Samstag, 25. Mai 2019

Yukos-Verkauf "Ein Russland-internes Problem"

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin haben die jüngste Versteigerung der Yukos-Tochter Yuganskneftegaz als rein innerrussische Angelegenheit bezeichnet. Gleichzeitig stellte Putin während seines Deutschland-Besuches ein "großes Weihnachtsgeschenk" für Deutschland in Aussicht.

Hamburg/Schleswig - "Jeder Versuch, das zu einer Frage der deutsch-russischen Beziehungen zu machen, wird scheitern", hob Schröder am Dienstag bei einer Presssekonferenz mit Putin nach den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Schleswig hervor. Putin sagte ebenfalls, im Fall Yukos handele es sich um ein "Russland-internes Problem". Er habe Schröder aber über das Ereignis informiert.

Wladimir Putin, Gerhard Schröder in Hamburg: "Yukos ist keine Frage der deutsch-russischen Beziehungen"
Soweit ihm bekannt sei, habe die Auktion in voller Übereinstimmung mit der russischen Gesetzgebung stattgefunden, sagte Putin. Er gehe davon aus, dass auch alle weiteren Aktivitäten im Rahmen der Gesetzgebung und der wirtschaftlichen Interessen der Marktteilnehmer stattfänden, sowohl der russischen als auch der Partner. Putin sagte auf eine Frage, man könne "nicht ausschließen", dass sich ein chinesisches Energiewirtschaftsunternehmen an dem versteigerten Aktivum beteiligen werde.

Einstieg von China?

"In welchem Umfang sollen die Partner selber entscheiden, aber das ist durchaus möglich", erklärte Putin. Den Zuschlag für die wichtigste und größte Öl produzierende Yukos-Tochter Yuganskneftegaz hatte am Sonntag für umgerechnet rund sieben Milliarden Euro das bislang völlig unbekannte Finanzunternehmen Baikalfinansgroup erhalten. Der Yukos-Mehrheitsaktionär Menatep hatte daraufhin in London angekündigt, den neuen Besitzer der Produktionstochter in Europa und den USA zu verklagen, sobald die Identität des Käufers feststehe.

Auslandsschulden schneller tilgen

Putin hatte Schröder zuvor die vorzeitige Rückzahlung russischer Schulden in Milliarden-Höhe in Aussicht gestellt. Der Kremlchef habe angedeutet, dass Deutschland "ein großes Weihnachtsgeschenk" bekommen werde, hieß es in deutschen Regierungskreisen.

Russland schuldet Deutschland im Pariser Club der Gläubigerstaaten rund 21 Milliarden Euro. In Regierungskreisen hatte es geheißen, Moskau wolle Deutschland von 2005 bis 2007 pro Jahr zwischen zwei und 2,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Insgesamt wolle Russland dank seiner hohen Öleinnahmen binnen drei Jahren Auslandsschulden auch an andere Staaten in Höhe von rund 30 Milliarden Euro tilgen.

Bei ihrem Treffen sprachen Schröder und Putin den Angaben zufolge auch "kurz" über den Ölkonzern Yukos. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Beim Thema Ukraine hätten beide bekräftigt, dass das Ergebnis der für den 26. Dezember angesetzten Wahlwiederholung akzeptiert werden müsse.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung