steigern. Dies ist das Ergebnis einer Befragung der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) und der Unternehmer-Beratung Droege & Comp, die am Freitag in Hamburg vorgestellt wurde.

Die Nähe zu Märkten und Kunden in Deutschland sowie die Anbindung an die wachsenden Regionen in Nordosteuropa sind laut der Studie einer der entscheidenden Gründe für US-Unternehmen, sich in Norddeutschland anzusiedeln.

Norddeutschland diene damit als "Brückenkopf", um Märkte in Osteuropa zu erschließen. Die See- und Hafenanbindung gehört für die Unternehmen zu den wichtigsten Bestandteilen der regionalen Infrastruktur.

Jeweils mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gaben die Zielmärkte Deutschland und Europa als wesentlichen Ansiedlungsgrund an, während immer noch jedes fünfte US-Unternehmen in Norddeutschland speziell in Richtung Osteuropa blickt.

Als attraktivster Standort in den norddeutschen Bundesländern wird laut der Studie Hamburg wahrgenommen. In Hamburg sind derzeit 45 der 122 US-Unternehmen angesiedelt, fast so viele wie im gesamten Flächenstaat Niedersachsen. Mit deutlichem Abstand folgen Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen.

Hamburger Finanzbehörde als Standortvorteil

Finanzbehörde als Standortvorteil

Hamburg diene als "Hauptstadt des Nordens" und habe eine Leuchtturmfunktion. Neben der Unternehmenskonzentration könne Hamburg auch seine Finanzverwaltung zu den Standort-Pluspunkten zählen: Viele US-Unternehmen wählen Hamburg als Standort, weil sie dort ähnlich wie in Süddeutschland eine unternehmensfreundliche Finanzadministration erwarten.

US-Unternehmen vor allem in Hamburg und Niedersachsen stark vertreten


  Bremen Hamburg Mecklenburg-Vorpommern Nieder-sachsen Schleswig-Holstein
Bevölkerung Ende 2003* 663.000 1.734.000 1.732.000 7.993.000 2.823.000
Einwohner/km2
Ende 2003*
1.640 2.296 75 168 179
Bruttoinlands-
produkt 2003
in Mrd. €*
23,4 77,1 29,7 183,1 65,9
Durchschnittliche Arbeitslosenquote 2004* 13,3% 9,7% 20,5% 9,6% 9,8%
Anzahl US-Unternehmen 7 45 16 46 19
*Gemäß Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder; Quelle: Droege & Comp./Amcham Germany

Für Mecklenburg-Vorpommern gilt die dortige Finanzverwaltung jedoch als Standortnachteil: Mecklenburg-Vorpommern gilt laut der Studie als das Bundesland, das am strengsten im Umgang mit Steuererklärung, Betriebsprüfung und Umsatz-Sonderprüfung verfährt.

Das nordöstliche Bundesland kann zwar durch seine unmittelbare Nähe zu Polen und damit als Brückenkopf nach Osteuropa punkten. Als Flächenstaat mit schwacher industrieller Basis gilt Mecklenburg-Vorpommern jedoch derzeit noch als weniger attraktiver Standort.

IT und Finanzdienstleister gefragt

Doch auch am Top-Standort Hamburg haben sich die Unternehmen je nach Branche sehr unterschiedlich entwickelt. Zu den Branchen mit dem stärksten Wachstum zählten 2003 in Hamburg Unternehmen mit dem Schwerpunkt Informationstechnologie, Telekommunikation sowie Finanzdienstleistungen.

Tourismus, Maschinenbau, Transport sowie die Mineralölbranche verzeichneten immerhin noch ein Plus zwischen zwei und drei Prozent. Die Branche Rundfunk / Film verzeichnete dagegen einen deutlichen Rückgang, was mit der Verlagerung zahlreicher Aktivitäten von Hamburg nach Berlin zu tun hat.

"Die Brückenkopffunktion Norddeutschlands für US-Unternehmen, um Märkte in Nordeuropa zu erschließen, muss noch deutlicher herausgestellt und gefördert werden", sagte Ralph Hartmann, Partner bei Droege & Comp. Eine länderübergreifende Wirtschaftsförderung könne dabei helfen, die Vorteile des Standortes Norddeutschland zu stärken."

Nach Einschätzung von Fred Irwin, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland, müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verbessert werden, um die Präsenz der US-Unternehmen in der Region zu sichern.