Mittwoch, 13. November 2019

DaimlerChrysler Die Export-Affäre

3. Teil: "Ohne einen Funken Unrechtsbewusstsein"

Fall Abu Dhabi für DaimlerChrysler "neu"

Auf Anfrage erklärte eine Specherin von DaimlerChrysler, der Fall des in Abu Dhabi festgenommenen Mannes sei für die Konzernzentrale "neu". Einen möglichen Zusammenhang zu den entlassenen Managern wollte sie nicht bestätigen. Wann der Abschlussbericht der konzerninternen Revision zu den Fällen Missing, Fahr und Panka vorliegen werde, konnte die Sprecherin nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet.

Eckhard Panka: Der Fall des ehemaligen Vertriebschefs Deutschland hat die konzerninterne Revision auf die Spur der Manager Missing und Fahr gebracht
Der ehemalige Vertriebschef Deutschland Eckard Panka war im Dezember 2004 überraschend entlassen worden. Nach Informationen von manager-magazin (Ausgabe 02/05) hatte der Topmanager einen Firmenmitarbeiter für einen privaten Hausbau auf Mallorca eingesetzt. Panka zahlte den entstandenen Schaden von rund 20.000 Euro zurück, musste aber trotzdem seinen Posten verlassen.

DaimlerChrysler selbst hatte vor wenigen Tagen zwar einen Zusammenhang zwischen den Fällen der drei entlassenen Manager bestätigt, aber keine Details genannt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt im Fall Panka wegen des Verdachts der Untreue.

"Ohne einen Funken Unrechtsbewusstsein"

Insider von Mercedes gehen davon aus, dass die drei Herren, die privat stark miteinander verbunden gewesen seien, bei unzulässigen oder vorgetäuschten Exportgeschäften über die Berliner Vertriebsorganisation in großem Stil eng zusammengearbeitet haben sollen. Dabei sei es um tausende von Mercedes-Karossen gegangen. Die private Kasse und die Firmenkasse seien "ohne einen Funken Unrechtsbewusstsein" ständig verwechselt worden.

Bewiesen ist bislang allerdings noch nichts. Und so lange die Staatsanwaltschaft oder DaimlerChrysler nicht konkrete Fakten präsentieren, werden die Spekulationen weiter anhalten. Für die Marke Mercedes kann das auf Dauer nur von Schaden sein.

Erste Kritik am Krisenmanagement von DaimlerChrysler

Hannes Brachat sieht darin jedenfalls einen unerträglichen Zustand. Der Herausgeber der Fachzeitschrift "Autohaus" und Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen/Geislingen, kritisierte jetzt in einem Kommentar der "Autohaus"-Online-Ausabe:

"Wenn Daimler eindeutige Unterlagen darüber vorliegen, die Dr. Fahr und Walter Missing belasten oder überführen, dann möge man das deutlich sagen und sich nicht hinter nebulösen Aussagen verschanzen." Es könne nicht sein, dass "hoch verdiente Daimler-Manager in diesem demütigenden Stil demissioniert werden", ohne dass es dazu eine klare Presseverlautbarung von DaimlerChrysler über deren konkrete Verfehlungen gebe.

Seite 3 von 3

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung