Sonntag, 22. September 2019

DaimlerChrysler Bundesweite Razzia

Die Untreue-Affäre bei Mercedes weitet sich aus: In einer bundesweiten Durchsuchungsaktion hat die Staatsanwaltschaft Büros und Wohnungen von ehemaligen Mitarbeitern des Autokonzerns durchsuchen lassen. In Berlin, München und Stuttgart wurden zahlreiche Unterlagen sichergestellt.

 Mercedes im Blick: Das Image der Nobelmarke leidet unter der Untreue-Affäre
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Mercedes im Blick: Das Image der Nobelmarke leidet unter der Untreue-Affäre

Stuttgart - Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilte mit, dass in Berlin, München und Stuttgart am Dienstag und Mittwoch in insgesamt 13 Objekten zahlreiche Unterlagen sichergestellt worden seien. Eine Sprecherin der Behörde sagte, auch Räume von Nichtbeschuldigten seien durchsucht worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen elf Personen, die meisten davon DaimlerChrysler-Mitarbeiter, wegen des Verdachts der Untreue und teilweise auch wegen Bestechlichkeit. In diesem Zusammenhang sind mehrere teilweise ranghohe Mitarbeiter aus dem Vertrieb und der Bauabteilung des Konzerns ihrer Posten enthoben worden.

Niederlassungsleiter gefeuert

Eine Sprecherin des Autokonzerns erklärte, es seien weder die Zentrale des Konzerns in Stuttgart noch die Vertriebszentrale in Berlin durchsucht worden. Ihres Wissen nach seien auch keine Niederlassungen von den Ermittlungsaktionen betroffen gewesen.

Die Affäre kostete zwischenzeitlich mehrere Manager des Konzerns den Posten, nachdem die Staatsanwaltschaft Ende Januar ein erstes Ermittlungsverfahren gegen den entlassenen Vertriebs-Topmanager Eckhard Panka eingeleitet hatte. Im Februar mussten die Vertriebsmanager Jürgen Fahr aus Berlin und der Chef der Mercedes-Benz-Niederlassung Hamburg, Walter Missing, das Unternehmen verlassen. Vor wenigen Tagen wurde auch ein ostdeutscher Niederlassungsleiter freigestellt.

Zur weiteren Verfahrensdauer lassen sich der Staatsanwaltschaft zufolge noch keine Angaben machen. Zunächst müssten die Unterlagen ausgewertet werden. In welchen Mengen die Ermittler Beweismaterial sicherstellten, wurde nicht bekannt. Eine Werks-Niederlassung in Baden-Württemberg soll nach Medienberichten noch im Visier der Konzernrevision stehen.

Vorwürfe präzisiert

Die Staatsanwaltschaft präzisierte erstmals die Vorwürfe gegen die Verdächtigen: So werde gegen die ehemaligen Konzernmitarbeiter im Zusammenhang mit Bauarbeiten an Privathäusern in den Jahren 2001-2003 und teilweise auch wegen der Entgegennahme von Sachzuwendungen seitens eines Geschäftspartners von DaimlerChrysler in den Jahren 2000 bis 2002 ermittelt. Dieser Partner stehe im Verdacht der "Bestechung im geschäftlichen Verkehr".

Bei den Geschäften soll es nach bislang unbestätigten Berichten teilweise auch um so genannte Graumarktgeschäfte gegangen seien, bei denen Fahrzeuge am offiziellen Handel vorbei in den Markt gebracht werden. Der ehemalige Deutschland-Vertriebschef soll aber auch Konzernmitarbeiter für Arbeiten an einem Privathaus auf Mallorca eingesetzt haben.

In einem Interview mit dem manager magazin (Ausgabe 4) hat Mercedes-Chef Eckhard Cordes ein hartes Vorgehen gegen Mitarbeiter angekündigt, die in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. "Wo Fehler erkannt werden, handeln wir hart und kompromisslos. Das gilt im Moment vor allem für den Vertrieb", sagte Cordes in dem Interview.

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