Samstag, 19. Oktober 2019

Überkapazitäten Oetker schließt Brauereien

2. Teil: Niedergang einer Bierhauptstadt

Dortmund: Niedergang einer Bierhauptstadt

Viele Jahrzehnte lang galt Dortmund als die Bierhauptstadt in Deutschland und Europa. Bereits um 1900 lag der Schwerpunkt der deutschen Bierproduktion in Dortmund. Bier war ein Exportschlager, den die Dortmunder Brauereien mit der lange haltbaren Sorte Export fleißig lieferten. Mitte der 60er Jahre wurde jeder zehnte Liter Bier der Bundesrepublik in Dortmund gebraut, mehr als 6800 Menschen arbeiteten in den Brauereien der Westfalenmetropole. In Dortmund gab es die ersten Brauereien, die mehr als eine Million Hektoliter Bier pro Jahr herstellten und damit Branchenkönige waren.

 Sieger im konzerninternen Wettbewerb: Die Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) setzt sich gegen Brinkhoffs durch
[M]: DPA
Sieger im konzerninternen Wettbewerb: Die Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) setzt sich gegen Brinkhoffs durch
In den 70er Jahren verloren sie aber den Anschluss an den Markttrend. Mit dem Aufstieg der milderen Biersorte Pils ging ein Abstieg der Bierhochburg Dortmund mit ihrem kräftigeren Export einher. Davon profitierten die Privatbrauereien im Sauerland und im Siegerland, die nach und nach Marktanteile im Ruhrgebiet eroberten und damit den Dortmunder Braustätten Biermengen wegnahmen.

Seit Beginn der 90er Jahre sinkt die Zahl der Beschäftigten in den Dortmunder Brauereien. Von 1989 bis 1999 ging die Zahl der Arbeitsplätze im Brauwesen, einst das dritte Standbein der Stadt neben Stahl und Kohle, von mehr als 2600 auf weniger als 900 zurück. Auch die Zahl der Brauereien schrumpfte. Von sieben Braustätten blieben nach Zusammenlegungen zwei Großbetriebe übrig: Die Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) und Brinkhoff.

Marktführer im deutschen Biermarkt

Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker ist der größte Bierhersteller in Deutschland. Das westfälische Familienunternehmen kauft schon seit Jahren traditionsreiche Biermarken auf, um sie aus einer Hand anzubieten. Der Aufstieg zum nationalen Bierkönig gelang vor knapp einem Jahr mit der Übernahme des Dortmunder Getränkeunternehmens Brau und Brunnen. Zuvor war Oetker mit der Frankfurter Radeberger-Gruppe (ehemals Binding) bereits kräftig auf dem deutschen Biermarkt aktiv.

Zu den zahlreichen Biermarken aus dem Hause Oetker gehören neben Radeberger und Jever unter anderem auch Schöfferhofer Weizen, Clausthaler Alkoholfrei, Berliner Kindl, DAB, Brinkhoffs, Schlösser Alt, Sion Kölsch, Berliner Pilsner, Rostocker, Reudnitzer, Sternburg. Auch bei Mineralwasser mischt Oetker dank Brau und Brunnen kräftig mit. Zu Selters kamen durch die Dortmunder Übernahme Sinziger, Glashäger, Spreequell, Margon und Thüringer Waldquell hinzu.

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