Montag, 21. Oktober 2019

DaimlerChrysler Die Export-Affäre

Zielfahnder haben den Kopf einer internationalen Autoschieberbande in Abu Dhabi verhaftet. Machte der Mann gemeinsame Sache mit den entlassenen Managern von DaimlerChrysler? Insider schließen das nicht aus. Sie berichten von dubiosen Exportgeschäften in großem Stil.

Hamburg/Münster - In der möglichen Betrugsaffäre um die drei gefeuerten Mercedes-Vertriebsmanager ist die Nachricht unter Umständen nur ein Puzzleteil. Ob es passt, muss sich noch erweisen. Tatsache ist jedenfalls: Zielfahnder des BKA haben jetzt den Kopf einer international agierenden Autoschieberbande in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) aufgespürt und nach Deutschland ausliefern lassen. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster auf Anfrage von manager-magazin.de.

Mercedes-Produktion: DaimlerChryslers konzerninterne Revision läuft auf Hochtouren
Der 49-Jährige ist des Betrugs in mindestens 580 Fällen verdächtig. Ebenso viele hochwertige Mercedes-Karossen soll der ehemalige Autohändler aus Warendorf bei Münster ins Ausland verfrachtet haben. Zu diesem Zweck habe der Mann, dem die Ermittler seit März 2003 auf der Spur sind, über Scheinfirmen in großem Umfang so genannte Flottenverträge mit den Mercedes-Niederlassungen in Hamburg und Berlin abgeschlossen. Die Niederlassungen räumten dem Vermittler bis zu 14 Prozent Rabatt auf die Fahrzeuge ein. Finanziert wurden die Fahrzeuge über Leasingfirmen aus dem Hamburger Raum, erklärte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer gegenüber manager-magazin.de.

Führte die Spur von Hamburg nach Abu Dhabi?

Wie ein Insider und ehemaliger DaimlerChrysler-Mitarbeiter gegenüber manager-magazin.de erklärte, hätten sich manche Niederlassungen in der Vergangenheit immer wieder solcher Exportgeschäfte bedient, um die Verkaufszahlen nach oben zu treiben - letztlich zu Lasten der Konzernzentrale in Stuttgart. Exportgeschäfte größeren Ausmaßes seien dabei zumeist über die "Berliner Zentrale", die DaimlerChrysler Vertriebsorganisation Deutschland (DCVD), abgewickelt worden.

Die Manager Jürgen Fahr (57) und Walter Missing (51) hatten jahrelang in der Geschäftsleitung der Berliner Vertriebszentrale zusammengearbeitet und waren Ende Februar wegen "Unregelmäßigkeiten" in der Vertriebsorganisation entlassen worden. Missing hatte erst vor wenigen Wochen die Niederlassung in Hamburg offiziell übernommen. Seine Zeit in der Hansestadt währte nur wenige Tage. Dann führte ihn der konzerninterne Werkschutz aus seinem Büro. Gleiches Schicksal ereilte Fahr in Berlin.

Ob der Fall des jetzt festgenommenen Kopfs der Autoschieberbande eindeutig in einem Zusammenhang mit den jüngsten Entlassungen steht, ist unklar. Insider von Mercedes wollten das im Gespräch mit manager-magazin.de nicht ausschließen.

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung