Konjunktur Zwischen Hoffen und Bangen

Die deutsche Wirtschaft ist gut in das vierte Quartal gestartet. Trotz positiver Daten zum Export und zur Industrieproduktion streiten Experten aber darüber, ob sich die Erholung fortsetzen wird. Das Kieler IfW sieht das Risiko einer Rezession.

Berlin - Im Oktober legten die Exporte nach offiziellen Angaben vom Donnerstag um 1,2 Prozent zum Vormonat zu. Die deutschen Industriefirmen produzierten 0,6 Prozent mehr als im September.

"Das war ein ordentlicher Start ins vierte Quartal", sagte Jörg Lüschow von der WestLB. Gleichwohl warnten einige Volkswirte vor übertriebenem Optimismus. Während das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für das vierte Quartal ein Wachstum von 0,5 Prozent erwartet und von guten Voraussetzungen für 2005 sprach, senkte das Kieler IfW seine Prognosen.

Export nach Rücksetzer erholt

Für kommendes Jahr erwartet das Kieler IfW nur noch ein Plus des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,8 Prozent nach 1,7 Prozent in 2004. Damit erhöht sich nach Ansicht des IfW sogar das Risiko einer Rezession.

Der Export, der Deutschland im ersten Halbjahr bescheidene Wachstumsraten beschert hatte, scheint sich von dem Dämpfer im dritten Quartal wieder zu erholen. Im Oktober führten die deutschen Firmen 1,2 Prozent mehr Waren aus als im Oktober 2003.

"Ich gehe davon aus, dass wir ein etwas besseres viertes Quartal haben werden, obwohl klar ist, dass die Dynamik, die wir in der ersten Jahreshälfte gesehen haben, nicht wiederkommt", sagte Harald Jörg von der Dresdner Bank. Der rapide steigende Kurs des Euro hatte zuletzt Befürchtungen geweckt, der Export als wichtigster Motor des Aufschwungs könnte an Zug verlieren.

Risiko einer Rezession gestiegen

Risiko einer Rezession gestiegen

Zuletzt hatten zwar einige Konjunkturindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima und die Reuters-Einkaufsmanagerindizes Skepsis an der Erholung geweckt. Doch die deutschen Firmen hatten im Oktober überraschend viele Aufträge erhalten und ihre Produktion stärker als erwartet hochgefahren.

Äußert skeptisch bewertet das Kieler IfW die hiesige Wirtschaftsentwicklung. "Nach nur einem Jahr Aufschwung verliert die Konjunktur in Deutschland schon wieder an Fahrt", erklärte das Institut in seiner aktuellen Konjunkturprognose. Für 2005 erwartet das IfW vor allem wegen geringerer Export-Impulse ein Abflauen des Wachstums. Der Binnenmarkt werde im nächsten Jahr nur leicht anziehen und könne deshalb die erwartete Abkühlung der Weltwirtschaft nicht ausgleichen.

Auch für dieses Jahr senkten die Forscher ihre Wachstumsprognose auf 1,7 von 1,9 Prozent. 2006 sei ein BIP-Zuwachs von 1,3 Prozent zu erwarten. Mit ihrer Prognose für das kommende Jahr gehören die Kieler eher zum Lager der Konjunktur-Pessimisten. Anders als andere Volkswirte erwarten sie auch um den Effekt unterschiedlicher Arbeitstage bereinigt einen Rückgang des Wachstums auf 1,0 Prozent in 2005 von 1,2 Prozent in 2004.

Der merklich langsamere BIP-Zuwachs führe letztlich zu einem erhöhten "Risiko einer rezessiven Entwicklung". Von einer Rezession sprechen die Experten, wenn das BIP mindestens zwei Quartale hintereinander sinkt. Dies war im ersten Halbjahr 2003 in Deutschland der Fall, als das BIP auch im Gesamtjahr geschrumpft war.

DIW bleibt optimistisch

Wesentlich optimistischer als das IfW sind die Berliner DIW-Forscher. Das Institut hatte zuletzt eingeräumt, dass die Risiken für seine BIP-Prognose von plus zwei Prozent im kommenden Jahr gestiegen sein, hält aber an seiner Zuversicht fest. Mit Blick auf jüngste Daten vor allem aus dem Inland rechnet das DIW mit einem Wachstum von 0,5 Prozent im Schlussquartal dieses Jahres: "Alles in allem wären damit die Voraussetzungen für einen gelungenen konjunkturellen Start in das Jahr 2005 erfüllt."

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