Konjunktur "So entstehen keine neuen Jobs"

Nach der EU-Kommission hat nun auch der Bundesverband der Deutschen Industrie seine Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt. Die schwache Binnennachfrage und die nur zögerlichen Investitionen der Unternehmen seien Gift für den Arbeitsmarkt.

Brüssel - "Wir erwarten jetzt ein Wachstum von gut 1,0 Prozent", sagte BDI-Konjunkturexperte Reinhard Kudiß der "Berliner Zeitung". "Der Aufschwung bewegt sich auf dünnem Eis." Bislang rechnete der BDI mit einem Wachstum von 1,5 Prozent in Deutschland.

Der neue BDI-Konjunkturbericht mit der revidierten Wachstumsprognose soll in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Ein wesentlicher Grund für die Reduzierung der Prognose sei eine unerwartet schwache Entwicklung der Inlandsnachfrage im Investitionsgüterbereich.

"Deutschland tut sich schwer, die positiven Impulse aus den guten Exportzahlen in eine stärkere Binnennachfrage umzumünzen", sagte Kudiß. Ein immer größerer Anteil der deutschen Exporte werde durch importierte Vorleistungen aus dem Ausland gedeckt, der inländische Wertschöpfungsanteil sinke dagegen. Das führe dazu, dass die Unternehmen vor allem in Rationalisierung investierten, weniger in die Erweiterung der Kapazitäten. "So entstehen keine neuen Jobs", sagte Kudiß. Eine rasche Lösung der Krise am Arbeitsmarkt sei deshalb nicht zu erwarten.

Lohnnebenkosten weiterhin zu hoch

Die Politik sei nun gefordert, die Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt zu verbessern. Auch die Steuerreform 2000 habe für die Betriebe im allgemeinen zu keiner Entlastung geführt.

"Vielmehr wurden die großen Unternehmen in Höhe von fünf Milliarden Euro mehr belastet", meinte Kudiß. Auch seien die seit Jahren beklagten hohen Lohnnebenkosten immer noch nicht gesunken.

Erst gestern hatte die Europäische Kommission ihre Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,8 Prozent gesenkt. Das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit Deutschlands wird nach einer Prognose der Kommission 2005 bei 3,3 Prozent liegen. Damit läge die Neuverschuldung bereits zum vierten Mal in Folge oberhalb der Drei-Prozent-Marke des Maastrichter Stabilitäts- und Wachstumspaktes.

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