Siemens Einigung auf Mehrarbeit

Siemens hat sich mit den 20.000 Beschäftigten der neuen "Regionalorganisation Deutschland" geeinigt: Rund 8000 Mitarbeiter werden künftig 37 statt 35 Stunden pro Woche arbeiten. Im Gegenzug gibt der Technologiekonzern bis 2009 eine Standortgarantie für die 35 Niederlassungen.

München - "Das Ergebnis ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unserer inländischen Arbeitsplätze und Standorte", erklärte der scheidende Konzernchef Heinrich von Pierer am Dienstag in München. Der künftige Aufsichtsratsvorsitzende hatte schon im vergangenen Jahr eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit an mehreren Standorten durchgesetzt und damit eine bundesweite Debatte ausgelöst.

Bislang wurden die Mitarbeiter der Regionalorganisation nach zwei unterschiedlichen Tarifverträgen entlohnt. Für rund 12.000 Beschäftigte galt seit 1998 ein Ergänzungstarifvertrag, der unter anderem statt Urlaubs- und Weihnachtsgeld eine variable, erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung vorsieht. Die wöchentliche Arbeitszeit lag bei 37 Stunden.

Weitere 8000 Beschäftigte wären hingegen noch nach dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie entlohnt worden und hätten 35 Stunden pro Woche gearbeitet. Die IG Metall hatte sich gegen eine Angleichung gewehrt und vor Nachteilen für die Belegschaft gewarnt.

Einheitliche Entlohnung und 37 Stunden Arbeitszeit

Die nun getroffene Vereinbarung tritt zum 1. April in Kraft und gilt bis Ende September 2009. Sie sieht im Detail eine Jahresarbeitszeit von 1575 Stunden zuzüglich weiterer 50 Stunden Qualifizierungsmaßnahmen vor - was nach Worten eines Siemens-Sprechers einer Wochenarbeitszeit von rund 37 Stunden entspricht. Urlaubs- und Weihnachtsgeld werde in eine leistungs- und ergebnisbezogene Erfolgsbeteiligung umgewandelt. Diese beiden Regelungen treffen vor allem die bisher im Metall-Tarif beschäftigten Mitarbeiter.

"Die Beteiligten gehen davon aus, dass während der Laufzeit die Beschäftigungszahlen nicht in wesentlichem Umfang reduziert, keine Niederlassungen geschlossen oder verlagert werden", erklärte Siemens.

Kleinfeld-Konzept gilt auch in Deutschland

Der Konzern hatte im Juni angekündigt, sein bislang dezentral geführtes Deutschlandgeschäft unter einem Dach zu bündeln. Vertriebs- und Servicegeschäft sollten so zusammengefasst werden, um Synergien im Verkauf zu heben und die Präsenz in den einzelnen Regionen zu verbessern.

Ein Konzept, das der künftige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld mit Erfolg in den USA umgesetzt hat. Ziel ist es, etwa einem Krankenhaus nicht nur Medizintechnik zu verkaufen, sondern auch die Telefonanlage oder IT - dies alles über einen zentralen Siemens-Ansprechpartner.