Deutsche Banken Das verflixte Jahr 2005

Die deutschen Banken leiden im internationalen Vergleich unter Ertragsproblemen. „Die Grausamkeiten sind noch nicht zu Ende“, sagt deshalb der Wirtschaftsprofessor Wolfgang Gerke mit Blick auf die Mitarbeiter. Und der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes erwartet bald internationale Fusionen mit deutscher Beteiligung.

Berlin - Der Personalabbau bei den deutschen Großbanken wird sich nach Einschätzung des Bankenexperten Wolfgang Gerke auch 2005 fortsetzen. "Die Grausamkeiten sind noch nicht zu Ende", sagte der Nürnberger Lehrstuhlinhaber für Bank- und Börsenwesen. Deshalb seien weitere Stellenstreichungen und die Schließung von Filialen zu erwarten. "Das heißt nicht unbedingt Entlassungen, aber man wird Instrumente wie Fluktuation und Pensionierung nutzen." Der Druck auf die verbleibenden Mitarbeiter werde sich dadurch weiter erhöhen.

Zwar seien Erfolge der Umstrukturierung sichtbar. "Aber auch die internationale Konkurrenz hat an sich gearbeitet und die Renditen gesteigert." Immer stärker drängen diese Konzerne nach Deutschland. Die Citibank hat nach Ansicht von Gerke inzwischen ein "ansprechendes Geschäftsvolumen" erarbeitet. Auch der Erfolg der Direktbank ING-diba mache den etablierten Banken allmählich Sorgen. "Dazu kommen Spezialbanken wie die Autobanken, die ein großes Kundenpotenzial haben." Dennoch hält Gerke die deutschen Banken für "hoch interessant" für ausländische Investoren. "Deutschland ist trotz aller Probleme ein Riesenmarkt."

Das schottische Signal

Problematisch für die deutschen Institute ist ihr Marktpreis. Weil sie niedrig bewertet sind und gleichzeitig ein attraktive Kundenportfolios haben, sind international schon lange begehrte Übernahmekandidaten. So sagte der Chef des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, am Donnerstag der "Berliner Zeitung", er halte Fusionen in der internationalen Finanzbranche mit deutscher Beteiligung in den kommenden Jahren für wahrscheinlich. Wenig Hoffnung hat der Hauptgeschäftsführer der allerdings, dass ein solches fusioniertes Institut seinen Sitz in Deutschland haben wird. "Ich fürchte, die Chance ist gering."

Weber sieht in der Fusion der spanischen Banco Santander mit der britischen Abbey National sei ein Signal. "In den nächsten zwei, drei Jahren werden wir wesentlich mehr solcher Fusionen sehen - unter Einschluss des deutschen Marktes," sagte Weber.

Als positives Beispiel nennt Gerke die Postbank. Es sei ein großer Erfolg, dass sie von anderen Instituten für die Abwicklung von Bankgeschäften genutzt werde. "Langfristig müsste sie aber noch eine höhere Rendite erzielen. Dazu könnte sie auch einen Partner gebrauchen." Ein Zusammengehen mit der Commerzbank könnte daher sinnvoll sein.

Sparkassen fehlt "konzernorientiertes Denken"

Auch die Dresdner Bank komme mit dem Modell der Verkopplung von Bank- und Versicherungsgeschäft unter dem Dach der Allianz in Fahrt. Dagegen tue sich die HypoVereinsbank schwer. "Ich glaube, dass sie beim Wachstum und eventuell auch bei den Renditen den anderen unterlegen sein wird." Der Deutschen Bank fehlen nach Ansicht des Wissenschaftlers noch Marktanteile auf dem Privatkundensektor.

Den Sparkassen und Genossenschaftsbanken empfahl Gerke "mehr konzernorientiertes Denken". Sie sollten zwar selbstständige Vertriebseinheiten bleiben. Um das deutsche Drei-Säulen-Modell mit Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken langfristig zu verteidigen, sei jedoch für Organisation, Marketing und Produkte eine Konzernstruktur im Hintergrund unabdingbar. "Das fällt manchem Sparkassenchef schwer. Da sehe ich noch einen enormen Rückstand."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.