Falk-Prozess Kommt Falk frei?

Heute wollen die Richter darüber entscheiden, ob Alexander Falk aus der U-Haft entlassen wird. Die Staatsanwaltschaft besteht auf Fortführung der Haft, Falk selbst fordert Haftentlassung. Selbst mit einer Haftverschonung würde er sich nicht zufrieden geben. "Das wäre ein fauler Kompromiss", so Falk.
Von Karsten Langer und Matthias Kaufmann

Hamburg - Quälend hat sich schon so mancher Verhandlungstag im Falk-Prozess hingezogen, und noch am Morgen sprach alles dafür, dass es diesmal wieder so werden könnte. Doch es kam ganz anders. Einer der Hauptangeklagten, Maarten R., erschien nicht im Gericht.

Siegesgewiss: Alexander Falk nach der mündlichen Haftprüfung

Siegesgewiss: Alexander Falk nach der mündlichen Haftprüfung

Foto: mm.de
Nicht ohne meine Akten: Falk auf dem Weg aus dem Gericht

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Foto: mm.de
Blitzlichtgewitter: Falk wird von Fotografen umringt

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Foto: mm.de
Einen Kommentar, bitte: "Ich habe gut zu tun in meiner Zelle"

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"Wir fordern Haftentlassung": Falk-Verteidier Thomas Bliwier

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Staatsanwältin nach dem Haftprüfungstermin: Anklägerin Nana Frombach

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Bilder vom 22.Prozesstag
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Das Gericht verkündete den Grund: Maarten R. habe sich eine Verletzung zugezogen. Ein ärztliches Attest bescheinige, dass der Angeklagte wegen eines Bänderrisses nicht reisefähig sei. Das deutsche Recht sieht aber vor, dass alle an dem Prozess Beteiligten bei den Verhandlungen anwesend sein müssen.

Zunächst zog es sich wieder hin. Von 10 Uhr, dem offiziellen Sitzungsbeginn, bis 11.30 Uhr. Im Viertelstundenrhythmus traf man sich und trennte sich wieder. Mal, weil die Verteidiger von Maarten R. abwesend waren, mal, weil sich das Gericht zur Beratung zurückziehen wollte.

Schnittig: Falk auf der Flicca II

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Foto: YACHTBILD - Kai Greiser
Aus dem Ruder gelaufen: Auf seinem Schiff war Falk stets Kapitän

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Gruppenbild mit Skipper: Falk im Kreise seiner Crew

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Mondän: Falks Villa in Hamburg

Mondän: Falks Villa in Hamburg

Foto: Clemens von Frentz
Vergangenheit: Ehemalige Distefora-Zentrale in Hamburg

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Einst Teil des Falk-Imperiums: Bankhaus Hornblower Fischer

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Foto: AP
Falks unfreiwillige zweite Heimat: Untersuchungsgefängnis in Hamburg

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Nikolaus Berger: Vorsitzender Richter im Strafverfahren gegen Alexander Falk

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Foto: DDP
Einer von vielen: Falk-Aktenordner

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Verschwunden: Das Börsensegment "Neuer Markt", auf dem auch Falk agierte, gibt es unter diesem Namen nicht mehr

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Foto: DPA
Grundstein: Der Falk-Verlag, den Alexander verkaufte, brachte das Kapital für seine Börsenaktivitäten

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Käufer des Falk-Verlags: Die Bertelsmann-Gruppe aus Gütersloh

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Foto: DPA
Aktenberge: Eine Justizbeamtin sortiert Falk-Ordner

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Foto: DDP
Für Falk stehen die Ampeln derzeit auf Rot: Landgerichtsgebäude in Hamburg

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Foto: Karsten Langer
Gegossen, aber ewig: Alexander Falk Holding

Gegossen, aber ewig: Alexander Falk Holding

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Noch ein Ordner: Die Aktenlage ist umfangreich

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Angeklagt: Verlagserbe Alexander Falk

Angeklagt: Verlagserbe Alexander Falk

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Prozessvorbereitung: Ordner in Reih' und Glied

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Um 11.40 Uhr dann eröffnet Richter Berger, dass es "verhandlungsrechtliche Komplikationen" gebe, da Maarten R. und seine Verteidiger fehlen. Eine Möglichkeit damit umzugehen sei, das Verfahren von Maarten R. vom Hauptverfahren abzutrennen und mit den anderen fortzufahren. Alternativ könne man das Hauptverfahren aussetzen, bis R. wieder kuriert sei. Staatsanwalt Heyner Heyen spricht sich gegen eine Abtrennung aus. Wieder zieht sich das Gericht kurz zurück, um die Konsequenzen zu beraten.

