EnBW Rochade gegen den französischen Aktionär

Weil die Electricité de France ihren Anteil am Energiekonzern EnBW auf 45 Prozent aufgestockt hat, lodern Übernahmephantasien auf. Der zweite Großaktionär, ein Zweckverband aus neun Landkreisen, hält dagegen, und stockt seinen Anteil auf über 40 Prozent auf. Die Zukäufe haben insgesamt fast eine halbe Milliarde Euro gekostet.

Ulm/Karlsruhe - Im Ringen um die Zukunft der Karlsruher EnBW , nach Eon  und RWE  drittgrößter Energieversorger in Deutschland, hat es eine überraschende Wende gegeben: Die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW/Ulm) wehren sich mit einer Aufstockung ihres Aktienanteils an dem baden-württembergischen Energie-Unternehmen gegen dessen drohende Übernahme durch den französischen Staatskonzern Electricité de France (EdF).

Der Zweckverband der neun Landkreise hat seinen Anteil an der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) um 5,94 Prozent auf 40,44 Prozent erhöht. Gleichzeitig vergrößerte auch die EdF ihren Anteil um 5,94 Prozent auf 44,94 Prozent auf. Das teilten der kommunale Zweckverband OEW, die EdF und die beteiligten Banken am Freitag mit.

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Nach gegenwärtigem Börsenkurs kosten die Aktienpakete jeweils ungefähr 444 Millionen Euro. Landesmittel sind nach dpa-Informationen nicht geflossen. Die OEW haben den Millionen-Kauf aus eigener Kraft getätigt, hieß es. Die Kreistage der OEW-Landkreise sind dem Vernehmen nach nicht mit dem Thema befasst worden.

Pochen auf Einfluss der öffentlichen Hand

In der Debatte um die Macht bei dem Karlsruher Konzern, der über etwa 5,25 Millionen Kunden verfügt, ging es auch immer um ein mögliches finanzielles Engagement des Landes. Dafür hatte sich der künftige Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) aus standortpolitischen Erwägungen eingesetzt. Sein Pochen auf Einfluss der öffentlichen Hand bei dem Konzern mit knapp 20 000 Mitarbeitern war vom Koalitionspartner FDP und der Wirtschaft kritisiert worden.

Oettinger hofft nun, dass mit der Aufstockung des OEW-Anteils eine Übernahme der EnBW durch die EdF verhindert werden kann. Mit dem Aktienkauf werde die Partnerschaft zwischen EnBW (Karlsruhe) und EdF gefestigt. "Für die in absehbarer Zeit anstehenden Investitionsentscheidungen und für die Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft des Landes ist dies ein bedeutsamer Schritt", sagte der CDU-Politiker. Er will sich am kommenden Montag mit dem Vorsitzenden der OEW und EnBW-Aufsichtsratschef Wolfgang Schürle treffen, dem Landrat des Alb-Donau-Kreises.

Phantasie vom zweiten Börsengang verpufft

Die Entwicklung ist überraschend, denn die beiden Pakete sollten nach früheren Informationen erst Ende 2006 zum Verkauf anstehen. Bisher konzentrierte sich die Diskussion auf ein Aktienpaket von 4,5 Prozent, für dessen Kauf die OEW eine Frist bis zum 22. Februar dieses Jahres hatten.

Die Aktienpakete wurden bei der Deutschen Bank  und bei HSBC Trinkaus & Burkhardt (Düsseldorf) erworben. Die Banken hatten die Anteile von zusammen 11,88 Prozent gemeinsam im November 2002 von zwei kommunalen Zweckverbänden gekauft.

Diese Aktien sollten für eine Börsenplatzierung bis Januar 2005 bereit gehalten oder an die beiden Großaktionäre veräußert werden. Die EnBW hat ihren geplanten sogenannten zweiten Börsengang, der zur Ausweitung des Streubesitzes von derzeit weniger als neun Prozent vorgesehen war, mehrfach verschoben; bis heute gibt es dafür keinen Termin.