Gesundheitsreform Milliardenplus bei den Krankenkassen

Die drastisch erhöhten Zuzahlungen von Patienten für Medikamente haben den Krankenkassen nach einem Pressebericht einen Geldsegen beschert. Die gesetzlichen Kassen haben 2004 demnach bei Medikamenten 2,4 Milliarden Euro gespart.

Hamburg/Essen - Im vergangenen Jahr haben die Kassen 10,5 Prozent weniger ausgegeben als 2003, berichtet die "Bild"-Zeitung. Nach Angaben aus Gesundheitskreisen gingen die Ausgaben für Medikamente laut vorläufigem Geschäftsabschluss der Kassen um rund 2,4 Milliarden auf 20,4 Milliarden Euro zurück. Allerdings erhöhten sich die Zuzahlungen der Patienten im gleichen Zeitraum um 400 Millionen auf 2,2 Milliarden Euro.

Ärzte und Krankenkassen appellieren im Vorfeld der für kommenden Montag erwarteten Kanzlerrunde zum Thema Festbeträge für Scheininnovationen, nicht vor der Pharmalobby einzuknicken. "Ich kann nur davor warnen, dass der Kanzler Zugeständnisse an die Industrie macht", sagt Leonard Hansen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Auch Barmer-Chef Eckart Fiedler sieht "keinerlei Spielraum für ein Aufweichen der Festbetragsregelung". Die Hersteller hofften, einen für sie schmerzlichen Teil der Gesundheitsreform abmildern zu können.

Dabei geht es um die neuen Festbeträge für so genannte Scheininnovationen. Darunter fallen Arzneien, die unter Patentschutz fallen, aber keinen nennenswerten Fortschritt bringen. Seit 1. Januar gelten Festbeträge für entsprechende Cholesterinsenker, Magen-, Migräne- und Blutdruckmittel. Weitere Gruppen sollen folgen. Die Politik erhofft sich dadurch Einsparungen von einer Milliarde Euro im Jahr, 2005 werden es aufgrund diverser Verzögerungen etwa 350 Millionen sein.

Praxisgebühr: Für Spätzahler wird es teurer

Als bundesweit erste Kassenärztliche Vereinigung erhöht die KV Schleswig-Holstein ab Februar die Praxisgebühr für gesetzlich Krankenversicherte, die den Betrag nicht direkt beim Arztbesuch bezahlen, schreibt die "Bild" unter Berufung auf die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Demnach erhalten Patienten, die ihre Gebühr beim Arztbesuch nicht sofort in bar oder per EC-Karte entrichten, einen Überweisungsschein, auf dem 14 Euro statt zehn Euro eingefordert werden. Die KV will damit die Zahl der säumigen Versicherten verringern.

Wie die Zeitung weiter berichtet, haben im vergangenen Jahr bundesweit rund 450 000 gesetzlich Versicherte die Praxisgebühr nicht bezahlt. Nach Berechnungen der KBV entstand Ärzten und Kassenärztlichen Vereinigungen dadurch ein Schaden von 10,1 Millionen Euro.

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