Medienbericht VW bezahlt bis zu 100 Politiker

Weit mehr deutsche Politiker als bisher bekannt könnten in eine Doppelgehälter-Affäre verwickelt sein. Die "Bild"-Zeitung nennt heute die Zahl von 100 Politikern, die alleine bei Volkswagen auf der Gehaltsliste stehen könnten.

Hamburg - Der Volkswagen-Konzern führt nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung möglicherweise bis zu 100 Politiker aus Bundes-, Landes- und Kommunalparlamenten auf seinen Gehaltslisten. Das will das Blatt aus VW-Kreisen erfahren haben. Darunter sollen "wenigstens ein Dutzend deutsche Bundestags- und Landtagsabgeordnete" sein.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte in dieser Woche angekündigt, dass der Automobil-Konzern im Januar eine Liste von Mandatsträgern vorlegen will, die europaweit für Volkswagen tätig sind. Die Veröffentlichung der Namen hatte Pischetsrieder allerdings von der Zustimmung der Betroffenen abhängig gemacht. Zuletzt hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Uhl bestätigt, dass er weiterhin ein monatliches Gehalt von VW bezieht. Die Höhe dieser Zusatzeinkünfte hatte er nicht nennen wollen; die "Bild"-Zeitung gibt heute unter Berufung auf- Konzernkreise einen Betrag von wohl mindestens 10.000 Euro monatlich an.

Auch drei niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete, darunter der Wolfsburger Bürgermeister Ingolf Viereck, hatten eingeräumt, Gehaltszahlungen von Wolfsburg zu erhalten. Vierecks Erklärung, er leiste dafür Beratungsarbeit in der regionalen Sportförderung, kontern die "Wolfsburger Nachrichten" mit einem "VW-Insider", demzufolge Viereck nicht für die VW-Sportförderung zuständig sei.

Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass Uhl bei VW und die FDP-Bildungsexpertin Ulrike Flach bei Siemens auf der Gehaltsliste stehen, ohne dass zweifelsfrei zu erkennen wäre, dass dafür in angemessener Weise gearbeitet worden wäre. Vor Weihnachten waren der CDU-Sozialexperte Hermann-Josef Arentz und der CDU-Generalsekretär nacheinander wegen fragwürdiger Zahlungen vom RWE-Konzern zurückgetreten.

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