Erleichterung - obwohl nichts beschlossen ist

Erleichterung - obwohl nichts beschlossen ist

In diesem Fall, so der Richter, wirke sich die Situation auf den Prozess wie auf die Haft von Alexander Falk aus. Sollten sich alle Prozessparteien darauf einigen, das Verfahren zu vertagen, müsste noch heute eine Haftprüfung erfolgen.

Noch wenig los am Beginn des 13. Prozesstages

Noch wenig los am Beginn des 13. Prozesstages

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Beratung: Alexander Falk mit seinen Anwälten Gerhard Strate (l.) und Thomas Bliwier

Beratung: Alexander Falk mit seinen Anwälten Gerhard Strate (l.) und Thomas Bliwier

Foto: mm.de
Moment der Entspannung: Alexander Falk geht in sich

Moment der Entspannung: Alexander Falk geht in sich

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Morgendliches Ritual: Falk begrüßt seine Verteidiger

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In Diskussion vertieft: Falk, seine Anwälte und der Angeklagte Maarten R.

In Diskussion vertieft: Falk, seine Anwälte und der Angeklagte Maarten R.

Foto: mm.de
Alle Argumente nochmal geprüft? Falk mit seinem Anwalt Thomas Bliwier

Alle Argumente nochmal geprüft? Falk mit seinem Anwalt Thomas Bliwier

Foto: mm.de
Geheime Besprechung: Anwälte im Falk-Prozess

Geheime Besprechung: Anwälte im Falk-Prozess

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Vor kurzem Renovierung abgeschlossen: Plenarsaal 300 des Hamburger Landgerichts

Vor kurzem Renovierung abgeschlossen: Plenarsaal 300 des Hamburger Landgerichts

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Ohne Aktenmaterial geht nichts: Falk mit seinen Anwälten

Ohne Aktenmaterial geht nichts: Falk mit seinen Anwälten

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Eindrücke vom Prozess:
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Im Klartext: Würde der Prozess unterbrochen, zöge sich auch die Untersuchungshaft Falks länger hin. Das kann dem Angeklagten aber nicht ohne Haftprüfung zugemutet werden. Je nach Ergebnis der Prüfung könnte Falk auf freien Fuß kommen, entweder durch eine Haftverschonung oder -aufhebung.

Gegenüber manager-magazin.de betonten die Verteidiger aber, dass sie dazu keine Prognose wagen. Die Haftprüfung bezöge sich nur auf die Verhandlungssache des schweren Betruges. Würde hier auf eine Entlassung entschieden werden, was im Bereich des Möglichen ist, bliebe Falk sicher noch einige Wochen in U-Haft, bis - so das Juristendeutsch - der andere Hafttitel geklärt wäre.

Wenn, würde, könnte - trotz all der Einschränkungen ist die Stimmung bei Falks Anwälten vorsichtig optimistisch. Es ist das erste Mal seit langem, dass eine reelle Chance zu seiner Freilassung besteht.

Andere Personen, die Falk nahe stehen, sind skeptisch: "Wir glauben erst an eine Freilassung, wenn es soweit ist." Für sie komme die ganze Wendung sehr überraschend und sie seien schon oft enttäuscht worden. Schließlich hat sich an dem bisherigen Argument, was immer für eine Fortsetzung der U-Haft ins Feld geführt wurde, nämlich einer angeblichen Fluchtgefahr Alexander Falks, nichts geändert.

Um 13.18 Uhr wird Falk zur mündlichen Haftprüfung in den Gerichtssaal geführt.

Wende zu Gunsten des Angeklagten?

Wende zu Gunsten des Angeklagten?

