Telekombranche Babybell schluckt Mutter AT&T

Die Kosolidierung auf dem amerikanischen Telekommarkt geht weiter. Der zweitgrößte regionale Anbieter SBC Communications wird seinen Wettbewerber AT&T für 16 Milliarden Dollar übernehmen. Für AT&T geht damit eine 120-jährige Firmengeschichte zu Ende: Ausgerechnet ein ehemaliger Spin-Off übernimmt den Mutterkonzern.

New York - Das Geschäft sei abgeschlossen, sagte SBC-Sprecher Larry Solomon am Montag. "Wir haben uns geeinigt, AT&T zu kaufen." Die Dokumente seien am frühen Montag unterzeichnet worden, nachdem der SBC-Vorstand dem Milliardendeal zugestimmt habe. AT&T genehmigte die Übernahme den Angaben zufolge bereits am Sonntagabend.

Der Kauf muss noch von den Wettbewerbsbehörden und den Aktionären gebilligt werden. Wie die Unternehmen mitteilten, erhalten die Eigner von AT&T je Aktie 0,77942 Titel von SBC. Die Transaktion soll bis zur ersten Hälfte 2006 abgeschlossen sein.

Die Konzerne versprechen sich von dem Zusammenschluss eine deutliche Geschäftsverbesserung, die zu einer Gewinnsteigerung führen soll. Die Synergieeffekte lägen nach Abzug der Kosten bei 15 Milliarden Dollar, wovon die Hälfte auf Einschnitte im Netzwerk entfällt, hieß es. Durch einen Abbau von Arbeitsplätzen sollen bis zu 2,25 Milliarden Dollar eingespart werden.

Arbeitsplatzabbau und hohe "Synergieeffekte"

Bei einer Übernahme erhält SBC das wichtige AT&T-Telekomgeschäft mit drei Millionen Unternehmenskunden in den USA und im Ausland, ein globales Hochleistungsnetz sowie das stark schrumpfende AT&T-Ferngesprächsgeschäft.

AT&T hat laut früheren Angaben noch immer rund 25 Millionen amerikanische Ferngesprächskunden. SBC kommt auf 52 Millionen Telefonanschlüsse. Im wichtigen Geschäftskunden-Bereich wird das fusionierte Unternehmen nach Angaben von SBC führend sein.

Arbeitsplatzabbau und hohe "Synergieeffekte"

Der Zusammenschluss wäre das Schlusskapitel in der 120-jährigen Geschichte von AT&T. Durch die Fusion würden einige der größten Stücke des ehemaligen Telefonmonopols wieder vereint, das 1984 zerschlagen worden war.

AT&T war vor zwei Jahrzehnten mit mehr als 90 Prozent Marktanteil dominierender Branchenführer gewesen. SBC war als so genanntes Baby-Bell aus der Zerschlagung entstanden. Zuletzt nahm AT&T unter den US-Telefongesellschaften nur noch auf Platz vier ein.

Der Name soll bleiben

Der Traditionsname AT&T soll trotz der Übernahme nicht verschwinden. Der Name werde sicherlich Teil des neuen Unternehmens bleiben, sagte SBC-Chef Edward Whitacre, der Vorstandschef der fusionierten Gesellschaft werden soll. AT&T-Chef David Dorman soll der Führung weiter angehören.

Die Telekombranche der Vereinigten Staaten steckt in einem weit reichenden Konsolidierungsprozess. Vor allem im Mobilfunksektor hat es in den vergangenen Monaten Milliarden-Fusionen gegeben. Die von SBC gemeinsam mit der US-Telefongesellschaft Bellsouth kontrollierte Mobilfunkfirma Cingular Wireless hatte vor kurzem die Mobilfunkfirma AT&T Wireless für 41 Milliarden Dollar geschluckt und war damit zum größten US-Mobilfunkanbieter aufgestiegen.