Zusatzeinkünfte SPD-Politiker auf der Gehaltsliste von VW

Nach den Skandalen um die CDU-Vertreter Laurenz Meyer und Hermann-Josef Arentz gerät der SPD-Landtagsabgeordnete und Wolfsburger Bürgermeister Ingolf Viereck in den Verdacht, ohne Gegenleistung auf der Gehaltsliste des VW-Konzerns zu stehen. Erste Erklärungen von ihm und seinem Arbeitgeber wirken widersprüchlich.

Hannover - Der niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete und Wolfsburger Bürgermeister Ingolf Viereck bezieht laut einem Zeitungsbericht seit mehr als zehn Jahren für unklare Gegenleistungen ein regelmäßiges Gehalt von Volkswagen. Der 42-jährige Abgeordnete, der sich in Handbüchern des niedersächsischen Landtages als "kaufmännischer Angestellter der Volkswagen AG" bezeichnet, sei nicht mehr auf der Telefonliste des Konzerns verzeichnet und habe dort auch keinen Arbeitsplatz, berichtete die "Bild"-Zeitung. Dennoch erhalte er ein Gehalt von rund 3000 Euro monatlich. Außerdem stelle VW ihm einen Dienstwagen, verlautete aus dem Konzern.

Viereck, der auch Wolfsburger Bürgermeister ist, räumte in der Zeitung die Gehaltszahlungen ein. Für das deutlich reduzierte Gehalt arbeite er aber auch, sagte der SPD-Politiker. "Ich habe zwar bei VW keinen Schreibtisch, keine Telefonnummer. Ich habe aber einen Tele-Arbeitsplatz. Ich arbeite von zu Hause aus." Auskünfte zur Art seiner Tätigkeit für VW wollte der Abgeordnete der Zeitung nicht geben. Auch ein VW-Sprecher verweigerte Angaben darüber. "VW zahlt grundsätzlich nur für eine Leistung, das gilt selbstverständlich auch für Herrn Viereck. Diese Leistung hat nichts mit seiner Abgeordneten-Tätigkeit zu tun", sagte der Sprecher.

Der "Bild"-Zeitung hatte Viereck gesagt: "Für mich ist die VW-Abteilung Regierungsbeziehungen zuständig. VW unterstützt gesellschaftliches Engagement seiner Mitarbeiter." Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa berät Viereck das Unternehmen auf lokaler Ebene bei der Sportförderung. Der Politiker war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Viereck war seit 1990 bis zu seiner Wahl in den Landtag 1994 hauptberuflich als kaufmännischer Angestellter bei VW in Wolfsburg beschäftigt. Viereck ist in allen drei seit 1994 erschienenen Handbüchern des niedersächsischen Landtages als VW-Angestellter eingetragen.

Vergangene Woche war CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer zurückgetreten, nachdem er wegen Zahlungen des RWE-Konzerns unter Druck geraten war. Zuvor war bereits der frühere Vorsitzende der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Hermann-Josef Arentz, über Gehaltszahlungen von RWE ohne Gegenleistung gestolpert.

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