Um 15.10 Uhr verlassen Staatsanwälte, Verteidiger und Alexander Falk selbst den Saal 300 des Landgerichtes. Die Staatsanwaltschaft hat nach einhelligen Aussagen am Prozess Beteiligter zwar Haftfortdauer gefordert. Sollte die Kammer aber Haftverschonung gegen Zahlung einer Kaution von 1,5 Millionen Euro vorgeschlagen, würde die Staatsanwaltschaft keine Beschwerde gegen diesen Beschluss einlegen, so die Äußerungen der Beteiligten.

Rechtsanwältin Annette Voges vertritt den Angeklagten Dirk W.

Rechtsanwältin Annette Voges vertritt den Angeklagten Dirk W.

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Letzte Vorbereitungen: Rechtsanwältin Voges (r.) mit einer Kollegin

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Koffer auspacken: Rechtsanwalt Gerhard Strate (l.) und Kollege Thomas Bliwier

Koffer auspacken: Rechtsanwalt Gerhard Strate (l.) und Kollege Thomas Bliwier

Foto: mm.de
Neu dabei: Anwalt Sven Thomas und sein Mandant Alexander Falk

Neu dabei: Anwalt Sven Thomas und sein Mandant Alexander Falk

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Beweisantrag gestellt: Sven Thomas

Beweisantrag gestellt: Sven Thomas

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Kurz vor Beginn des Verhandlungstages: Anwaltsriege

Kurz vor Beginn des Verhandlungstages: Anwaltsriege

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Prozessbeteiligte
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Im Gegensatz zur Haftentlassung wird bei der Haftverschonung der Haftbefehl nicht außer Kraft gesetzt, außerdem ist die Haftverschonung mit Auflagen verbunden. Häufig werden Pass und Ausweise des Angeklagten einbehalten und dieser muss sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Falks Verteidiger dagegen haben Haftentlassung und sofortige Einstellung der Zwangsvollstreckung gegen Falk gefordert. Die Adhäsionskläger Energis, die durch die Sozietät Clifford Chance vertreten werden, haben in drei Fällen Zwangsvollstreckung beantragt.

"Noch hat sich nichts verändert - eine Haftverschonung ist ein fauler Kompromiss", kommentiert Falk, der von Fotografen dicht umringt ist, diesen Schritt der Staatsanwaltschaft. Im Blitzlichtgewitter wird er zurück ins Untersuchungsgefängnis geführt. "Ich habe ja gut zu tun in meiner Zelle, ich kann auch noch ein paar Wochen länger bleiben", so Falk. Falks Verteidiger Thomas Bliwier ergänzt: "Wir haben beantragt, den Haftbefehl auf Grund der Verzögerung des Verfahrens wegen Unverhältnismäßigkeit sofort aufzuheben." Außerdem sei die Zwangsvollstreckung gegen seinen Mandanten aus seiner Sicht nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Ob sich die Verteidigung und der Angeklagte auf einen möglichen Kompromiss einlassen, falls die Kammer nach ihrer Beratung eine tatsächlich eine Haftverschonung anbieten sollte, bleibt offen. In diesem Fall käme Falk gegen Zahlung einer Kaution in frei. Falks Verteidiger Gerhard Strate rechnet noch bis zum Abend mit einer Entscheidung. Am späten Nachmittag teilte eine Gerichtssprecherin jedoch mit, dass die Entscheidung erst morgen gefällt werden soll.

Hintergrund zum Verfahren

Hintergrund zum Verfahren

Alexander Falk muss sich neben fünf weiteren Angeklagten seit Anfang Dezember vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem studierten Betriebswirt und Politologen im Zusammenhang mit dem Verkauf seines Internet-Unternehmens Ision Kursmanipulation, Betrug und Steuerhinterziehung vor. Falk soll den Wert von Ision durch Scheingeschäfte künstlich in die Höhe getrieben haben, um einen weit überhöhten Verkaufspreis zu erzielen.

Das britische Unternehmen Energis kaufte Ision Ende 2000 für 762 Millionen Euro. Die Anklage beziffert den Mindestschaden für Energis auf etwa 47 Millionen Euro. Falk droht bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

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