KarstadtQuelle Aus dem Tal der Tränen

Eine Kapitalerhöhung zu planen ist nicht schwer, sie umzusetzen schon. Jedenfalls, wenn ein Unternehmen der Insolvenz gefährlich nah ist. Gelingt KarstadtQuelle die Platzierung des 535-Millionen-Euro-Pakets? Seit Monatsbeginn schwanken die Einschätzungen von Investoren dazu stark. Nun ist das Vorhaben offenbar über den Berg.
Von Christian Buchholz

Hamburg/Essen - Konkrete Kaufaufträge instituioneller Investoren für die Kapitalerhöhung bei KarstadtQuelle  versüßen der Konzernleitung derzeit die Vorweihnachtszeit. Konzersprecher Jörg Howe will sich dazu zwar nicht konkret äußern, bestätigt aber gegenüber manager-magazin.de: "Wir verzeichnen ein sehr großes Interesse bei Investoren aus Deutschland, England und den USA." Offenbar vertraut das Fachpublikum den Sanierungsplänen von Vorstandschef Christoph Achenbach.

Als Beleg könnte der Aktienkurs herhalten: Erstmals seit Wochen wendet sich der KarstadtQuelle-Chart wieder ins Plus. Noch deutlicher ist die Tendenz bei den Bezugsrechten für die neuen Aktien  aus der Kapitalerhöhung, die am 14. Dezember durchgeführt werden soll: Zum Monatsbeginn bei 1,82 Euro gestartet, sank der Kurs des Papiers, das ähnlich einem Optionsschein funktioniert, bis auf 52 Cent. Die darauffolgende Erholung gipfelt bisher bei einem Kurs von 1,21 Euro, kurz nach Handelsbeginn betrug das Kursplus am heutigen Donnerstag 5,36 Prozent, bis zum Mittag sackte der Kurs aber kräftig auf unter einen Euro.

Entscheidung zur Wandelanleihe steht noch aus

Auf die Frage, ob die Bezugsrechte bisher ausschließlich an institutionelle Anleger oder auch an Handels-Unternehmen verkauft wurden, antwortet KarstadtQuelle-Sprecher Howe: "Die Interessenten sind primär Finanzinvestoren." Bei den Gesprächen mit ihnen, die das Management des Essener Konzerns in den vergangenen Tagen im Rahmen einer Roadshow führte, hat eine weitere Kapitalmaßnahme des Konzerns laut Howe nur eine untergeordnete Rolle gespielt: Die für April angepeilte 200-Millionen-Euro-Wandelanleihe. "Die Begebung der Wandelanleihe ist für uns nach wie vor eine Option - es gibt keine Entscheidung dazu", so Howe gegenüber manager-magazin.de.

An der Kapitalerhöhung werden sich in jedem Fall die Familien-Aktionärin Madeleine Schickedanz und die Allianz  beteiligen - allerdings ist deren Engagement auf zusammen 280 Millionen Euro begrenzt. Die andere knappe Hälfte wird unter Führung von ABN Amro Rothschild  und Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) platziert, beteiligt sind außerdem die WestLB und Société Generale  - der Ausgabekurs der neuen Aktien ist bereits auf 5,75 Euro festgelegt, der Börsenhandel der Bezugsrechte endet am heutigen Donnerstag (9. Dezember).

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" halten sich die Banken bei den Gebühren für die Kapitalerhöhung zurück. Statt der üblichen 1,5 bis zwei Prozent würde nur rund ein Prozent verlangt. Rein kaufmännisch beurteilt könnte dies bedeuten, dass die Banken das Risiko, die Anteile nicht platzieren zu können, niedrig einschätzen.

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