Falk-Prozess Mit Langsamkeit infiziert

Wer geglaubt hatte, heute komme der Falk-Prozess entscheidend voran, sah sich getäuscht. Zu der geplanten Aussage eines Angeklagten kam es nicht. Vielmehr wurde gestritten, wie das Verfahren beschleunigt werden kann und ob ein Ersatzschöffe bestellt werden muss.
Von Martin Scheele

Hamburg - Der Falk-Prozess ist immer wieder für Überraschungen gut. Diese Erfahrung machten Prozessbeteiligte auch am 20. Verhandlungstag. Eigentlich wollte der Mitangeklagte Ralph S. sich umfangreich einlassen. Von einer fünf bis sechsstündigen Dauer des Vortrags war die Rede. Doch dazu kam es nicht.

Der Vorsitzende Richter Nikolaus Berger gab gleich zu Anfang bekannt, dass der heutige Prozesstag nur eine halbe Stunde dauern werde. Grund: Eine Schöffin ist erkrankt. Die Dame, die im Gericht anwesend war, leidet unter einem "akuten Infekt", wie der Richter mitteilte.

Für Falks Anwälte ist die damit verbundene Unterbrechung nicht akzeptabel. Anwalt Thomas Bliwier: "Nun muss der Ergänzungsfall eintreten." Er stellte daraufhin den Antrag, den Ersatzschöffen in die Verhandlung zu bestellen. Damit traf er im Verteidigerkreis nicht nur auf Zustimmung. Anwalt Reinhard Daum, der den Angeklagten Ralph S. vertritt, widersprach diesem Antrag ausdrücklich. Staatsanwalt Heyner Heyen schloss sich der Ablehnung dieses Antrags an.

Schnittig: Falk auf der Flicca II

Schnittig: Falk auf der Flicca II

Foto: YACHTBILD - Kai Greiser
Aus dem Ruder gelaufen: Auf seinem Schiff war Falk stets Kapitän

Aus dem Ruder gelaufen: Auf seinem Schiff war Falk stets Kapitän

Foto: YACHTBILD - Kai Greiser
Gruppenbild mit Skipper: Falk im Kreise seiner Crew

Gruppenbild mit Skipper: Falk im Kreise seiner Crew

Foto: YACHTBILD - Kai Greiser
Mondän: Falks Villa in Hamburg

Mondän: Falks Villa in Hamburg

Foto: Clemens von Frentz
Vergangenheit: Ehemalige Distefora-Zentrale in Hamburg

Vergangenheit: Ehemalige Distefora-Zentrale in Hamburg

Foto: Clemens von Frentz
Einst Teil des Falk-Imperiums: Bankhaus Hornblower Fischer

Einst Teil des Falk-Imperiums: Bankhaus Hornblower Fischer

Foto: AP
Falks unfreiwillige zweite Heimat: Untersuchungsgefängnis in Hamburg

Falks unfreiwillige zweite Heimat: Untersuchungsgefängnis in Hamburg

Foto: CLEMENS VON FRENTZ
Nikolaus Berger: Vorsitzender Richter im Strafverfahren gegen Alexander Falk

Nikolaus Berger: Vorsitzender Richter im Strafverfahren gegen Alexander Falk

Foto: DDP
Einer von vielen: Falk-Aktenordner

Einer von vielen: Falk-Aktenordner

Foto: DDP
Verschwunden: Das Börsensegment "Neuer Markt", auf dem auch Falk agierte, gibt es unter diesem Namen nicht mehr

Verschwunden: Das Börsensegment "Neuer Markt", auf dem auch Falk agierte, gibt es unter diesem Namen nicht mehr

Foto: DPA
Grundstein: Der Falk-Verlag, den Alexander verkaufte, brachte das Kapital für seine Börsenaktivitäten

Grundstein: Der Falk-Verlag, den Alexander verkaufte, brachte das Kapital für seine Börsenaktivitäten

Käufer des Falk-Verlags: Die Bertelsmann-Gruppe aus Gütersloh

Käufer des Falk-Verlags: Die Bertelsmann-Gruppe aus Gütersloh

Foto: DPA
Aktenberge: Eine Justizbeamtin sortiert Falk-Ordner

Aktenberge: Eine Justizbeamtin sortiert Falk-Ordner

Foto: DDP
Für Falk stehen die Ampeln derzeit auf Rot: Landgerichtsgebäude in Hamburg

Für Falk stehen die Ampeln derzeit auf Rot: Landgerichtsgebäude in Hamburg

Foto: Karsten Langer
Gegossen, aber ewig: Alexander Falk Holding

Gegossen, aber ewig: Alexander Falk Holding

Foto: Clemens von Frentz
Noch ein Ordner: Die Aktenlage ist umfangreich

Noch ein Ordner: Die Aktenlage ist umfangreich

Foto: DDP
Angeklagt: Verlagserbe Alexander Falk

Angeklagt: Verlagserbe Alexander Falk

Foto: DPA
Prozessvorbereitung: Ordner in Reih' und Glied

Prozessvorbereitung: Ordner in Reih' und Glied

Foto: DDP


Bilder aus dem Leben eines
Ex-New-Economy-Stars

Bitte klicken Sie auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Nach einer zehnminütigen Pause gab Richter Berger den Beschluss bekannt, dass die Verhandlung heute nicht fortgesetzt wird und das der Fall des Ergänzungsschöffen nicht vorliegt. Es sei davon auszugehen, dass die Erkrankung bis zum nächsten Verhandlungstermin geheilt sei. Anwalt Bliwier scheiterte damit mit seinem Antrag.

Ebenfalls lehnte Richter Berger den Antrag der Verteidigung auf Abtrennung des Verfahrens in Sachen Falk ab. Dies sei nicht zweckmäßig, eine zeitliche Straffung des Verfahrens sei damit nicht gegeben. Die erfolgte Terminierung des Verfahrens sei sachgerecht - vor allem wegen der Komplexität und "des qualitativen und quantitativen Vorbringens der Verteidigung". Ein Seitenhieb hinsichtlich der vielen Anträge der Falk-Verteidiger.

Daraufhin wurde - wie schon an den vergangenen Tagen - über eine mögliche Beschleunigung des Verfahrens diskutiert. Die Anwälte von Falk akzeptieren es nicht, dass das Verfahren erst am 15. April fortgeführt werden soll - vor allem, weil ihr Mandant in Untersuchungshaft sitzt. Rechtsanwalt Gerhard Strate zitierte eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Nach dieser im vergangenen Jahr verkündeten Entscheidung ist es nicht zulässig, dass im Fall eines seit zwei Jahren in U-Haft sitzenden Angeklagten der Prozess nur an vier Tagen im Monat geführt wird. Strate wies genüsslich daraufhin, dass im Falk-Prozess nur an vier Tagen im März verhandelt wurde.

Richter Berger schloss die Verhandlung um 10.45 Uhr. Nachdem außerhalb der offiziellen Verhandlung keine Einigkeit über eine weitere Beschleunigung des Verfahrens erzielt wurde, wird erst - wie bisher geplant - am Freitag, 15. April, der Prozess fortgesetzt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.