Siemens-Merger Russland zieht den Stecker

Deutschlands größter Kraftwerksbauer Siemens stand kurz vor einem Einstieg beim größten russischen Mitbewerber Power Machines. Nach dem Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin galt der Deal schon als abgemacht. Doch nun hat das Kartellamt den Plan zerrissen.

Moskau/München - Nach monatelangen Diskussionen ist der geplante Einstieg von Siemens  beim führenden russischen Turbinenhersteller Power Machines (Silowyje Maschiny) wegen dessen Rüstungssparte geplatzt. Die russischen Kartellwächter hätten das Vorhaben des Münchener Technologie- und Industriekonzerns untersagt, sagte ein Siemens-Sprecher am Mittwoch in München auf Anfrage.

Die Kartellbehörde in Moskau nannte vor allem Bedenken wegen der Rüstungssparte der russischen Firma. Die Siemens-Aktie stieg am Vormittag zuletzt um 0,47 Prozent auf 61,95 Euro.

Der Siemens-Sprecher sagte: "Über eine Joint-Venture-Konstruktion wollten wir mit dem Mehrheitseigner Interros über 73 Prozent an Power Machines halten. Dieses Ersuchen ist nun gestern von der russischen Antimonopol-Behörde abgelehnt worden."

Siemens wollte nach im Jahr 2004 unterzeichneten Verträgen knapp 73,5 Prozent an Silowyje Maschiny für geschätzte 215 Millionen Dollar (166 Millionen Euro) von der russischen Finanz- und Industrieholding übernehmen. Dazu wollte der deutsche Konzern weitere 200 Millionen Dollar investieren.

Unsichere Rechtslage

Als Gründe führten die russischen Kartellwächter laut dem Siemens-Sprecher Wettbewerbsbedenken an. Außerdem gebe es keine rechtlichen Grundlagen für den Einstieg eines ausländischen Unternehmens in der russischen Rüstungsindustrie. Power Machines wird von einigen Experten als strategisch wichtig erachtet dank seiner Präsenz im Rüstungssektor.

"Es ist nicht gelungen, einige Fragen der Wahrung der Konkurrenz im Rüstungsbereich und der Beteiligung ausländischer Firmen bei der Rüstungsproduktion zu klären", erklärte die Behörde. Der russische Wirtschaftsminister German Gref war für eine Genehmigung des Geschäfts eingetreten. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Präsident Wladimir Putin hatten erst am Montag auf der Messe Hannover die enge deutsch-russische Industriekooperation beschworen.

Zu den Kosten der gescheiterten Akquisition machte der Siemens-Sprecher keine Angaben. "Wir werden weiter auf dem russischen Kraftwerksmarkt tätig sein", betonte er. "In welcher Form, ist noch offen."

Im Juli vorigen Jahres hatte Siemens einen Übernahme-Antrag für Power Machines an das russische Kartellamt gerichtet. Die ursprünglich bis Ende des Jahres angekündigte Entscheidung stand aber bisher wegen Bedenken in Russland aus. In der Vergangenheit hatten laut Medienberichten die Sicherheitsdienste Einspruch gegen die geplante Übernahme eingelegt. Auch das russische Industrieministerium habe Premierminister Michail Fradkow empfohlen, die Akquisitionsgenehmigung zu verschieben, hatte es geheißen.

Interros ist größter Anteilseigner

Power Machines ist der größte Produzent und Händler von Kraftwerkskomponenten in Russland und wurde 1966 als staatseigener Betrieb gegründet. Im Jahr 2000 mergten die Leningrad Metal Factory (LMZ), Electrosila, Blades Plant (ZTL), Kaluga Turbine Works und Energomachexport zur Power Machines Group, die nach eigenen Angaben vom Bau bis zum Betrieb verschiedener Kraftwerksformen alle Leistungen anbietet.

Mit 94 Prozent ist die Industrieholding "Interros", zu der auch Norilsk Nickel gehört größter Anteilseigner, Siemens hält 4,93 Prozent. Nach eigenen Angaben ist der Konzern in 45 Ländern weltweit tätig und stellt mit 287 GigaWatt zehn Prozent der gobal installierten Kraftwerkskapazität.

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