Kerkorian-Prozess DaimlerChrysler siegt "in allen Punkten"

DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp kann durchatmen. Die Kritik während der HV hat er abtropfen lassen, und nun legen US-Richter auch das Thema Chrysler zu den Akten. Nach dem Sieg im Kerkorian-Prozess bleibt es bei einer Zahlung von 300 Millionen Dollar. Chrysler-Aktionäre hatten ursprünglich 22 Milliarden Dollar verlangt.

Wilmington/Stuttgart - Bundesrichter Joseph Farnan befand, der frühere Chrysler-Großaktionär Kirk Kerkorian und seine Investmentgesellschaft Tracinda hätten nicht nachweisen können, dass sie bei dem Zusammenschluss von Daimler-Benz und Chrysler 1998 betrogen worden seien. Deshalb entscheide das Gericht "in allen Punkten" zu Gunsten von DaimlerChrysler.

"Wir freuen uns, dass das Gericht mit seiner Entscheidung ein für alle Mal bestätigt, dass der Tracinda-Fall jeder Grundlage entbehrt und dass alle Forderungen gegen DaimlerChrysler im Zusammenhang mit der Fusion völlig grundlos sind", hieß es in einer Stellungnahme Jürgen Schrempps, die DaimlerChrysler in New York veröffentlichte.

1,2 Milliarden Dollar bleiben im Konzern

Mit den meisten Sammelklägern hatte sich DaimlerChrysler bereits im Jahr 2003 auf einen Vergleich geeinigt. Übrig blieb nur noch die Klage Kerkorians, die nun endgültig von den Bundesrichtern in Wilmington (Delaware) abgeschmettert wurde.

Kerkorian hatte vor mehr als vier Jahren Klage wegen angeblicher Täuschung gegen den deutsch-amerikanischen Autobauer eingereicht und Schadenersatz von mindestens 1,2 Milliarden Dollar gefordert. Aus Sicht des Multimilliardärs handelte es sich bei dem Zusammenschluss von DaimlerBenz und Chrysler im Jahr 1998 nicht um eine "Fusion unter Gleichen", wie es Konzernchef Jürgen Schrempp betitelte, sondern um eine Übernahme. Kerkorian folgerte für sich, dass der Übernahmepreis hätte höher liegen müssen.

Der Geschäftsmann forderte deshalb nachträglich einen Aufschlag für seine früheren Chrysler-Aktien. Dass Daimler-Benz den maroden Autobauer Chrysler nur durch Milliardenhilfen und eine harte Sanierung wieder auf Kurs bringen konnte, spielte in der Argumentation Kerkorians keine Rolle. Der Prozess in Wilmington hatte im Dezember 2003 begonnen. Schrempp musste mehrfach in den Zeugenstand und erklärte, Kerkorian sei während der Fusionsverhandlungen über alle Pläne und Entscheidungen informiert gewesen.

Vergleich über 300 Millionen bereits 2003

Vergleich über 300 Millionen Dollar bereits 2003

Damit endet für den Konzern das langwierige Nachspiel aus der Chrysler-Übernahme. Bereits im Jahr 2003 hatte sich der Konzern mit Sammelklägern auf einen Vergleich und die Zahlung von 300 Millionen Dollar - nach damaligem Kurs etwa 275 Millionen Euro - geeinigt. Die Kläger hatten damals ursprünglich 22 Milliarden Dollar verlangt.

Im Mai vergangenen Jahres hatten zwar noch einmal Anleger versucht, eine neue Sammelklage in den USA einzureichen. Dem hatte das Gericht damals jedoch nicht stattgegeben.

Erst Chrysler, dann Mitsubishi und Fuso, jetzt Smart

Die gemeinsame Geschichte von Daimler und Chrysler war bisher aber nicht nur von den Sammelklagen überschattet. Nachdem die US-Tochter im Jahr 2003 einen Verlust von einer halben Milliarde Euro einfuhr, musste sich Konzernschef Schrempp auch in Deutschland immer wieder lauter Aktionärsschelte stellen. Inzwischen ist Chrysler dank seiner jüngsten Modelloffensive wieder profitabel.

Doch in Schrempps "Welt AG" eröffnen sich immer neue Baustellen, kaum dass eine geschlossen ist. Nach dem Ausstieg beim früheren Partner Mitsubishi Motors und dem Desaster um versteckte Qualitätsmängel beim von Mitsubishi übernommenen Lkw-Bauer Fuso kämpft DaimlerChrysler derzeit vor allem mit seiner verlustreichen Kleinwagenmarke smart und Qualitätsproblemen bei Mercedes-Benz.