Südostasien Panik nach neuer Tsunami-Warnung

Die internationale Hilfe im Krisengebiet Südasien ist voll angelaufen. Die US-Armee entsendet Flugzeugträger und Tausende Soldaten. Auch Lazarett-Flugzeuge der Bundeswehr sind unterwegs. In Südindien versetzte eine neue Flutwellen-Warnung die Menschen in Panik.

Jakarta/Genf/Berlin - Die Vereinten Nationen sprachen von einer "außerordentlich großen Hilfsbereitschaft" weltweit. Die Erde in der Krisenregion kommt indes nicht zur Ruhe. Seismologen registrierten in der Nacht zu heute neue Seebeben bei Sumatra. Daraufhin gaben indische Behörden für den Süden des Landes eine neue Flutwarnung heraus. Die Menschen flüchteten in Panik.

Am Donnerstagmorgen (Ortszeit) ist das erste Lazarett-Flugzeug der Bundeswehr mit 50 verletzten Deutschen von der thailändischen Urlauberinsel Phuket zum Rückflug gestartet. Die Maschine soll am Abend auf dem militärischen Teil des Köln-Bonner Flughafens in Wahn landen. Ein zweiter MedEvac-Airbus der Bundeswehr war am Mittwochabend vom Frankfurter Flughafen aus in das Krisengebiet gestartet. Die Frankfurter Feuerwehr will mit dem Lufthansa-Airbus ebenfalls schwerst verletzte Opfer der Flutkatastrophe nach Deutschland zurückholen.

Im Norden der indonesischen Insel Sumatra sind nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden hunderttausende Überlebende von Krankheiten bedroht. In der besonders schwer getroffenen Provinz Aceh würden zehntausende weitere Helfer benötigt, um die Gesundheitsgefahren durch verwesende Leichen einzudämmen, hieß es. Auf den Malediven stieg die Zahl der Toten nach einem Bericht des indischen Nachrichtensenders NDTV auf 67. Mehrere Inseln des Urlaubsparadieses seien weiterhin überflutet.

1000 deutsche Touristen werden noch vermisst

Nach Angaben der Bundesregierung werden noch rund 1000 deutsche Touristen im Krisengebiet vermisst. "Dies ist eine Katastrophe wirklich weltweiten Ausmaßes", hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Mittwoch in Berlin erklärt. Es sei von einer "dreistelligen Zahl" deutscher Opfer auszugehen. Die Bundesregierung ordnete Trauerbeflaggung an und erhöhte die Hilfe für die Katastrophenländer auf 20 Millionen Euro.

Tausende US-Soldaten sollen helfen

Mit einem Flugzeugträgerverband wollen die USA in der Krisenregion Hilfe leisten. Ein Teil der insgesamt rund 20.000 Soldaten könne die Hilfsarbeiten im Erdbebengebiet unterstützen, sagte ein US- Militärvertreter am Mittwoch in Washington. Außerdem verfüge der Verband über mehrere Hubschrauber. Es seien bereits Spezialistenteams in den betroffen Ländern vor Ort, um zu beurteilen, ob und wie viele der Soldaten an Land gehen, sagte General James Conway.

Die Bundeswehr wird nach den Worten von Verteidigungsminister Peter Struck jede mögliche Unterstützung zur Verfügung stellen, sobald diese von den Regierungen der Katastrophenregion gewünscht wird. So könne beispielsweise ein Luftlande-Rettungszentrum innerhalb von 72 Stunden in die Katastrophenregion gebracht werden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin am Mittwochabend.

Hilfsorganisationen schätzten am Mittwoch erstmals die Zahl der Katastrophen-Opfer im sechsstelligen Bereich. Nach offiziellen Angaben sind bislang 69 000 Tote zu beklagen, sagte eine Sprecherin der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Föderation (IFRC) in Genf. Wegen der hohen Zahl der Vermissten sei jedoch noch ein deutlicher Anstieg bis auf 100.000 Tote zu befürchten.

Khao Lak - kaum Hoffnung für Deutsche

Apokalypse auf Sri Lanka

Allein auf Sri Lanka rechnete der europäische Koordinator für Hilfe mit bis zu 50.000 Toten. Die Lage sei "apokalyptisch", sagte Philippe Nardin. In Indonesien stieg die offizielle Opferzahl auf mehr als 45.000. UN-Generalsekretär Kofi Annan brach seinen Urlaub ab und wollte am Donnerstag persönlich die Aufsicht über die größte Nothilfeaktionen in der Geschichte der UN übernehmen.

Der Bundesregierung zufolge wurden bislang 26 deutsche Opfer identifiziert. Allein in Thailand war jedoch das Schicksal von mindestens 600 Deutschen unklar, wie die Botschaft in Bangkok berichtete. Für die meisten Gäste und Beschäftigten des vorwiegend von Deutschen besuchten Luxushotels "Magic Lagoon" bei Khao Lak gibt es unterdessen kaum noch Hoffnung. Bis Mittwoch wurden nur 185 der 415 zumeist aus Deutschland stammenden Gäste lebend gefunden.

Alle internationalen Hilfsorganisationen arbeiten unter Hochdruck daran, die Menschen vor allem mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Zwei Teams des Technischen Hilfswerks THW mit Wasser- und Bergungsexperten trafen in Thailand und Sri Lanka ein. Eine dritte Gruppe reiste am Mittwoch nach Indonesien ab.

Bundeskanzler Schröder und andere Spitzenpolitiker riefen die Deutschen ebenso zu Spenden auf wie die katholische und die evangelische Kirche, die am Neujahrswochenende in Sonderkollekten für die Opfer des verheerenden Seebebens sammeln. Papst Johannes Paul II. appellierte erneut an die internationale Gemeinschaft, den Opfern zu helfen. Die Organisationen des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds baten um Spenden.

Panik nach neuer Flutwarnung in Südindien

Nach mehreren Nachbeben in der asiatischen Katastrophenregion haben die indischen Behörden am Donnerstag für den Süden des Landes eine neue Tsunami-Warnung herausgegeben. Die Bewohner der Küstenregion wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Die Warnung galt für die Unionsstaaten Tamil Nadu und Kerala sowie die Inselgruppe der Andamanen und Nicobaren. Der Verwaltungschef der von der jüngsten Flutwelle verwüsteten Stadt Nagappattinam sagte, innerhalb der kommenden Stunde könne eine weitere Flutwelle die Region erreichen.

Nach der Warnung flohen tausende Einwohner aus den Küstengebieten. Die Polizei in Nagappattinam wies hunderte Fahrzeuge mit Hilfsgütern sowie Rettungskräfte an, die Stadt nicht zu betreten. Die Warnung sei herausgegeben worden, nachdem Nachbeben den Wasserspiegel hatten ansteigen lassen, sagte ein Regierungsvertreter in Neu-Delhi.

US-Seismologen relativieren Warnung aus Hongkong

Das Observatorium in Hongkong hatte um 5.18 Uhr Ortszeit (Mittwoch, 22.18 Uhr MEZ) ein Seebeben der Stärke 5,7 nordwestlich von Sumatra registriert, in der Nähe des Epizentrums des verheerenden Bebens vom Sonntag. Weitere Beben wurden in Thailand und Birma registriert.

Seismologen des US-Instituts Geological Survey (USGS)erklärten jedoch, ihnen sei nichts über Nachbeben bekannt, die so stark gewesen wären, dass sie eine Flutwelle hätten auslösen können. Ein solches Beben müsste mindestens die Stärke 7,5 haben, und seit Sonntag sei kein Beben in der Region registriert worden, das stärker als 7,1 gewesen sei, sagte der Seismologe John Minsch.

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