Mittwoch, 13. November 2019

DaimlerChrysler Die Export-Affäre

2. Teil: Hamburg schon einmal im Visier der Ermittler

So weisen die Insider darauf hin, dass die Konzernrevision von DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen bereits in den Jahren 2002/2003 auf unzulässige Exportgeschäfte der Hamburger Niederlassung aufmerksam geworden sei. Mindestens fünf Verkäufer, die ein "eigenes Exportnetzwerk" aufgezogen hätten, seien seinerzeit fristlos entlassen worden.

 Fristlos entlassen: Jürgen Fahr, ehemals hochrangiger Manager der DaimlerChrysler Vertriebsorganisation Deutschland
DaimlerChrysler
Fristlos entlassen: Jürgen Fahr, ehemals hochrangiger Manager der DaimlerChrysler Vertriebsorganisation Deutschland
Über Scheinadressen hätten die Hamburger Verkäufer über einen Vermittler hunderte von hochpreisigen Mercedes-Karossen in so genannte geschützte Märkte wie etwa Japan ausliefern lassen. Die dortigen Händler konnten weder bei den Preisen noch bei den Lieferzeiten mithalten. "Bei diesen Geschäften kam es vor allem auf die Geschwindigkeit an", erklärte der Insider gegenüber manager-magazin.de.

Der persönliche Vorteil für die Verkäufer hätte zum einen in der unberechtigt bezogenen Provision bestanden, die seinerzeit rund 1,3 Prozent des Listenpreises für so einen Neuwagen ausmacht. Die Provision konnte unter Umständen aber auch höher ausfallen. Zugleich hätten sie Zuwendungen von dem Vermittler erhalten. Das Exportnetzwerk hätte deshalb jahrelang funktioniert, weil die Autos auch immer bezahlt worden seien.

Wurde eine Werkstatt oder ein Händler des geschützten Marktes im Ausland zufällig auf das eingeschleuste Fahrzeug anhand der Fahrgestellnummer aufmerksam, forderte er in der Regel von der Niederlassung eine so genannte "Auslieferprovision" ein. Diese sei dann zu Lasten der Konzernzentrale in Stuttgart gegangen.

Staatsanwalt spricht von 30 Millionen Euro Schaden

Im Fall des nun in Abu Dhabi festgenommenen Mannes sollen vor allem die beiden Leasingfirmen den Schaden davongetragen haben. Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer bezifferte diesen auf rund 30 Millionen Euro. Für DaimlerChrysler dürfte sich nach seiner ersten Einschätzung der Schaden auf den eingeräumten Rabatt beschränken.

Der 49-Jährige habe bereits im Jahr 2000 damit begonnen, die Mercedes-Karossen ins europäische Ausland zu veräußern, ohne den Erlös an die Leasingfirmen abzuführen. Der Beschuldigte habe dabei äußerst geschickt agiert. Aus den Verkaufserlösen habe er zunächst die Leasingraten teilweise bedient und die Leasingverträge für bereits längst veräußerte Wagen immer wieder verlängern können. Deshalb habe das System bis Oktober 2002 funktionieren können, bis der Schwindel dann Anfang 2003 aufflog und der Beschuldigte samt Unterlagen türmte, erklärte Oberstaatsanwalt Schweer weiter.

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