Gebot für Gillette Procter & Gamble plant Megafusion

Procter & Gamble will sich für rund 57 Milliarden Dollar seinen Konkurrenten Gillette einverleiben. Das Angebot an die Gillette-Aktionäre bedeutet einen Aufschlag von rund 18 Prozent. Damit entstünde der vor Unilever weltgrößte Konsumgüter-Konzern.

Cincinati - Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble  will seinen Konkurrenten Gillette für rund 57 Milliarden Dollar kaufen. Klappt die Übernahme, würde das neue Unternehmen mit weitem Abstand vor dem britisch-niederländischen Konkurrenten Unilever  weltweit Branchenführer sein.

Mit einem kombinierten Umsatz von mehr als 60 Milliarden Dollar würde P&G den Abstand zum niederländisch-britischen Unilever-Konzern deutlich vergrößern, der zuletzt auf einen Jahresumsatz von rund 48 Milliarden Dollar kam.

Procter & Gamble, das unter anderem Produkte wie Pampers und Ariel produziert, würde durch den angekündigten Zukauf seine Produktpalette um die Rasierermarken Braun und Gillette sowie um Marken wie Duracell und Oral B erweitern.

Aufschlag von 18 Prozent - Baranteil 40 Prozent

P&G sieht vor, dass 60 Prozent der Übernahme mit eigenen Aktien und 40 Prozent in bar gestemmt werden. Die Gillette-Aktionäre sollen 0,975 P&G-Aktien pro Anteilsschein erhalten. Basierend auf den Aktienkursen vom 27. Januar entspreche dies einem Aufschlag von 18 Prozent auf die Gillette-Aktie.

Den Gesamtwert der Übernahme bezifferte Procter & Gamble auf 57 Milliarden Dollar. Das wäre die teuerste Kauf in der Unternehmensgeschichte von Procter & Gamble.

6000 Stellen sollen entfallen

Wegen der höheren Marktmacht und den Erlössynergien erhöhte Procter & Gamble direkt seine Umsatzprognosen. Auch der Gewinn könnte durch die erwarteten Einspareffekte in Zukunft schneller steigen als bisher prognostiziert.

Wie die beiden Unternehmen am Freitag in Cincinnati und Boston mitteilten, sollen nach einem Zusammenschluss rund 6.000 Stellen oder vier Prozent gestrichen werden. Gemeinsam beschäftigen Procter & Gamble und Gillette derzeit rund 140.000 Menschen.

Aktienrückkauf angekündigt - Buffett zufrieden

Procter & Gamble kündigte zudem ein 18 bis 22 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm bis Mitte 2006 an. Warren Buffet, Chef des größten Gillette-Aktionärs Berkshire Hathaway, bezeichnete die Übernahme als "Traumgeschäft".

Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway hält derzeit 96 Millionen Gillette-Aktien. Das sind rund 10 Prozent der ausstehenden Anteile.

P&G hebt Umsatzprognose an

P&G hebt Umsatzprognose an

Insgesamt bezifferte P&G die Umsatz- und Kostensynergien auf 14 bis 16 Milliarden Dollar. Durch den Zusammenschluss werde sich das Umsatzwachstum beschleunigen. Die Zielbandbreite werde von vier bis sechs Prozent auf fünf bis sieben Prozent erhöht.

Außerdem ermögliche die Fusion noch weiteres Potenzial für das Gewinnziel. Derzeit peilt das Unternehmen ein jährliches Gewinnplus im zweistelligen Prozentbereich an.

Abschluss bis Herbst 2005

Derzeit habe P&G 16 Marken mit einem jährlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar. Durch die Übernahme von Gillette, das unter anderem auch ein Forschungszentrum in Deutschland betreibt, würden fünf neue hinzukommen. Derzeit produziert P&G in 106 Werken in 41 Ländern.

Gillette unterhält 31 Fabriken in 14 Ländern. Da sich nur wenige Marken der beiden Unternehmen überschneiden, ist Procter & Gamble zuversichtlich, die wettbewerbsrechtlichen Fragen in den USA und Europa zu lösen. Nach der erwarteten Zustimmung der Aktionäre der beiden Gesellschaften bis Mitte Mai rechnet P&G bis zum Herbst 2005 mit dem Abschluss der Transaktion.

185 Milliarden Dollar Börsenwert

Gillette hatte im vergangenen Jahr nach Analystenschätzungen 2,3 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 10,3 Milliarden Dollar erzielt. Procter & Gamble erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2003/04 (Juni 2004) einen Überschuss von 6,48 Milliarden Dollar bei einem Erlös von 51,41 Milliarden Dollar. P&G hatte im Jahr 2003/04 unter anderem die deutsche Wella AG gekauft.

An der Börse waren die im Dow Jones notierten Aktien von Procter & Gamble  zuletzt rund 140 Milliarden Dollar wert, während Gillette  auf knapp 45 Milliarden Dollar kam.

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