Trotz Nachfolgetechnik Banken bleiben EC-Karte treu

Ende 2004 sollte nach einem Beschluss der europäischen Kreditwirtschaft eigentlich Schluss sein mit der traditionellen EC-Karte. Doch die Banken trauen sich zurzeit nicht, das nach Bargeld zweitliebste Zahlungsmittel der Deutschen zu verbannen. Stattdessen bekommt EC unverhofft eine weitere Akzeptanzstelle.

Frankfurt - "Das ist eine eingeführte Marke mit einem hohen Wiedererkennungseffekt", erklärt Michael Lermer, Pressesprecher der Deutschen Bank in Frankfurt. Auch die übrigen großen Privatbanken wie Commerzbank, Dresdner Bank und HypoVereinsbank, die Postbank sowie die Genossenschaftsbanken drucken das EC-Logo weiterhin auf die Frontseite ihrer Karten. "Unsere Kunden erkennen dann sofort, ob sie die Karte an der jeweiligen Kasse einsetzen können", sagt Ralf Horak, Pressesprecher bei der HypoVereinsbank in München.

Dabei hatte sich vor zwei Jahren bereits das Aus der vertrauten Karten abgezeichnet. Damals begannen die deutschen Sparkassen, das EC-Logo von der Frontseite ihrer Karten zu verbannen. Rund 20 Millionen Sparkassenkarten sind seither nicht mehr auf den ersten Blick als weithin einsetzbares Zahlungsmittel zu erkennen.

Das EC-Logo findet sich neben vielen anderen nur noch versteckt auf der Rückseite. Auch einige kleinere Kreditinstitute haben sich dem radikalen Schritt der Sparkassen angeschlossen. Probleme wegen des Wandels sind dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) nicht bekannt. "Wir haben Handel und Kunden eingehend über die Umstellung informiert", erklärt DSGV-Pressesprecherin Michaela Roth.

Schlappe Konkurrenz durch die Maestrokarte

Jahrzehntelang hatte die EC-Karte vor allem die Funktion, den Gebrauch des 1968 eingeführten eurocheques abzusichern. Mit der Abschaffung der europaweit einsetzbaren Schecks 2001 ist diese Funktion verloren gegangen.

Damals war in der Kreditwirtschaft von zahlreichen Experten erwartet worden, dass mit dem Scheck auch die Karte sterben würde. Als international anerkanntes Nachfolgesystem stand die Maestrokarte bereit, ein Produkt des US-Kreditkartenunternehmens Mastercard. Doch der erwartete Wechsel von der EC-Karte zur Maestrokarte hat bis heute nicht wirklich stattgefunden.

Zwar tragen ausnahmslos alle rund 90 Millionen deutschen Debitkarten heute das rot-blaue Maestrologo, mit dem Begriff Maestrokarte kann aber kaum jemand etwas anfangen. "Viele Menschen sprechen noch von einer EC-Karte, obwohl der Begriff veraltet ist", erklärt DSGV-Sprecherin Roth.

Der mögliche Einstieg von Aldi

Entscheidend zur Rettung der EC-Karte dürfte das 1990 allein in Deutschland eingeführte Zahlungssystem electronic cash beigetragen haben. Das ließ sich praktischerweise ebenfalls ec abkürzen und wurde vom Zentralen Kreditausschuss der deutschen Banken und Sparkassen mit einem Logo ausgestattet, das dem alten eurocheque-Symbol zum Verwechseln ähnlich sieht.

Mit electronic cash wuchsen die Einsatzmöglichkeiten an Supermarktkassen und Tankstellen. Das nur wenig später eingeführte Lastschriftverfahren steigerte den Nutzen der Plastikkarte nochmals. Und die Bedeutung der Debitkarten nimmt immer weiter zu. "Electronic cash ist das Verfahren mit der höchsten Steigerungsrate", erklärt Roth. Nach Angaben des Sparkassenverbands nahmen die Zahlungsvorgänge mit Hilfe von electronic cash allein im ersten Halbjahr 2004 um 20 Prozent zu. Zurzeit erwägt Discounter Aldi, als letzter großer deutscher Einzelhändler das Zahlungssystem einzuführen.

Dagegen spielt das Maestrosystem nach Angaben von Rainer Herrmann, Kartenexperte beim DSGV, im inländischen Zahlungsverkehr keine Rolle. Zahlungen laufen lediglich über Maestro, wenn ein deutscher Karteninhaber im Ausland einkauft oder sich am Geldautomaten Bares besorgt. Ausschlaggebend für die geringe Akzeptanz von Maestro in Deutschland dürfte sein, dass electronic cash für den Handel konkurrenzlos günstig ist. Bei einem Einkauf über ec werden nach Angaben der Kreditwirtschaft lediglich 0,3 Prozent des Umsatzes als Gebühr fällig. Allein dieser Umstand dürfte dem EC-System in Deutschland noch ein langes Leben bescheren.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.