Südasien-Katastrophe 68.000 tot, Zehntausende vermisst

Die Flut- und Erdbebenkatastrophe in Südasien hat bislang mindestens 68.000 Menschenleben gefordert. Behörden in der Krisenregion befürchten mehrere Zehntausend Vermisste. Zugleich drohen Hunger, Krankheiten und Seuchen. In Thailand sind mindestens 49 Deutsche gestorben.

Banda Aceh - Nach Sri Lanka hat auch Indonesien in der Nacht zum Mittwoch die offizielle Totenzahl bei der Beben- und Flutkatastrophe weiter heraufgesetzt. Der indonesische Vizepräsident Jusuf Kalla sagte am Mittwoch, die Regierung gehe jetzt von insgesamt 30.000 bis 40.000 Toten aus. Das Sozialministerium in der Hauptstadt Jakarta hatte Stunden zuvor mitgeteilt, die offizielle Totenzahl betrage jetzt 32.502. Besonders schwer betroffen von dem Seebeben am Sonntag und der nachfolgenden Flutwelle war die Bürgerkriegsprovinz Aceh an der Nordspitze Sumatras.

Vor Diplomaten sagte Kalla, zu befürchten sei, dass mindestens fünf Prozent der Bewohner der Hafen- und Provinzhauptstadt Banda Aceh die Naturkatastrophe nicht überlebt hätten. Die Stadt hatte vor der Tragödie rund 300.000 Einwohner. In der Provinz Aceh leben rund 4,5 Millionen Menschen. In einer Pressemitteilung der Regierung hieß es, das Land benötige 150 Millionen Dollar Soforthilfe für Nahrungsmittel, Kleidung, medizinische Versorgung und Notunterkünfte.

Behörden gehen von mehreren Zehntausend Vermissten aus

Zuvor hatte auch die Regierung in Colombo erneut die Totenzahl erhöht. Dort sei jetzt der Tod von 21.715 Menschen offiziell bestätigt, teilte die Regierung Sri Lankas mit. Insgesamt hat die Erdbeben- und Flutwellen-Katastrophe in Südasien nach allerdings nur vorläufigen Angaben der Regierungen in Sri Lanka, Indien, Indonesien, Thailand, Myanmar, Malaysia und den Malediven mindestens 68.000 Menschenleben gefordert. Drei Tage nach dem Erd- und Seebeben gehen die Behörden noch immer von mehreren Zehntausend Vermissten aus. Das Schicksal von mindestens 3500 ausländischen Touristen ist noch ungewiss.

Das thailändische Innenministerium in Bangkok meldet, unter den bisher gefundenen 473 toten Ausländern aus 36 Ländern seien 49 Deutsche, 54 Schweden und 43 Briten. Bei 84 toten Touristen konnte die Nationalität bisher nicht geklärt werden. Mehrere tausend Touristen werden noch vermisst, so dass die Liste des Innenministeriums nur eine vorläufige Bilanz darstellt.

Unterdessen haben sich die deutschen Reiseveranstalter darauf geeinigt, in den kommenden Tagen keine Detailinformationen mehr über ihre Rettungsaktionen in dem vom Seebeben betroffenen Gebieten Südasiens veröffentlichen. Angaben über gefundene, vermisste und getötete Urlauber würden nur noch vom Auswärtigen Amt herausgegeben, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Dies Alle Fäden liefen jetzt im Auswärtigen Amt zusammen.

Er begründete das Vorgehen mit den teils iedersprüchlichen Angaben über gefundene und vermisste Touristen, die im Umlauf seien. Am Vortag hatten Tui und Thomas Cook gemeldet, die Suche nach ihren Gästen durch das Eintreffen weiterer Hilfskräfte vor Ort zu verstärken.

Seuchen, Krankheiten und Hunger drohen

Über eine Million Menschen von Indonesien über Sri Lanka bis nach Somalia verloren in den Fluten ihre Wohnungen und Häuser. Hilfsgruppen bemühen sich, die womöglich größte Rettungsoperation in der Menschheitsgeschichte in Gang zu setzten. Der Leiter des Krisenstabes der Weltgesundheitsorganisation, David Nabarro, fürchtet dennoch von einer Verdoppelung der Opferzahl durch Seuchen, Krankheiten und Hunger. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen handelte es sich wohl um "die größte Naturkatastrophe aller Zeiten". Die Schäden überträfen alle Vorstellungskraft, sagte der stellvertretende Uno-Generalsekretär Jan Egeland.

Die Europäische Union sprach sich für eine internationale Geberkonferenz zum Wiederaufbau der Staaten im Indischen Ozean aus. Der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Louis Michel stellte am Dienstag in Brüssel zugleich weitere Finanzhilfe der Europäischen Union bis zu 30 Millionen Euro in Aussicht. Brüssel hat bereits drei Millionen Euro an Notfallhilfe zugesichert.

Touristen berichten von großer Hilfsbereitschaft

Deutsche Rückkehrer aus dem Katastrophengebiet lobten unterdessen die thailändischen Behörden. Der Transport aus den zerstörten Feriengebieten und die Abwicklung der Flüge nach Deutschland hätten reibungslos funktioniert, berichteten die Touristen aus Phuket nach ihrer Landung auf dem Münchner Flughafen am späten Dienstagabend. "Es war alles perfekt organisiert", sagte ein Tourist aus Graz. Auch von der thailändischen Bevölkerung hätten die Urlauber große Hilfsbereitschaft erfahren. Einwohner hätten zahlreiche Touristen sofort mit Getränken und Essen versorgt und sogar mit Bargeld ausgeholfen, berichtete eine Münchnerin.

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