Siemens Neuer Chef streicht 1250 Stellen

Bereits an seinem ersten Arbeitstag als Siemens-Chef unterstreicht Klaus Kleinfeld, dass er es mit dem Sparkurs ernst meint: In der Festnetzsparte sollen weitere 1250 Stellen gestrichen werden. Darunter sind auch 100 Top-Positionen.

München - Wegen des anhaltend schwachen Marktes, Kostendruck und Überkapazitäten will Siemens  weitere rund 1250 Stellen im seit Jahren krisengeschüttelten Festnetzgeschäft streichen. Damit leitet Klaus Kleinfeld nur einen Tag nach der Übernahme des Chefpostens bei dem Technologiekonzern erste Schritte zur Restrukturierung des renditeschwachen Kommunikationsbereichs Com ein. Die Aktie von Siemens  geriet am Tag der Dividendenzahlung deutlich unter Druck und verlor zeitweise mehr als drei Prozent.

"In einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses der Siemens AG ist heute in Konzept vorgestellt worden, das in Deutschland an verschiedenen Standorten den Abbau von rund 600 Stellen vorsieht", teilte der Münchner Technologiekonzern am Freitag, einen Tag nach der Hauptversammlung, in München mit.

Hiervon entfielen in München etwa 250 Arbeitsplätze auf den Standort Hofmannstraße sowie weitere 150 auf das Werk Perlach. In Berlin sei der Abbau von rund 200 Stellen vorgesehen. "Außerdem gibt es Pläne, rund 650 Arbeitsplätze des Geschäftsgebietes in Vertriebsregionen außerhalb Deutschlands abzubauen."

Auch 100 Top-Positionen sollen fallen

"Wir sind beratungsoffen", sagte Lothar Pauly, Chef der zum 1. Oktober aus dem Festnetz- und Mobilfunkgeschäft gebildeten neuen Sparte. "Der geplante Stellenabbau ist nicht zwingend mit Entlassungen gleichzusetzen."

Ziel sei es, für betroffene Mitarbeiter im Rahmen des Möglichen neue Aufgaben innerhalb des Konzerns oder sozial verträgliche Lösungen zu finden. Siemens wies darüber hinaus nochmals drauf hin, dass in dem Bereich bis zum kommenden Jahr einhundert Stellen in zentralen Funktionen wegfallen sollten.

Ergebniseinbruch im Festnetz von 80 Prozent

Die Sparte Com hatte im ersten Quartal 2004/05 (zum 31. Dezember) einen Gewinn von 240 (Vorjahreszeitraum: 174) Millionen Euro verbucht. Darin enthalten war allerdings ein Sondererlös von 208 Millionen Euro aus Verkäufen von Juniper-Aktien. Damit ergab sich auf vergleichbarer Basis ein massiver Ergebniseinbruch von mehr als 80 Prozent.

Die bis Ende September unter dem Bereichskürzel ICN firmierende Festnetzsparte hat angesichts der Telekommunikationskrise nach der Jahrtausendwende ihre weltweite Mitarbeiterzahl bereits um etwa 20.000 Beschäftigte verringert.